Richterhammer
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20.10.2018

New Yorks Chefanklägerin hat Missbrauchsskandal im Visier Nach der ersten Frau im Amt könnte bald nächste Premiere folgen

Barbara Underwood leitet als erste Frau die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft - und die Missbrauchsermittlungen gegen die katholische Kirche. Zum Ende ihrer Amtszeit im November könnte eine weitere Premiere folgen.

Die acht Diözesen im US-Bundesstaat New York finden in Generalstaatsanwältin Barbara Underwood eine erfahrene Juristin ohne politische Ambitionen, aber mit klaren Positionen. Die als Klassenbeste an der jesuitischen "Georgetown Law School" in Washington ausgebildete US-Amerikanerin (74) setzt sich seit langem für die Rechte von Frauen ein, fördert die Karriere von Kolleginnen und gilt als Verfechterin der Straffreiheit von Abtreibungen. Seit Mai und noch bis November leitet sie die Behörde.

Im Frühjahr twitterte Underwood zum Grundsatzurteil "Roe versus Wade", sie habe schon in jungen Jahren gelernt, wie wichtig diese Entscheidung aus dem Jahr 1973 für die Selbstbestimmung von Frauen sei. "Eine Frau, die nicht das Recht hat, über ihren eigenen Körper zu bestimmen, ist nicht wirklich gleich. Sie ist nicht wirklich frei." Damit steht die New Yorker Chefanklägerin bei einem zentralen Thema der katholischen Kirche auf der anderen Seite. Dennoch gilt sie als besonnen, zugänglich und sucht nicht das Rampenlicht.

Anders als ihre Vorgänger, der wegen Misshandlung von Frauen zurückgetretene Eric Schneidermann und der ebenfalls in Skandale verwickelte Eliot Spitzer, sieht die resolute Frau an der Spitze eines 1.800 Mitarbeiter großen Apparats diesen Posten offenbar nicht als Sprungbrett für höhere Aufgaben.

Nach einer Laufbahn, die sich über fast fünf Jahrzehnte erstreckt, ist sie erstmals die "Nummer Eins". Bis zu ihrer Berufung als Nachfolgerin Schneidermanns diente Underwood in unterschiedlichen Positionen stets als Stellvertreterin. Sei es in den 1980er Jahren an der Seite der Staatsanwältin von Brooklyn, Elizabeth Holtzman, oder als stellvertretende Justiziarin im Weißen Haus unter Bill Clinton. Oder zuletzt seit 2007 als die Frau hinter dem Generalstaatsanwalt.

Karriere in der Rechtspraxis

Zwanzig Mal stritt die 1944 im Bundesstaat Indiana geborene Underwood für das Weiße Haus oder den Staat New York vor dem Obersten Verfassungsgericht der USA. Dabei kamen ihr auch die Erfahrungen zugute, die sie als Mitarbeiterin des Verfassungsrichters Thurgood Marshall machte.

Underwood steht im Ruf, über großes juristisches Detailwissen zu verfügen. Wegen ihrer akademischen Brillanz hatte die renommierte Yale Law School sie angeheuert und ihr nach zehn Jahren eine Professur auf Lebenszeit angeboten. Statt dem Ruf zu folgen, widmete sie ihre Karriere der Rechtspraxis. "Wenn Sie in einem juristischen Schützengraben liegen, wünschen Sie sich, dass Barbara bei Ihnen ist", lobt die pensionierte Staatsanwältin Holtzman ihre einstige Stellvertreterin.

"Ich habe sicher nicht diese männliche Alpha-Persönlichkeit"

Seit ihrer Berufung zur Chefanklägerin New Yorks machte sie allerdings auch deutlich, ihr Amt weniger aggressiv ausüben zu wollen als ihre Vorgänger. "Ich habe sicher nicht diese männliche Alpha-Persönlichkeit", sagte Underwood in einem Interview. "Ich kann Leute zusammenbringen und einen Konsens bilden und Hilfe und Führung anbieten." Dies seien gewiss Eigenschaften, die auf die Sozialisierung von Frauen zurückgingen, "zu helfen, statt im Wettbewerb zu stehen".

Bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche in New York fuhr Underwood gleich großes Geschütz auf. Sie schickte allen Diözesen Vorladungen. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", gelobte die Chefanklägerin, die von den Erfahrungen in Pennsylvania lernen will. Dort habe "eine Kultur der Geheimniskrämerei und Vertuschung" den jüngsten Missbrauchsskandal möglich gemacht. Gerade hat sich dort der erste Geistliche vor Gericht schuldig bekannt. "Die Opfer in New York verdienen ebenfalls, Gehör zu finden."

Keine weitere Kandidatur

Angesichts der Größe der Herausforderung kann Underwood allerdings nur über den Beginn der Ermittlungen wachen. Im November tritt sie bei der regulären Neuwahl nicht als Kandidatin für das Amt der Generalstaatsanwältin an.

Als wahrscheinliche Nachfolgerin steht erneut eine Frau bereit, die ebenfalls Geschichte schreiben würde. Im Falle ihrer Wahl wäre die Demokratin Letitia James, die gerade ihren 60. Geburtstag feierte, die erste schwarze Chefanklägerin des Bundesstaates.

Bernd Tenhage
(KNA)

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