Niederschlagung des Prager Frühlings
Niederschlagung des Prager Frühlings
"Prager Frühling"
"Prager Frühling"
Mit dem "Prager Fenstersturz" vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg
Mit dem "Prager Fenstersturz" vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg

28.09.2018

Feiern zu 100 Jahre Tschechoslowakei begonnen 2018 ist in vielerlei Hinsicht ein Gedenkjahr

Gleich mehrere Schicksalsereignisse aus der Geschichte unseres Nachbarlandes Tschechien haben 2018 einen runden Jahrestag. An diesem Freitag begannen die Feiern zu 100 Jahre Tschechoslowakei und Ende der Habsburgerherrschaft.

Es gibt Tage, an denen Geschichte kulminiert - und an denen irgendwie immer etwas passiert. Ein solcher "Schicksalstag" der Deutschen ist etwa der 9. November: Scheitern der März-Revolution 1848, Gründung der Republik 1918, Novemberpogrome 1938, Mauerfall 1989. Unser Nachbar Tschechien hat 2018 so ein Kulminationsjahr: auf -18 und -68 enden viele Eckpunkte der tschechischen (und auch der slowakischen) Geschichte.

Prager Fenstersturz

Da ist zunächst das Ende der Habsburgermonarchie 1918. Über fast vier Jahrhunderte, seit 1526, waren Böhmen und Mähren von den katholischen Habsburgern dominiert worden - ebenso übrigens wie die katholischen Slowaken, die seit dem Mittelalter Teil des Königreichs Ungarn waren.

Böhmische Unzufriedenheit gipfelte schließlich im sogenannten Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618, als Vertreter der protestantischen Stände die Statthalter des Königs aus einem Fenster der Prager Burg warfen: der Auslöser und Auftakt des Dreißigjährigen Krieges. Die sogenannte Defenestration vor 400 Jahren ging zwar glimpflich aus - alle drei überlebten fast unverletzt -, doch der folgende Krieg von kontinentalem Ausmaß löschte wohl an die sechs Millionen Menschenleben aus, rund ein Drittel der Bevölkerung Europas.

Genau 300 Jahre hielt sich nach dem Prager Fenstersturz noch die Herrschaft der Habsburger. Dann machte die Niederlage im Ersten Weltkrieg der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie und dem Vielvölkerstaat von Böhmen bis zum Balkan ein jähes Ende - das zugleich ein Anfang war.

Noch vor der militärischen Niederlage der Achsenmächte hatten sich republikanische Kräfte auf die Gründung eines neuen, demokratischen Staatswesens geeinigt, dem Tschechen wie Slowaken angehören sollten.

Festtag des Nationalheiligen Wenzel

Am 28. Oktober 1918 wurde im Prager Gemeindehaus die Republik Tschechoslowakei ausgerufen; erster Staatspräsident wurde am 14. November der Philosoph und Politiker Tomas Garrigue Masaryk. Kaiser Karl I. verzichtete am 11. November 1918 auf die Regierung im österreichischen Reichsteil und am 13. November auf das Königreich Ungarn.

An diesem Freitag, dem Festtag des Nationalheiligen Wenzel, begannen in Prag die einen ganzen Monat dauernden Feiern zu 100 Jahre Tschechoslowakei. Die Feiern zum Staatsjubiläum erreichen am Wochenende des 27./28. Oktober ihren Höhepunkt, dem eigentlichen Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung.

Die nur gut 74-jährige Geschichte der Tschechoslowakei ließ das Land kaum je zur Ruhe kommen zwischen nationaler Findungsphase, nationalsozialistischer und kommunistischer Herrschaft, "Samtener Revolution" und schließlich Spaltung in Tschechische und Slowakische Republik zum 1. Januar 1993, vor 25 Jahren.

"Prager Frühling"

50 Jahre nach 1918 ein weiterer Einschnitt: der "Prager Frühling" von 1968. Bereits seit Herbst 1967 gärte es in der Hauptstadt. Die Unzufriedenheit über den wirtschaftlich erfolgsarmen Aufbau des Sozialismus ließ Staats- und Parteichef Antonin Novotny noch mit Gewalt ersticken. Doch in den Folgemonaten setzte sich der Reformflügel innerhalb der Kommunistischen Partei durch.

Der neue starke Mann Alexander Dubcek legte ein Aktionsprogramm für einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" vor; Meinungsfreiheit, Wirtschaftsreformen. War das ein Frühling? Nur allzu kurz. Eine Zeitlang sah sich der große Bruder Sowjetunion das Experiment an.

Doch in der Nacht zum 21. August marschierte eine halbe Million Soldaten aus Staaten des Warschauer Pakts ein und walzte den "Prager Frühling" nieder. 71 Bürger starben; manche stellten sich den Panzern teils mit bloßen Händen entgegen. Danach versank der Widerstandswille der Tschechoslowaken bis zur "Samtenen Revolution" von 1989 weitgehend in Agonie. Die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach am 19. Januar 1969 auf dem Prager Wenzelsplatz blieb nur ein Strohfeuer.

Und ein letzter Gedenktag beendet den tschechischen Reigen der Jahrestage am 20. Dezember: der 50. Todestag des Schriftstellers und Theaterkritikers Max Brod (1884-1968). Der gebürtige Prager, der als Jude 1939 vor den Nazis nach Tel Aviv emigrierte und dort auch starb, ist der Nachwelt vor allem als Entdecker Franz Werfels und Nachlassverwalter Franz Kafkas bekannt.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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