Statue einer Madonna auf dem Gelände des ehemalige Klosters Trisulti
Statue einer Madonna auf dem Gelände des ehemalige Klosters Trisulti
Ehemaliges Kloster Trisulti
Ehemaliges Kloster Trisulti
Innenhof des ehemaligen Klosters Trisulti
Innenhof des ehemaligen Klosters Trisulti

03.05.2019

Bannons Populisten-Akademie in Italien mit schwerem Start Das Phantom des Klosters Trisulti

Trumps Ex-Berater Steve Bannon will eine mittelalterliche Abtei zur Kaderschmiede für Europas Rechte machen. Bis jetzt ist das Projekt zur Rettung des Abendlands hauptsächlich ein Medienerfolg.

Von der mittelalterlichen Kartause Trisulti im Süden Latiums soll die Eroberung des Abendlands ausgehen. Seit Anfang 2018 unter Leitung des "Dignitatis Humanae Institute" (DHI), einer Denkfabrik konservativer Katholiken, geriet das aufgelassene Kloster durch Donald Trumps ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon in die Schlagzeilen.

Bannon, Schirmherr des DHI, will in Trisulti die Elite der europäischen Rechten ideologisch trainieren - in der "Verteidigung der jüdisch-christlichen Grundlagen der westlichen Zivilisation". Doch der Kreuzzug scheint zu stocken, bevor er gestartet ist.

Hand an der Wiege des christlichen Abendlands

Ein Bilderbuchkloster ist Trisulti von weitem. Fernab in Steineichenwäldern an einem karstigen Schluchtenhang der Monti Ernici gelegen, war es über 800 Jahre Sitz bußstrenger Mönche, erst von Kartäusern, dann von Zisterziensern. Ein hochsymbolischer Ort: Nicht weit entfernt liegen die bedeutendsten Gründungen des Mönchsvaters Benedikt, Subiaco und Montecassino. Wer Trisulti besitzt, hat die Hand an der Wiege des christlichen Abendlands.

Bei näherem Hinsehen zeigt sich das traditionsreiche Gemäuer schlecht gerüstet als Kaderschmiede für Kulturkämpfer, seien sie noch so asketisch. Der Wind hat die Ziegel abgedeckt, durch Wände und Decken dringt Regenwasser, die Elektrik ist marode. Als die Zisterzienser auszogen, suchte der italienische Staat, dem Trisulti als nationales Kulturdenkmal gehört, einen neuen Verwalter - und gab den Zuschlag dem DHI, geleitet von dem 43-jährigen Briten Benjamin Harnwell.

Ihm obliegt es, Trisulti auf Vordermann zu bringen und für Kunstfreunde zugänglich zu halten. Der Sanierungs- und Finanzplan, den das DHI beim Kulturministerium einreichte, sieht über einen Zeitraum von 19 Jahren Maßnahmen im Gesamtumfang von 1,9 Millionen Euro vor - günstig kalkuliert. Ebenso optimistisch rechnet Harnwell, dass jeder Besucher durch Souvenirkäufe 12 Euro Reingewinn in der Klosterkasse lässt, mithin 240.000 bis 360.000 Euro pro Jahr.

Im benachbarten Dorf Collepardo, sechs Kilometer talwärts, hofft man auf wirtschaftliche Belebung durch die neuen Aktivitäten im Kloster.

Mit Harnwell, sagt Vize-Bürgermeister Vincenzo De Parasis, habe man "von Anfang an eine gute Beziehung" gehabt. Im ersten Jahr stellte die Gemeinde dem neuen Nachbarn 82.000 Euro Immobiliensteuer in Rechnung. Das entspricht fast den gesamten Einnahmen aus Eintrittsgeldern.

Finanzierung unklar

Gut ein Jahr nach dem Einzug ist unklar, wie das DHI in Trisulti die Mittel für Instandsetzung, Unterhalt und Akademiebetrieb generieren will. Harnwell legte bislang keine Finanzierungsquellen offen.

Unterdessen wird die rechtliche Grundlage des Projekts angezweifelt, etwa durch den italienischen Linken-Chef Nicola Fratoianni, der das Thema ins Parlament brachte.

Das DHI besitze für den Betrieb einer solchen Kultureinrichtung überhaupt nicht die nötige Qualifikation, so Fratoianni. Auch fragt er, ob das Kloster abweichend vom vorgelegten Projektplan für politische Schulungen genutzt werden darf. Kulturminister Alberto Bonisoli (Fünf-Sterne-Bewegung) kündigte an, dem Institut die Konzession zu entziehen, sollte es die Nutzungsvorgaben nicht einhalten.

Kardinal Renato Raffaele Martino, seit 2010 Ehrenpräsident des DHI, legte im Januar sein Amt nieder. In seinem Abschiedsschreiben mahnt er Harnwell, die Abtei solle "ein Ort der Begegnung und damit offen für alle" bleiben, das DHI "mit kindlicher Ergebenheit die Lehren und Vorschriften des römischen Pontifex hören". Franziskus allerdings steht mit Populismus und Nationalismus auf keinem guten Fuß.

Kursbetrieb verschiebt sich

Ursprünglich sollte der Kursbetrieb im Frühsommer in Rom beginnen. Jetzt ist vom Herbst die Rede, und auch das nur unter Vorbehalt.

Derweil schloss das DHI sein römisches Büro. Auf Nachfragen, an welchem Punkt das Vorhaben steht, reagiert Harnwell dünnhäutig. Konkrete Auskünfte zu Terminen, Anmeldezahlen, Referenten und Inhalten gibt es nicht. Harnwell bietet ein Interview an, mit einigen Wochen Vorlauf, nur persönlich, nur in Trisulti.

Dass im ganzen ersten Jahr des DHI in Trisulti "nichts als Interviews" gegeben worden seien - das ist der Eindruck des Sprechers der Zisterzienser, Pater Alberto Coratti. Anscheinend habe die Unternehmung überhaupt nur den Zweck, "dass man über die, die da drin sind, spricht", sagt der Mönch.

Details zur Akademie, so lässt Harnwell noch wissen, werde man zeitnah vor dem Start in einer Pressekonferenz bekanntgeben - "um die größtmögliche Publicity zu erreichen".

Burkhard Jürgens
(KNA)

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