Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem evangelischen Kirchentag
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem evangelischen Kirchentag

22.06.2019

Kanzlerin Merkel beim evangelischen Kirchentag "Können Klimaneutralität erreichen"

Klimaschutz und der Kampf gegen Extremismus blieben auch am Samstag zentrale Themen auf dem Kirchentag. Bundeskanzlerin Angela  Merkel warb für die deutschen Klimaziele und internationale Zusammenarbeit.

Forderungen nach mehr Klimaschutz und klarer Kante gegen Extremismus haben auch am Samstag den evangelischen Kirchentag bestimmt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte bei ihrem Besuch des Protestantentreffens in Dortmund an, nach dem Scheitern eines verbindlichen Klimaziels beim EU-Gipfel in Brüssel für Deutschland an der Klimaneutralität bis 2050 festzuhalten.SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil begrüßte den Ausschluss von AfD-Repräsentanten von Kirchentagspodien als klares Signal gegen rechts.

Merkel verwies auf einem Kirchentagspodium auf das Klimaabkommen der UN. Für Deutschland heiße das, "dass wir bis 2050 mit Blick auf das Klimathema Klimaneutralität erreichen können und erreichen werden", sagte die Regierungschefin, nachdem sich die EU-Staaten bei ihrem Gipfel am Freitag nicht auf eine konkrete Jahreszahl für Klimaneutralität einigen konnten.

"Kein Land kann globale Herausforderungen allein bewältigen"

In ihrer Rede warb Merkel erneut für internationale Zusammenarbeit und kritisierte die zunehmenden nationalen Rückbesinnungen in vielen Staaten. "Kein Land alleine kann die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts allein bewältigen", sagte sie und verwies auf Migration, Klimawandel und Digitalisierung.

Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen sieht den Klimaschutz als zentrales Thema des diesjährigen Kirchentags. Die Schöpfung sei in akuter Gefahr, sagte er und rief die Kirchentagsbesucher auf, sich mehr für den Klimaschutz zu engagieren.

Die Menschheit sei gerade dabei, einer "lebenszerstörenden Beziehung" zum Planeten tatenlos zuzuschauen. Hirschhausen ist Mitinitiator der "Scientists for Future", einer großen Gruppe von Wissenschaftlern, die sich hinter die Forderungen der "Fridays for Future"-Bewegung stellen.

Merkel fordert umfassende Aufklärung von Lübke-Mord

Im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke forderte Merkel auf dem Kirchentag eine umfassende Aufklärung möglicher Verbindungen zur rechtsterroristischen Terrorgruppe NSU. Noch liefen die Ermittlungen, aber manches zeige, dass es zwischen dem mutmaßlichen Täter und dieser Zeit Verbindungen gebe, sagte die Kanzlerin und betonte, sie sage das "mit aller Vorsichtigkeit".

SPD-Generalsekretär Klingbeil kritisierte angesichts des Mordes eine Verrohung der Sprache in den sozialen Medien. "Aus solcher Hetze folgen Taten", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande des Protestantentreffens. Klingbeil begrüßte die Entscheidung des Kirchentags, keine AfD-Politiker einzuladen, als klares und mutiges Signal. Er machte die AfD für eine "aufgeheizte politische Stimmung in Deutschland" mitverantwortlich. Es brauche jetzt eine klare Haltung in der Gesellschaft "gegen die, die Hass säen und zündeln".

Flimm: Debatten über ökumensiche Streitthemen beenden

Die Kirchentags-Generalsekretärin Julia Helmke betonte, jeder sei zum Dialog aufgefordert, auch Menschen vom rechten Rand der Gesellschaft. Allerdings müssten Grenzen aufgezeigt werden, sollte die Menschenwürde verletzt werden, sagte sie am Samstag im Bayerischen Rundfunk.

Der Theaterregisseur Jürgen Flimm rief die Kirchen auf, angesichts von Rechtspopulismus Debatten über ökumenische Streitthemen zu beenden. "Habt ihr immer noch Zeit, über Äußerlichkeiten zu streiten, über Spitzfindigkeiten?", fragte der 77-Jährige, der bis März 2018 Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden war.

Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag mit 118.000 Teilnehmern steht unter dem Leitwort "Was für ein Vertrauen" und dauert bis Sonntag

(epd)

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