Bei der kirchlichen Kundgebung in Chemnitz
Bei der kirchlichen Kundgebung in Chemnitz

02.09.2018

Religionsvertreter nach Vorgängen in Chemnitz besorgt "Da, wo die Christen stark sind, sind die Radikalen schwächer"

Religionsvertreter haben sich angesichts von Hass und Gewalt in Chemnitz besorgt geäußert. Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, nannte die Ereignisse "erschreckend und bestürzend".

Im Interview des Bonner "General-Anzeigers" (Montag) äußerte er die Sorge "um die Sicherstellung unserer Demokratie und der demokratischen Grundwerte der Gesellschaft". Vesper plädierte für einen noch stärkeren Einsatz bestimmter Grundwerte, die aus der Menschenwürde entspringen. Standards des gesellschaftlichen Miteinanders wie einen respektvollen Umgang müssten verteidigt werden.

Die AfD und das ausländerfeindliche Bündnis Pegida hatten am Samstag einen gemeinsamen Marsch veranstaltet. Diesem schlossen sich auch Unterstützer der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz an. An den Gegenprotesten nahmen Bundespolitiker wie SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Grünen-Chefin Annalena Baerbock teil. Rund 1800 Polizisten waren im Einsatz. Die sächsischen Beamten wurden von Kollegen aus mehreren Bundesländern und der Bundespolizei unterstützt - nachdem sie bei früheren Demonstrationen unterbesetzt waren.

Erzbischof Schick: Nicht resignieren

Abseits der Demonstrationen war ein 20-jähriger Afghane von vier Vermummten geschlagen und leicht verletzt worden. Die Chemnitzer Polizei geht ferner der Anzeige eines MDR-Teams nach. Der Sender sprach von einer "Attacke" und einem Angriff auf zwei Reporter, wobei einer verletzt wurde. Die Polizei ermittelt zudem im Fall einer Attacke auf eine Gruppe der SPD Marburg.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief dazu auf, sich nicht mit der "pessimistischen und resignativen" Feststellung einer aus den Fugen geratenen Welt abzufinden. Die Ereignisse in Chemnitz, aber auch "Missbrauch und Kämpfe im Vatikan" oder die zunehmende Gewalt an Schulen zeigten, dass Menschen die Fassung verlören, schrieb Schick auf Facebook. Wer die biblische Weisung "Was ihr von anderen erwartet, tut auch ihnen" beachte, könne dazu beitragen, "dass unsere Welt sich in den Fugen des Wahren, Guten und Schönen bewegt".

Aufruf Vespers an die Katholiken

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte mehr Solidarität. "Wir alle sind geschaffen zum Bilde Gottes und haben eine Würde, die uns niemand bestreiten darf", sagte er am Samstag. Dies gelte unabhängig davon, woher jemand komme und wie viel er verdiene. Der bayerische Landesbischof erneuerte zudem seine Kritik an der AfD. "Wenn aus den Reihen der AfD Hass- und Hetzparolen verbreitet werden, kann dies von Christinnen und Christen nicht stillschweigend hingenommen werden", mahnte er. Die Partei habe sich zuletzt sehr radikalisiert.

Vesper sieht es nach eigenen Worten als Aufgabe der Katholiken an, "auch dort Gesicht zu zeigen, wo wir in der Minderheit sind" - wie in Teilen Ostdeutschlands. "Aber gerade in einer Stadt wie Chemnitz werden wir immer auch mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeiten und die Gegner der Demokratie entschieden bekämpfen", so der Generalsekretär des Laiengremiums, das in diesem Jahr das 150-Jahr-Jubiläum feiert. "Da, wo die Christen stark sind, sind die Radikalen schwächer", fügte er hinzu.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman A. Mazyek, begrüßte deutschlandweite Kundgebungen gegen Ausgrenzungen. "Danke an alle, die Herz und Mut gegen die Hetze und Schande für unser Land entgegen gebracht haben", so Mazyek auf Twitter. Am Sonntag riefen unter anderen die evangelische Kirche sowie der Katholikenrat im Bistum Dresden-Meißen zur Demonstration unter dem Motto "Wir in Chemnitz - aufeinander hören, miteinander handeln" auf.

(KNA, dpa)

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