Gedenkstein im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald
Gedenkstein im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald
NS-Gedenkstätte Plötzensee
NS-Gedenkstätte Plötzensee

13.09.2018

NS-Gedenkstätten in NRW verzeichnen Besucherrekord Gegen das Vergessen

Mehr Menschen als sonst suchten NS-Gedenkstätten auf: Im Vergleich zum vergangenen Jahr waren es 7,9 Prozent mehr Besucher in NRW. Grund könnte die derzeit aufgeheizte politische Lage und der Rechtspopulismus sein.

Die 28 NS-Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen verzeichnen einen Rekordnachfrage. Die Zahl der Besucher stieg im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent auf 356.000, wie das Kulturministerium am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte. 2015 waren es 278.000 Besucher bei damals 27 Gedenkstätten.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW, Alfons Kenkmann, sagte auf Anfrage, er gehe von weiter steigenden Besucherzahlen aus. Zur Begründung verwies er auf die aktuell aufgeheizte politische Lage und den Rechtspopulismus, was nach einer historischen Orientierung zwingend verlange.

Gegen das Vergessen

Der Parlamentarische Staatssekretär im Kulturministerium, Klaus Kaiser (CDU), kündigte an, demnächst alle 28 NS-Gedenkstätten im Land zu besuchen. Bei der Tour wolle er sich ein Bild von der Erinnerungsarbeit in Nordrhein-Westfalen machen, die angesichts der zunehmenden antisemitischen Taten immer wichtiger werde. "Wir dürfen den Schrecken des Nationalsozialismus nie vergessen", sagte Kaiser.

"Es ist unsere Aufgabe, den Zweiten Weltkrieg und den Völkermord an den Juden historisch verständlich zu machen und eine wache Erinnerungskultur zu schaffen."

Mord an jüdischer Familie in Dingden

Zum Start seiner Gedenkstättentour besucht der Staatssekretär nach den Angaben das Humberghaus in Dingden-Hamminkeln und die Villa ten Hompel in Münster. Im Haus in der Hohen Straße 13 in Dingden wohnte bis 1941 die jüdische Familie Humberg. Sie betrieb dort eine Metzgerei und einen Manufakturwarenladen. Die Eltern und ihre sieben Kinder wurden von die Nazis ermordet.

Das ehemalige Wohnhaus des Zementfabrikanten Rudolf ten Hompel war Sitz der Ordnungspolizei im Nationalsozialismus. Die Dauerausstellung erzählt von den Verbrechen der Ordnungspolizei im Zweiten Weltkrieg und deren Beteiligung an den Genoziden gegenüber Juden, Sinti und Roma. In dem Haus geht es auch um die Entnazifizierung nach 1945 und den Versuch einer "Wiedergutmachung" der Bundesrepublik gegenüber ehemals Verfolgten.

(KNA)

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