Palästinenser-Vertreter: "Christentum wird für rassistische und fremdenfeindliche Aussagen missbraucht"
Palästinenser-Vertreter: "Christentum wird für rassistische und fremdenfeindliche Aussagen missbraucht"

16.10.2018

Erekat wirft Netanjahu Missbrauch des Christentums vor "Angebliche Christenverfolgung in palästinensischen Gebieten"

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgeworfen, das Christentum für rassistische und fremdenfeindliche Aussagen zu missbrauchen.

"Netanjahus Aussagen über palästinensische Christen und Bethlehem sind gegenstandslos", sagte Erekat laut einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung in Reaktion auf Netanjahus Klage über eine angebliche Christenverfolgung in den palästinensischen Gebieten.

Netanjahu verzerre die Fakten, so der PLO-Generalsekretär. Sowohl innerhalb Palästinas als auch im Exil sei jeder Palästinenser ohne Ansehen der Religion "integraler und untrennbarer Bestandteil" des palästinensischen Volkes.

"Gewaltsame Vertreibung durch Israel"

Für den von Netanjahu angeführten Rückgang der Christenzahlen in den palästinensischen Gebieten machte Erekat die gewaltsame Vertreibung durch Israel seit der Nakba im Jahr 1948 verantwortlich. Dutzende palästinensische christliche Gemeinschaften seien "de facto ethnisch durch Israel gesäubert worden und leben nun als Flüchtlinge", so Erekat. Seit 1967 habe Israel zudem seinen Siedlungsbau vorangetrieben und dafür massiv Landraub betrieben.

Kritik äußerte Erekat auch an dem christlichen Medientreffen, in dessen Rahmen Netanjahu vor einer angeblichen Christenverfolgung in Nahost gewarnt hatte. Die Veranstaltung für ausländische Christen ziele darauf ab, "die israelische Apartheid in Palästina" zu normalisieren, unter anderem durch den Besuch von israelischen Siedlungen im Westjordanland.

"Bedrohung für den Weltfrieden"

Erekat rief Religionsführer weltweit auf, sich gegen den Missbrauch von Religion als Rechtfertigung der Unterdrückung der Palästinenser zu stellen. Das Aufkommen rechtspopulistischer Politiker weltweit bezeichnete er dabei als "eine Bedrohung für den Weltfrieden", wie unter anderem die den drei abrahamitischen Religionen heilige Stadt Jerusalem betreffende Entscheidungen zeigten.

Netanjahu hatte am Sonntag vor christlichen Medien die Lage der Christen in Nahost beklagt und unter anderem den Palästinensern Unterdrückung und Verfolgung von Christen vorgeworfen. In Bethlehem etwa sei der Bevölkerungsanteil der Christen unter der palästinensischen Regierung von rund 80 Prozent auf 20 Prozent gesunken.

(KNA)

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