Muslime in Deutschland
Muslime in Deutschland
Diskutierte mit: Bischof Rudolf Voderholzer
Bischof Rudolf Voderholzer

18.12.2018

Bischof Voderholzer schließt muslimische Mehrheitsgesellschaft nicht aus Folge der "Lauheit der Christen"?

Könnte es in Deutschland zukünftig eine mehrheitlich muslimisch geprägte Gesellschaft geben? Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hält dies für möglich. Den Grund sieht er aber weniger im Islam, sondern in der "Lauheit der Christen".

"Wer mit wachen Sinnen die Entwicklung ansieht, wird die Möglichkeit, dass eine muslimische Mehrheitsgesellschaft kommen wird, nicht ausschließen können", sagte Voderholzer am Dienstag im Interview des österreichischen Internetportals kath.net.

Eine Ursache für eine von manchen befürchtete Islamisierung liege aber weniger in der Attraktivität des Islam, so der Bischof weiter - zugrunde liege vielmehr "die Lauheit der Christen". Sie seien es, die "ihre Herkunft vergessen und ihren Glauben nicht mehr ernst nehmen".

Weihnachten ein Glühweinfest

Dies könne man etwa jetzt im Advent beobachten: "Für viele Muslime sind die Weihnachtsmärkte der Inbegriff christlicher Kultur schlechthin, und Weihnachten nehmen sie als Glühweinfest wahr. Das erfahren sie, wenn sie unsere Gesellschaft erleben." Das "Eigentliche" von Weihnachten bleibe dann völlig verborgen.

Der christliche Glauben müsse "in seinem Reichtum, in seiner ganzen Schönheit" ernst genommen und "frohen Sinnes" gelebt werden, empfahl Voderholzer. Dann wirke er auch integrativ und könne andere Menschen überzeugen. "Solange wir den Eindruck vermitteln, dass wir selber gar nicht glauben, was wir glauben, werden wir uns nicht wundern dürfen, dass ein anderer vitalerer Glaube irgendwann einmal an unsere Stelle treten wird."

Weiter betonte der Bischof: "Es geht beim Islam nicht um irgendwelche Bräuche, pro Kopftuch und contra Schweinefleisch, sondern es geht um das Gottesbild." Der christliche Glaube sei der Glaube an den dreifaltigen Gott. "Deswegen ist ein umfassend kulturelles Miteinander von Christen und Muslimen nach meinem Dafürhalten nicht möglich. Es gibt ein kulturelles Nebeneinander."

Für Missbrauch in Kirche "nur abgrundtief schämen"

Mit Blick auf Missbrauch in der katholischen Kirche hat Voderholzer weiter von "fürchterlichen Dingen" gesprochen. "Man kann sich dafür nur abgrundtief schämen", so Voderholzer. "Wir werden nicht verhindern können, dass es aktuell bleibt." Kindesmissbrauch sei ein gesamtgesellschaftliches Problem: Die Verbrechensstatistik in Deutschland werde auch für dieses Jahr wieder über bis zu 15.000 bekanntgewordene Fälle berichten.

In der katholischen Kirche sei seit 2002 und 2010 "sehr viel an Prävention und auch an Aufarbeitung geleistet worden", sagte der Bischof weiter: "Fakt ist auch, dass die 'von alten zölibatären Männern geleitete' katholische Kirche die erste und bislang einzige große Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland ist, die sich offen und schonungslos, auch unter Einbeziehung von Kompetenz von außen, diesem Thema stellt und es umfassend angeht."

Für die katholische Kirche hatten Wissenschaftler die "Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" Ende September in Fulda bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Experten gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind.

Kirche muss sich weiter anstrengen

Die Studie müsse jetzt weiter wissenschaftlich studiert und auch auf "ihre Stärken und Schwächen" hin untersucht werden, sagte Voderholzer: "Wir sollten noch längst nicht mit unseren Anstrengungen zufrieden sein."

Positive Entwicklungen dürften aber auch nicht schlecht geredet werden, ergänzte der Bischof: "Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass manche - auch innerkirchliche Kreise - die Fälle sexueller Gewalt dazu missbrauchen, ihre Rezepte, die schon vorgestern nichts taugten, mal wieder anzupreisen und die Straftaten als Gelegenheit zu verdrehen, endlich ihre 'andere Kirche' zu erschaffen", so Voderholzer: "Das ist es, was ich Missbrauch des Missbrauchs nenne."

(KNA)

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Ab Montag, 16. September wieder jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 16.09.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Nachhaltig: Das Repair-Café der Gemeinde St. Johannes in Lohmar
  • Sexualität im Alter - Zu Unrecht ein Tabu
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Waldbrände: Die aktuelle Lage in Bolivien
  • Kita-Kinder setzen sich für fairen Handel ein
  • Festjahr in St. Gereon: Eröffnung der gotischen Sakristei
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Waldbrände: Die aktuelle Lage in Bolivien
  • Kita-Kinder setzen sich für fairen Handel ein
  • Festjahr in St. Gereon: Eröffnung der gotischen Sakristei
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Stehen wir vor einer Kirchenspaltung?
  • Mit Gott bis ins hohe Alter: Ordensleute leben länger
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Stehen wir vor einer Kirchenspaltung?
  • Mit Gott bis ins hohe Alter: Ordensleute leben länger
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Sexualität im Alter - Zu Unrecht ein Tabu
  • Festjahr in St. Gereon: Eröffnung der gotischen Sakristei
  • Mit Gott bis ins hohe Alter: Ordensleute leben länger
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff