Bischöfe fordern ein Ende der Repression in Venezuela

Menschenrechtler verurteilen Gewalt

Im Krisenland Venezuela endeten erneute Proteste gegen die Regierung von Nicolas Maduro blutig. Die katholische Kirche und andere Organisationen fordern ein Ende der staatlichen Gewalt. Nun geriet ein Gotteshaus ins Visier.

Autor/in:
Tobias Käufer
Ein Demonstrant sucht Schutz hinter einem Baum / © Ruben Sevilla Brand (dpa)
Ein Demonstrant sucht Schutz hinter einem Baum / © Ruben Sevilla Brand ( dpa )

Venezuela steht vor einer neuen Welle der Gewalt. Bei Protesten gegen die sozialistische Regierung von Präsident Nicolas Maduro wurde am Mittwoch (Ortszeit) eine Demonstrantin erschossen, andere Quellen sprechen von weiteren Toten. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und die katholische Kirche äußerten ihre Besorgnis über die Vorkommnisse in dem krisengeschüttelten Land.

Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen wurden bei den jüngsten Protesten mindestens 15 Kinder verletzt. Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen zeigte sich besorgt über die Gewaltanwendung durch staatliche Sicherheitskräfte. "Wir erinnern die staatlichen Autoritäten daran, den Schutz der Menschenrechte aller Menschen sicherzustellen, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung", sagte Sprecherin Marta Hurtado. Zugleich forderte sie die politische Führung des Landes auf, ernst gemeinte Gespräche zur Beendigung der Krise zu beginnen.

Kirche von Einsatzkräften der Nationalgarde während Gottesdienst angriffen

Human Rights Watch (HRW) kritisierte unterdessen die Nominierung von Gustavo Gonzalez Lopez als neuen Direktor des Inlandsgeheimdienstes Sebin. Gonzalez Lopez sei bereits während seiner ersten Amtszeit für Folter und willkürliche Verhaftungen seiner Agenten verantwortlich gewesen, sagte HRW-Amerika-Direktor Jose Miguel Vivanco.

Nach Angaben der Venezolanischen Bischofskonferenz wurde am Mittwoch eine Kirche von Einsatzkräften der Nationalgarde während eines Gottesdienstes angriffen. Die Bischofskonferenz veröffentlichte im Kurznachrichtendienst Twitter ein Video, das die Attacke auf das Gotteshaus in der Diözese San Cristobal zeigen soll.

Zuvor hatten die Bischöfe ein Ende der Repression gegen die Bevölkerung gefordert. Am 1. Mai sei die Unterdrückung und die Gewalt durch die Einsatzkräfte des Staates zurückgekehrt. Die Zahl der Verletzten und Festgenommenen habe zugenommen, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Erzbischof Jose Luis Azauje. "Wir rufen dazu auf, die Würde und die Menschenrechte sowie das Recht, friedlich zu demonstrieren, zu respektieren", so Azauje.

Nach den Protesten am Mai-Feiertag, bei dem Regierungslager wie Oppositioin ihre Anhänger mobilisiert hatten, kündigte der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaido an, die Aktionen mit einem Generalstreik fortsetzen zu wollen. Präsident Maduro erklärte unterdessen, die an der Befreiungsaktion des prominenten Oppositionellen Leopoldo Lopez beteiligten Soldaten hart bestrafen zu wollen.

Anhaltenden Versorgungskrise sorgt für Massenflucht

Venezuela wird seit Monaten von einem Machtkampf zwischen dem sozialistischen Präsidenten Maduro und seinem konservativen Widersacher Guaido erschüttert. Die Opposition erkennt Maduros jüngsten Wahlsieg vom vergangenen Jahr nicht an. Parlamentspräsident Guaido erklärte sich im Januar zum Interimspräsidenten und versprach, international überwachte Neuwahlen zu organisieren.

Seit drei Jahren erlebt das südamerikanische Land wegen einer anhaltenden Versorgungskrise eine Massenflucht. Rund zwei Millionen Menschen haben Venezuela in den vergangenen zwei Jahren bereits verlassen. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) rechnet für das laufende Jahr mit weiteren zwei Millionen venezolanischen Migranten.

Ende Dezember 2015 hatte die Opposition bei den Wahlen zur Nationalversammlung einen klaren Sieg errungen, trotzdem regierte Maduro mit Hilfe von Sonderdekreten am Parlament vorbei. Später entmachtete er das Parlament und ersetzte es durch eine mit eigenen Anhängern besetzte verfassunggebende Versammlung.


Krise in Venezuela / © Rafael Hernandez (dpa)
Krise in Venezuela / © Rafael Hernandez ( dpa )
Quelle:
KNA