24.11.2018

Spahn kritisiert kirchlichen Moralismus in politischen Debatten "Ohne Detailkenntnisse im Ton moralischer Empörung"

Eigentlich begrüßt CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn Debattenbeiträge der Kirchen, eine starke Moralisierung von politischen Sachfragen durch Kirchenvertreter kritisiert er hingegen.

Er halte es für wünschenswert, wenn sich die Kirchen zu Themen wie Lebensschutz, Sterbehilfe oder Organspende zu Wort meldeten, schreibt der Kandidat für die Nachfolge von Angela Merkel an der CDU-Spitze in einem Gastbeitrag für die "Welt". Große Fragen der Gegenwart wie Migration, Digitalisierung, Wohlstandsverteilung oder Umweltschutz ließen sich aber nicht schablonenartig beantworten.

"Ohne Detailkenntnisse"

Spahn kritisierte in diesem Zusammenhang "hohe Funktionäre der Kirchen", die "oft genug ohne Detailkenntnisse im Ton moralischer Empörung" Steuer-, Renten oder außenpolitische Fragen kommentierten.

"Ich empfinde es als irritierend, wenn ein religiös inspirierter oder kirchlich unterstützter Moralismus um sich greift und von der Gesellschaft wie der Politik fordert, seiner engen Gesinnungsethik Folge zu leisten", schreibt der bekennende Katholik unter Hinweis auf die Debatten um Migration und Asyl.

"Für mich als Katholik ist der Glaube primär"

Für ihn und viele andere Politiker sei der Glaube eine wichtige Ressource. Die reine Lehre der Kirchen sei aber das eine, die Lebensrealität im säkularen Staat sei aber häufig anders, so der Bundesgesundheitsminister. Zweitausend Jahre alte Texte der Bibel könnten keine Anleitung für konkretes politisches Handeln im 21. Jahrhundert sein; zudem gebe es noch andere Wurzeln des liberalen und demokratischen Staatswesens.

"Für mich als Katholik ist der Glaube primär die Quelle von Gnade und Vergebung, die mich von Schuld und Angst befreit", schreibt Spahn. "Ich suche im Glauben vor allem Halt und Spiritualität, Inspiration und Antrieb."

(KNA)

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