Streit um die orthodoxe Kirche in der Ukraine
Symbolbild Orthodoxie
Ukraines Präsident Petro Poroschenko
Ukraines Präsident Petro Poroschenko
Bartholomaios I.
Bartholomaios I.

03.11.2018

Ukraine treibt Pläne zu eigenständiger orthodoxen Kirche voran Kooperationsvertrag unterzeichnet

Trotz russischer Proteste ist weiterhin die Bildung einer eigenständigen orthodoxen Landeskirche in der Ukraine geplant. Präsident Poroschenko unterzeichnete am Samstag mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel einen Kooperationsvertrag.

Der Kooperationsvertrag sieht nach Poroschenkos Angaben die Schaffung einer von Moskau unabhängigen ukrainisch-orthodoxen Kirche vor. Bartholomaios I., Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, sagte bei der Vertragsunterzeichnung nach Angaben des ukrainischen Pressedienstes RISU, die Gewährung der Autokephalie (Eigenständigkeit) für die ukrainische Kirche werde zur Einheit der orthodoxen Christen in dem osteuropäischen Land beitragen.

"Historischer Moment"

Die Ukraine habe das Recht auf eine autokephale Kirche, wie andere Völker und nur Konstantinopel könne die Autokephalie verleihen. Die Vertragsunterzeichnung nannte das Kirchenoberhaupt dem Bericht zufolge einen "historischen Moment".

Laut Poroschenko schafft das Abkommen alle Voraussetzungen für die Einberufung eines ukrainischen Konzils zur Gründung der eigenständigen Kirche und die anschließende formelle Autokephalie-Erklärung durch das Ökumenische Patriarchat. "Ich möchte betonen, dass der 3. November ein historischer Tag ist für die Bildung einer ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche", so der Präsident. Er rief die Ukrainer zum Gebet «für Frieden und für die Einheit der ukrainischen Kirche» auf. Poroschenko begann am Samstag einen zweitägigen Türkei-Besuch.

Putin warf der Ukraine Nationalismus vor

Das Leitungsgremium des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel hatte Anfang Oktober die Bildung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Landeskirche befürwortet. Zugleich erkannte es zwei vom orthodoxen Moskauer Patriarchat abgespaltene Kirchen in der Ukraine an. Aus Protest dagegen kündigte die russisch-orthodoxe Kirche die eucharistische Gemeinschaft mit Konstantinopel auf.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin warnte vor der Loslösung der der ukrainischen Kirche von Moskau. Er warf der ukrainischen Staatsführung "plumpen Nationalismus" und Russlandfeindlichkeit vor. "Diese Politk kann sehr ernste Konsequenzen haben. Sie ist gefährlich", sagte Putin am Donnerstag in Moskau.

70 Prozent der Ukrainer bekennen sich zur Orthodoxie

Knapp 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich laut einer aktuellen Umfrage zum orthodoxen Christentum. Poroschenko und das ukrainische Parlament des Landes hatten im April Bartholomaios I. offiziell aufgefordert, der orthodoxen Kirche in der Ukraine die Autokephalie zu verleihen. Kiew wirft der russisch-orthodoxen Kirche vor, ein "politisches Werkzeug" von Putin zu sein und dessen "Hybrid-Krieg gegen die Ukraine" zu unterstützen.

(KNA)

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