Diese Bilder sind seltener geworden: Flüchtlinge im April 2014 vor Lampedusa
Italien: Kirche und Politik diskutieren über Umgang mit Flüchtlingen
Innenminister Matteo Salvini
Matteo Salvini, Parteivorsitzender der Lega und Innenminister
Kardinal Gualtiero Bassetti nahm an der Preisverleihung teil
Kardinal Gualtiero Bassetti

08.01.2019

Streit zwischen Politik und Kirche in Italien - eine Analyse Salvinis Politik spaltet die Katholiken

Die katholischen Bischöfe in Italien gehen hart ins Gericht mit Innenminister Matteo Salvini. Sie kritisieren seine "populistische Gangart gegen Flüchtlinge". Mario Galgano von Vatican-News sieht eine Spaltung in der italienischen Gesellschaft.

DOMRADIO.DE: Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Bassetti, ist mit Innenminister Salvini aneinandergeraten. Was war der Grund dafür?

Mario Galgano (Vatican-News): Das hat einerseits ganz konkret mit dem zu tun, was auf dem Mittelmeer passiert, mit dem Sea-Watch-Schiff und mit den Flüchtlingen, die in Italien nicht aufgenommen werden, weil der Innenminister es nicht will. Auf der anderen Seite stehen eben die katholische Kirche und Kardinal Bassetti im Namen die italienischen Bischöfe, die darauf hinweisen, dass man den Menschen helfen und sie aufnehmen soll. Darüber haben sich beide Seiten in die Haare bekommen.

Hinzu kommt noch, dass Salvini die Diskussion sehr politisch nutzt: Er sagt, nicht die Bischöfe stünden für die katholische Kirche in Italien, sondern die Katholiken insgesamt. Und die Katholiken, betont Salvini, seien auf seiner Seite. Daraufhin haben der Kardinal und auch viele andere Bischöfe gesagt: "Das stimmt so nicht. Dass Salvini im Namen aller Katholiken spricht, kann man so nicht behaupten."

DOMRADIO.DE: Hat Papst Franziskus schon auf diesen Streit reagiert? Unterstützt er die italienische Bischofskonferenz?

Galgano: Papst Franziskus versucht, sich nicht in die italienische Tagespolitik einzumischen. Was aber Franziskus macht, sagt und unterstreicht, ist eigentlich allgemeingültig - nicht nur für Italien, sondern für Europa und für die Welt: Wichtig sind Nächstenliebe und die Aufnahme von Menschen in Not. Das hat er zum Beispiel auch gestern vor Diplomaten aus 180 Ländern ganz klar betont und hervorgehoben.

Die italienischen Medien haben das zwar quasi als Kritik gegenüber Salvini interpretiert. Aber so wortwörtlich hat der Papst das nicht gesagt. Und das kann man eigentlich von einem Papst auch nicht erwarten, dass er so in die Tagespolitik hinein spricht. Das wäre ja auch eine Einmischung.

DOMRADIO.DE: Matteo Salvini ist bekennender Katholik. Wie geht der jetzt mit der Kritik um?

Galgano: Wir haben in Italien seit Jahrzehnten keine christdemokratische Partei mehr. Noch bis vor wenigen Jahren haben die Menschen aus dem christdemokratischen Millieu vor allem Berlusconi gewählt, oder vielleicht die Demokratische Partei. Die sind jetzt aber in einer Krise. Die Berlusconi-Partei hat fast keine Anhänger mehr. Salvinin versucht jetzt, aus diesem Topf möglichst viele Stimmen herauszuholen, unter anderem, indem er sagt: "Ich bin eigentlich der echte Katholik. Ich vertrete die Katholiken in Italien." Ob das moralisch richtig ist oder nicht, das ist eine andere Frage.

DOMRADIO.DE: Wenn wir sagen würden, dass die Gesellschaft gespalten ist. Auf welcher Seite steht - ich nenne es mal - "das katholische Fußvolk"? Eher auf der Seite Salvinis oder auf der Seite der Bischofskonferenz?

Galgano: Die Gesellschaft und auch die katholische Gemeinschaft in Italien sind wirklich extrem gespalten. Es gibt etliche Bewegungen oder katholische Vereine, die vehement gegen Salvinis Politik einstehen - die Flüchtlingen helfen, Notunterkünfte aufbauen und für Flüchtlinge da sind oder auch für Migranten. Auf der anderen Seite gibt es einen eher konservativen Bereich, der auch eine gewisse Kritik gegenüber Papst Franziskus und seiner Theologie äußert . Diese Gruppe sieht in Salvini einen Gegenpart; eine Figur, die sozusagen gegen die Worte von Papst Franziskus einsteht. Also, man muss schon sagen, dass das italienische katholische Fußvolk sehr gespalten ist. Man kann nicht sagen, dass die Mehrheit auf der einen oder auf der anderen Seite steht.

DOMRADIO.DE: Wie geht es nun weiter? Wie groß ist der Einfluss der italienischen Bischöfe auf die Politik, beziehungsweise konkret auf Salvini? Damit, dass er einlenkt, ist wohl eher nicht zu rechnen, oder?

Galgano: Salvini setzt auf die nächsten Europawahlen. Da möchte er eine Mehrheit erreichen, damit er auch innenpolitisch vielleicht Neuwahlen ansetzen kann. Er versucht jetzt, möglichst polemisch zu sein, möglichst im Rampenlicht zu stehen und möglichst viele Stimmen zu gewinnen.

Die italienischen Bischöfe auf der anderen Seite machen ja keine Politik. Sie werden auch in Zukunft die Botschaft der katholischen Kirche, die Botschaft von Papst Franziskus, so weiter tragen, wie bisher. Ich glaube nicht, dass es ruhiger wird in den kommenden Wochen und Monaten - zumindest nicht bis zu den Europawahlen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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