EKD-Friedensbeauftragter gegen massive Aufrüstung der Bundeswehr

"Massive Aufrüstung" sei keine angemessene Reaktion

Pauschal den Verteidigungshaushalt auf 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts festzulegen, käme einer Verdopplung des Etats gleich, kritisiert der EKD-Friedensbeauftragte. Wichtiger sei, den zivilen Friedensdienst auszubauen.

Schützenpanzer der Bundeswehr / © Armin Weigel (dpa)
Schützenpanzer der Bundeswehr / © Armin Weigel ( dpa )

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, hat eine geforderte Erhöhung der deutschen Militärausgaben kritisiert.

Zwei-Prozent-Ziel bis 2024

Beim Ökumenischen Jahresempfang der Kirchen in Sachsen-Anhalt wandte er sich an diesem Dienstagabend dagegen, pauschal zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zum Maßstab zu machen. Dies würde eine Verdoppelung des deutschen Verteidigungshaushalts im Vergleich zu 2016 bedeuten, betonte Brahms. Die Nato-Staaten hatten vereinbart, das Zwei-Prozent-Ziel bis 2024 anzustreben.

"Solange wir eine Welt vorfinden, in der eine Bundeswehr gebraucht wird, muss diese vernünftig ausgestattet werden", sagte Brahms laut vorab verbreitetem Manuskript. Eine "massive Aufrüstung" sei jedoch keine angemessene Reaktion auf zunehmende Konflikte. "Nicht Säbelrasseln und Aufrüstung sind die notwendigen Schritte, sondern hartnäckiges politisches Agieren, Verhandeln und Dialog".

Bessere Ausstattung des Zivilen Friedensdiensts

Als wichtige Aufgabe nannte der EKD-Friedensbeauftragte, den Zivilen Friedensdienst auszubauen, zu dessen maßgeblichen Trägern auch die Kirchen gehören. Die Experten des Friedensdienstes engagierten sich unter anderem als Journalisten, Schlichter und Wahlbeobachter für den Frieden. Diese wenig bekannten Dienste "politisch und finanziell besser auszustatten", entlaste auch die Bundeswehr "von überzogenen Erwartungen oder gefährlichen Einsätzen".

Brahms mahnte, auch die mit friedensgefährdenden Entwicklungen verbundenen ethischen Fragen aufzunehmen. "Eine rein pragmatische Politik - so notwendig sie auch immer ist - reicht nicht aus." So plädierte er dafür, ein internationales Verbot voll automatisierter Waffen anzustreben, "bevor wir nach Jahrzehnten und nach tausenden von Toten eine Ächtung herbeiführen müssen".

Bischof Feige: Friede ist mehr als Waffenstillstand

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige warb dafür, "einen Frieden anzustreben, der mehr ist als nur ein Waffenstillstand, ein fauler Kompromiss, eine stimmungsvolle Idylle, eine satte Zufriedenheit oder eine entspannte Totenruhe". Er hob hervor, wie viele Gewalttaten vor allem im vergangenen Jahrhundert "im Namen der menschlichen Vernunft oder unter dem Antrieb unmenschlichen Wahnsinns" verübt worden seien. Auch das Christentum habe "Anlass zu Streitigkeiten oder sogar Kämpfen gegeben", räumte der Bischof des Bistums Magdeburg ein.

Pfeiler christliche Werte

Sachsen-Anhalts Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch hob die Bedeutung christlicher Werte trotz rückläufiger Mitgliederzahlen der Kirchen hervor. "Die kulturelle Verankerung christlicher Werte ist in der Bevölkerung deutlich stabiler und ausgeprägter, als es in der Bindung zur Institution zum Ausdruck kommt", so Brakebusch.

Zu dem Empfang eingeladen hatten die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, das Bistum Magdeburg und die Evangelische Landeskirche Anhalts, außerdem das Erzbistum Berlin und die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig, zu denen kleinere Gebiete in Sachsen-Anhalt gehören.


Bundeswehrsoldaten / © Martin Schutt (dpa)
Bundeswehrsoldaten / © Martin Schutt ( dpa )
Quelle:
KNA
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