Bronzestatue der Heiligen Hildegard von Bingen
Bronzestatue der Heiligen Hildegard von Bingen
Blick über die Weinberge bei Rüdesheim auf die Abtei Sankt Hildegard
Blick über die Weinberge bei Rüdesheim auf die Abtei Sankt Hildegard
Eine Figur der Hildegard von Bingen
Eine Figur der Hildegard von Bingen

10.05.2019

Abtei eröffnet Akademie zur Forschung über Hildegard von Bingen Eine "Botschaft an Europa"

Hildegard von Bingen war nicht nur Mystikerin und Naturkundlerin hinter Klostermauern. Sie wirkte öffentlich und selbstbewusst. Ein Forschungsinstitut soll die Botschaft der Kirchenlehrerin für das heutige Europa fruchtbar machen. 

Die Benediktinerinnenabtei Sankt Hildegard in Eibingen bei Rüdesheim stellt am Freitag ihre neue Akademie zur Erforschung des Lebenswerkes der heiligen Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) offiziell vor.

Zur Eröffnung des "Zentrums für Wissenschaft, Forschung und europäische Spiritualität" am siebten Jahrestag der Heiligsprechung Hildegards werden unter anderem Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sowie der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann und die Weihbischöfe Udo Benz (Mainz) und Thomas Löhr (Limburg) erwartet.

Theologischer und spiritueller Beitrag zum gemeinsamen Europa

Ziel des neuen Zentrums sei es, den theologischen und spirituellen Beitrag der Kirchenlehrerin Hildegard für ein gemeinsames Europa fruchtbar zu machen, sagte die Akademievorsitzende und Benediktinerin Maura Zatonyi.

"Hildegard hat als Nonne und Theologin die Gesellschaft und Politik ihrer Zeit mitgestaltet, das sollte für uns heute ein Stück Aufmunterung und Aufrüttelung sein, selbst aktiv zu werden."

So wolle die Akademie die Forschung zu Leben und Werk der Hildegard, die im 12. Jahrhundert das Kloster in Eibingen gründete, voranbringen und dabei Wissenschaftler international vernetzen sowie Projekte anstoßen.

Nicht nur Mystik und Kräuter

"Sie steht nicht nur für Kräuter", sagte Zatonyi der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Freitag: Hildegard habe sich als Theologin auch nicht gescheut, "den Mächtigen Briefe zu schreiben und so politisch zu wirken". Sie habe immer offen ihre Meinung gesagt.

In einem Brief habe sie etwa Kaiser Friedrich Barbarossa ermahnt, das Zepter der Barmherzigkeit zu tragen, denn so habe sie es in einer Vision gesehen: "Es wäre auch heute eine große Botschaft an Europa, wenn die Politiker das Zepter der Barmherzigkeit in die Hand nähmen, um das europäische, christliche Selbstbewusstsein wieder zum Erwachen zu bringen", so die Benediktinerin weite: "Es fehlt der Mut der Christen - wir ziehen uns sehr zurück."

Stattdessen müssten Christen den Dialog suchen, auch mit anderen Religionen, forderte Zatonyi weiter: "Dazu brauchen wir aber Glaubenswissen und Glaubenserfahrung in der eigenen Religion und zudem Kenntnisse über die anderen Religionen."

Die Abtei in Eibingen ist seit mehr als hundert Jahren in der Hildegard-Forschung aktiv und hatte bereits 2012 einen Anlauf zur Gründung einer solchen Akademie unternommen.

(KNA)

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