Brasilien steht am Scheideweg: Politisch links oder rechts?
Brasilien steht am Scheideweg: Politisch links oder rechts?
Brasiliens Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro mit Journalisten

09.10.2018

Brasilianische Bischöfe warnen vor Populismus Ein Land am Scheideweg

In die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat sich die katholische Kirche eingeschaltet – mit einer indirekten Wahlempfehlung. Die dortige Bischofskonferenz warnt vor Populisten, die "das demokratische System zerstören" wollten.

"Es geht darum, dass die Katholiken schauen müssen, ob der Kandidat mehr Demokratie verwirklichen möchte, oder weniger", sagte der Generalsekretär der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB), Bischof Leonardo Steiner, mit Blick auf den zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen der Nachrichtenplattform "uol.com.br".

Die aus dem ersten Wahlgang am Sonntag hervorgegangenen stimmenstärksten Politiker, der Rechtspopulist Jair Bolsonaro und der Linkskandidat Fernando Haddad, haben zu Wochenbeginn ihren Wahlkampf für die Stichwahl am 28. Oktober gestartet.

"Donald Trump Brasiliens"

Bischof Steiner warnte vor Ressentiments und Leichtgläubigkeit gegenüber Wahlversprechen: "Wir dürfen nicht mit einem hasserfüllten Herzen wählen, und wir dürfen nicht glauben, dass sich Brasilien von einer Stunde zur anderen verändern kann." Es gebe keine Heilsbringer für das Land, sondern eine Demokratie, an der permanent gearbeitet werden müsse.

Unterdessen versprach der von vielen Freikirchen unterstützte Rechtskandidat Jair Bolsonaro am Montag auf Twitter, im Fall eines Wahlsiegs die Zahl der Ministerien zu senken, Staatsunternehmen zu privatisieren sowie Bundesstaaten und Gemeinden mehr wirtschaftliche Kraft zu verleihen.

Beratungen mit inhaftiertem Ex-Präsidenten

Fernando Haddad wiederum, dessen Arbeiterpartei (PT) traditionell von den befreiungstheologisch ausgerichteten kirchlichen Segmenten unterstützt wird, reiste in die südbrasilianische Stadt Curitiba und besuchte dort den inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva. In einer Gefängniszelle berieten die Parteifreunde drei Stunden lang über die Strategie für die zweite Wahlrunde.

Den ersten Wahlgang am Sonntag hatte Bolsonaro klar gewonnen: Der auch als "Donald Trump Brasiliens" bezeichnete Rechtspopulist kam auf rund 46 Prozent der Stimmen und landete damit weit vor seinem Rivalen Haddad, der auf 29 Prozent kam. Bolsonaros bisher kleine Partei PSL wurde zudem zweitstärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Der zweite und entscheidende Wahlgang dürfte aber deutlich enger ausfallen als die erste Runde.

(KNA)

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