Bundeswehr
Uniform eines Bundeswehrsoldaten

28.05.2019

Militärbischof fordert mehr Respekt für Bundeswehr und Polizei "Viel zu wenig anerkannt"

Der evangelische Militärbischof fordert von den Kirchen mehr Wertschätzung für die Bundeswehr und die Polizei. Es könne nicht angehen, dass Pfarrer eine Trauung verweigerten, wenn Soldaten in Uniform heiraten wollten.

"Ich finde es falsch, dass so vielen Deutschen bis heute ihre eigene Polizei und ihr Militär nicht geheuer sind", sagte der evangelische Militärbischof Sigurd Rink der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Das Gewaltmonopol des Staates sei "ein hohes Gut, das den Frieden sichert, nach innen und außen". Eine Demokratie komme nicht ohne Armee und Polizei aus. Er wünsche sich, dass Soldaten Wertschätzung erfahren und "nicht behandelt werden, als gehörten sie zu einer Angriffsarmee, auf deren Koppelschloss immer noch steht: 'Gott mit uns'".

Rink: Aussetzung der Wehrpflicht wird Kluft vergrößern

"Bundeswehrangehörige sind viel zu wenig anerkannt, so als sei ihr Dienst doch irgendwie schmutzig", erklärte der Bischof. "Das muss sich ändern." Mit Blick auf seine zahlreichen Truppenbesuche in seiner fünfjährigen Amtszeit beklagte Rink, dass Soldaten, die sich in der deutschen Öffentlichkeit in Uniform zeigten, angepöbelt würden. "Von mehreren habe ich gehört, dass Pfarrer in der Heimat ihnen die Trauung verweigerten, wenn sie in Uniform heiraten wollten", sagte er. "Manchmal half dann der Militärseelsorger aus."

Er finde diese Distanz der Gesellschaft zur Armee bedrückend, die Aussetzung der Wehrpflicht werde die Kluft noch vergrößern, erklärte Rink weiter. Als Militärbischof habe er einen positiven Blick nicht nur auf die Bundeswehr, sondern auch auf eine allgemeine Dienstpflicht gewonnen. Zugleich betonte der Theologe, dass 34 Prozent der Soldatinnen und Soldaten Mitglieder der evangelischen Kirche seien - ein Wert, der über dem Bevölkerungsdurchschnitt liegt.

"Christen haben die Pflicht, Menschen zu schützen"

Rink beklagte in diesem Zusammenhang, "dass sich heute die evangelische Kirche mit dem Soldatenberuf schwerer tut als die katholische, jedenfalls in Deutschland". Er persönlich habe über die Jahre "immer mehr Respekt vor Menschen gewonnen, die den Dienst an der Waffe wählen, statt diese riskante Aufgabe anderen zu überlassen". Rink erklärte, die Schutzverantwortung nach heutigem Verständnis gehe auf den Reformator Martin Luther (1483-1546) zurück. Auch für Christen gelte: "Wir haben die Pflicht, Menschen zu schützen."

Der 1960 in Frankfurt am Main geborene Rink ist der erste hauptamtliche Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Militärbischof mit Sitz in Berlin leitet die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr und hat die kirchliche Dienstaufsicht über die Militärpfarrer. Er wird vom Rat der EKD nach Zustimmung der Landeskirchen und in Einvernehmen mit der Bundesregierung ernannt. Am Freitag erscheint Rinks aktuelles Buch "Können Kriege gerecht sein?"

(epd)

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