Weltwirtschaftsforum in Davos
Weltwirtschaftsforum in Davos
AKiD-Präsidentin Irma Wehrli bei der Fürbitte
AKiD-Präsidentin Irma Wehrli bei der Fürbitte
 „Schweigen und Beten“ im Chor der reformierten Kirche St. Johann, Davos Platz
„Schweigen und Beten“ im Chor der reformierten Kirche St. Johann, Davos Platz

22.01.2019

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen beim Weltwirtschaftsforum "Im Schweigen eine Stimme für die Armen sein"

Wie in jedem Jahr veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen im Rahmen des Weltwirtschaftreffens in Davos ein eigenes Programm. In diesem Jahr lautet das Motto "Beten und Schweigen".

DOMRADIO.DE: "Beten und Schweigen" heißt das Angebot. Für wen beten Sie?

Irma Wehrli (Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen): Wir beten für uns selbst, um gestärkt wieder an unsere Aufgaben heranzugehen. Aber wir beten natürlich auch für die Versammlung hier in Davos, für die Reichen und Mächtigen und für die angesprochenen Armen in der Welt. Im Grunde für die ganze Welt, weil wir denken: Gott hat uns allen ein Leben in Fülle verheißen.

DOMRADIO.DE: Dann schauen wir mal auf diese beiden Gruppen, auf die Reichen und Mächtigen. Welches Anliegen tragen Sie da vor Gott?

Wehrli: Da tragen wir das Anliegen vor Gott, dass sie sich berühren lassen sollen vom Elend der Welt. Dass sie festhalten sollen, an dem, was sie versprechen. Sie sagen, sie seien "committed to improving the state of the world" – sie wollen etwas tun gegen die Probleme der Welt. Und daran sollen sie festhalten, dass nicht nur versprechen, sondern auch umsetzen und sich berühren lassen.

DOMRADIO.DE: Dann geht es um die zweite Gruppe: die Armen, die ja eher weniger vertreten sind in Davos. Sind sie für die dann auch eine Stimme in dem Moment?

Wehrli: In der Tat. Und das war auch unser Gründungsimpuls: Gerade Im Schweigen – so paradox es klingt – Stimme sein für die Armen, die nicht anwesend sind, um zu zeigen: Sie sind auch da. Wir als Christen sollen vor allem für diese Menschen da sein, denn das ist unser Auftrag als Christen: für die Benachteiligten da zu sein.

DOMRADIO.DE: Es klingt ein bisschen paradox: Im Schweigen für die Benachteiligten da sein. Man könnte auch denken, wenn so viele mächtige Menschen an einem Ort zusammenkommen, dann muss man gegen deren Politik und Machenschaften laut werden. Wieso ist das Motto bei Ihnen "Schweigen"?

Wehrli: Laut sind wir auch ab und zu. Wir hoffen, dass wir ab und zu auch laut loben, dass wir auch laut klagen. Aber wir denken, dass es nicht viel nützt, laut zu protestieren. Denn wir sind selber ein Teil der Probleme und Lösungen für die Welt. Sondern wir wollen anders handeln.

Und wir gehen ins Gebet und in die Stille, um anders wieder herauszugehen und anders handeln zu können. Wir denken, die Stille ist eine Art Kontrapunkt zum Lärm rundum, auch gerade während des Weltwirtschaftforums. Es ist wie in der Musik: Man soll die Pause beachten, um für den nächsten Einsatz bereit zu sein.

DOMRADIO.DE: Gestern gab es schon einen Auftakt Gottesdienst, bei dem sie inhaltlich den Schwerpunkt auf "Food-Waste" gelegt haben, also auf Lebensmittelverschwendung. Warum genau dieses Thema?

Wehrli: Dieses Thema wechselt von Jahr zu Jahr. Wir denken, die Verheißung des Lebens in Fülle, das ist das, was uns gesagt und versprochen ist. Und wir verschwenden die Ressourcen derart in der westlichen Welt. Selbst ein Ort wie das Weltwirtschaftsforums in Davos ist ja paradoxerweise auch ein Ort der Verschwendung, weil es so viele Ressourcen gebraucht während dieser Tage, da sind wir alle ein Teil davon.

Deshalb ist das Thema im Moment auch akut. Ob das jetzt Nahrungsmittelverschwendung oder andere Verschwendung von Ressourcen ist. Wir rufen auch dazu auf und wollen das auch selber beherzigen.

DOMRADIO.DE: Warum geht besonders uns Christen dieses Thema an?

Wehrli: Uns Christen geht das Thema darum besoners an, weil Gott uns dieses Leben und diese Fülle geschenkt hat aber gleichzeitig auch eine Verantwortung für die Welt und für diese Fülle. Und, dass sie nicht nur für einige da ist, sondern dass Gott ein gutes Leben für alle möchte, dafür tragen wir als Christen eine Verantwortung.

DOMRADIO.DE: "Globalisierung 4.0 - Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution" - so lautet das Thema oder der Slogan des Weltwirtschaftsforums in diesem Jahr. Haben Sie da auch Hoffnung, dass in Davos auch Dinge passieren, die die Welt ein Stück weit besser machen?

Wehrli: Mit der Digitalisierung sind viele Ängste, aber auch Hoffnungen verbunden. Konkret kann sie schon, denke ich, für einige Menschen eher bedeuten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Andere können vielleicht auch in abgelegeneren Gegenden, inklusive einer Bergregion wie Davos, etwas dazugewinnen, weil sie hier vor Ort arbeiten können.

Auch hier ist es so: Es gibt Probleme und Risiken. Aber letztlich sind uns gerade auch als Christen und Kirchen die Menschen, denen wir jeden Tag begegnen, mit denen wir zu tun haben und um die wir uns kümmern sollen, besonders wichtig. Und da befürchte ich schon ein Stück weit eine Entfremdung, wenn alles digitalisiert wird.

Wir sollen nicht vergessen, uns – wie Meister Eckhart schon sagte – den Menschen anzunehmen, die gerade jetzt vor uns stehen und den Problemen mit denen wir jeden Tag zu tun haben. "Der wichtigste Mensch ist immer der, der vor dir steht", sagte der mittelalterliche Mystiker.

(DR)

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