Mitarbeiter von RWE Power im Rheinischen Braunkohlerevier Garzweiler
Mitarbeiter von RWE Power im Rheinischen Braunkohlerevier Garzweiler

29.01.2019

Diakon und RWE-Mitarbeiter zum Ausstieg aus der Kohle Furcht vor einem Planungsdesaster

Als Beitrag zum Klimaschutz soll Deutschland bis 2038 aus der Kohleverstromung aussteigen. Darauf verständigte sich die Kohlekommission der Bundesregierung. Umweltverbände sind enttäuscht. Was denken Mitarbeiter in den Kohleunternehmen?

DOMRADIO.DE: 2038 liegt für viele von uns in weiter Ferne. Energieunternehmen hätten durch diese Frist eine gewisse Planungssicherheit, sagen Experten. Was bekommen Sie mit von Ihren Kolleginnen und Kollegen? Wie denken die über den "Termin 2038"?

Arnold Hecker (RWE-Mitarbeiter und Diakon): 2038 ist natürlich ein Ziel, was kalkulierbar ist, wenn man den Abschnitt der Kohlekommission so durchliest. Aber dennoch muss man sehen, was die Politik von diesen Maßnahmen umsetzen wird. Insofern ist momentan verhaltene Stille, beziehungsweise Abwarten angesagt, wie weit die Gesetzgebung dem folgen wird.

DOMRADIO.DE: Als Diakon müssen sie ja eigentlich auch für die Schöpfung argumentieren. Fällt Ihnen das schwer?

Hecker: Wenn es um die Kohleemissionen geht, fällt mir das teilweise schwer. Wir leben in einem globalen Dorf, insofern muss man deutsche Kraftwerksmeiler mit internationalen Kraftwerksmeilern vergleichen. Und da habe ich überhaupt kein Bauchschmerzgefühl. Wir müssten einfach sehen, dass andere Kraftwerke mit ganz anderen negativen Standards arbeiten, wenn wir - europäisch - nach Polen schauen, oder weltweit geschweige denn nach China.

DOMRADIO.DE: Welche Gefahr sehen Sie jetzt für die Energieversorgung in Deutschland, wenn wir unsere Kohle nach 2038 nicht mehr verstromen?

Hecker: Die Frage wird wohl sein, wie schnell man hier die Hochspannungstrassen, die notwendig sind, vom Norden zum Süden auch tatsächlich umsetzen kann. Also wird anscheinend die Energiewende davon abhängen, wie schnell man diese Brücken baut, damit auch die Energie zu den Orten kommt, wo sie benötigt wird.

DOMRADIO.DE: Aber Sie sehen dann keine Versorgungsengpässe für Deutsche?

Hecker: Ich bin kein Energie-Fachmann, insofern steht mir das nicht zu. Es wird mit Sicherheit regionale Probleme geben, weil das Energienetz ein hochkomplexes Netz ist. Wir reden da über physikalische Zusammenhänge, wie Netzstabilität und so weiter. Die lassen sich nicht am grünen Tisch debattieren, sondern obliegen eben gewissen Zusammenhängen.

DOMRADIO.DE: Jetzt sieht die Kohlekommission vor, dass Mitarbeiter zum Teil frühverrentet oder umgeschult werden. Wie denken Sie darüber, wie denken Ihre Kollegen darüber?

Hecker: Auch da gilt das zuerst Gesagte. Die Kollegen warten jetzt natürlich erst mal ab, was der Gesetzgeber tatsächlich von diesen Vorlagen umsetzen wird. Auf der anderen Seite habe ich in meinem Seelsorgebereich, für den ich zuständig bin, Unternehmer, die sagen: "Ich als "30-Mann-Unternehmer" werde keine 55er oder 58er Regelungen (bestimmte Vorruhestandsregelungen, Anm. d. Red.) in Anspruch nehmen können. Wo bleibe ich? Bin ich der Kollateralschaden, der bei dieser gesamten Energiewende dann über die Klippen fällt?" Das sind die berühmten Kleinunternehmen, die es zu Hauf gibt, die partizipieren von der Braunkohle hier im Revier. Das sind Menschen, die auch Existenzen absichern müssen und natürlich jetzt enorm starke Ängste haben.

DOMRADIO.DE: Wie können Sie da als Diakon und Seelsorger Trost spenden?

Hecker: Trost kann ich im Moment nicht spenden. Ich begleite die Menschen, sofern ich angefragt werde und versuche auf der Sachebene die Dinge anzuschauen, die jetzt anliegen. Im Moment ist es noch zu früh, um zu sagen, wie es tatsächlich am Schluss aussehen wird.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie jetzt in der Kohlekommission säßen und Entscheidungsbefugnis hätten, was würden Sie der Bundesregierung empfehlen?

Hecker: Die Bundesregierung sollte auf jeden Fall Taten folgen lassen und auch die eingeforderten Maßnahmen tatsächlich umsetzen. Das heißt, unser Nordrhein-Westfalen sollte zur Sonderwirtschaftszone werden, wo auch Gesetzgebungen viel schneller umgesetzt werden, damit es tatsächlich zu einer Wende kommen kann. Es darf nicht zu einem Planungsdesaster werden, wo Bauwerke oder Industriezentren zehn Jahre Vorplanung haben, prozessiert wird und alles ins Nirwana versinken würde.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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