Trauerfeier für getötete Journalistin McKee
Trauerfeier für getötete Journalistin McKee

24.04.2019

Abschied von Lyra McKee mit Vertretern von Kirchen und Politik Trauerfeier für Journalistin in Belfast

Der Brexit hatte die Spannungen im Nordirland-Konflikt wieder erhöht. Bei Unruhen wurde die Journalistin Lyra McKee getötet. An diesem Mittwoch fand die Trauerfeier statt - geleitet von protestantischen und katholischen Geistlichen.

Im nordirischen Belfast haben Tausende Menschen von der getöteten Journalistin und Autorin Lyra McKee Abschied genommen. Der Sarg der 29-Jährigen wurde am Mittwoch von Applaus begleitet in die anglikanische St. Anna-Kathedrale in Belfast getragen. Hochrangige Politiker wie die britische Premierministerin Theresa May und der irische Premierminister Leo Varadkar waren zur Trauerfeier angereist, die gemeinsam von katholischen und protestantischen Geistlichen geleitet wurde.

Der anglikanische Dekan von Belfast, Stephen Forde, beschrieb die Verstorbene in einleitenden Worten als Mensch, "der Barrieren durchbrach und über Grenzen hinweg die Hand ausstreckte". Sie sei ein "Kind des Karfreitagsabkommen" gewesen, mit der Hoffnung, dass Gewalt und Vorurteile in Nordirland ein Ende haben werden, so Forde weiter.

"Eine der vielversprechendsten Journalisten"

Die journalistische Vereinigung National Union of Journalists hatte McKee zuvor als "eine der vielversprechendsten Journalisten" Nordirlands beschrieben. Mitglieder der Vereinigung formten bei der Beerdigung das Ehrenspalier. Laut irischen Medienberichten trugen viele der Freunde von Lyra McKee Kleidung mit Harry Potter-Symbolen zur Trauerfeier, weil die Verstorbene ein großer Fan der Geschichte war.

In einer vor der Trauerfeier veröffentlichten Erklärung erinnerte die Familie von Lyra McKee an deren "sanfte, unschuldige Seele". Lyra habe immer "das Bedürfnis gehabt, Menschen zusammenzubringen". Die Lebensphilosophie der Aktivistin der LGBT-Szene war es, dass nur "Liebe, Verständnis und Gutmütigkeit Hass und Intoleranz besiegen können", so das Statement weiter. Trotz der "verständlichen Wut" über die Tat, sollten sich alle Trauernden Lyras Einstellung zum Vorbild nehmen. Auch deshalb habe sich die Familie mit katholischen Wurzeln für eine protestantische Kathedrale entschieden. In einer geteilten Stadt, habe die St. Anna-Kathedrale einen Ruf als "gemeinsamer Raum" mit starken ökumenischen Verbindungen und einer Kapelle der "Christlichen Einigkeit", heißt es in Medienberichten.

Neue Spannungen durch Brexit

Die 29-Jährige hatte in der Nacht auf Karfreitag Unruhen im nordirischen Derry beobachtet und stand in einer Menschenmenge neben einem Polizeifahrzeug, als sie eine Kugel in den Kopf traf. Die militante "Neue IRA", die sich in der Nachfolge der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) sieht und sich für Nordirlands Unabhängigkeit von Großbritannien einsetzt, hatte sich am Dienstag zu den tödlichen Schüssen bekannt. McKee sei "auf tragische Weise" ums Leben gekommen, weil sie "neben feindlichen Streitkräften" stand, hieß es in dem Bekennerschreiben.

Die Diskussionen um eine Lösung für die nordirisch-irische Grenze im Zuge des Brexit hatten in den vergangenen Monaten für wachsende Spannungen zwischen pro-britischen Protestanten und katholischen Nationalisten in Nordirland gesorgt. Mehrfach wurde davor gewarnt, dass der Nordirland-Konflikt, der mit dem Karfreitagsabkommen 1998 beigelegt wurde, erneut aufflammen könnte.

(KNA)

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