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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)
Abraham Lehrer
Abraham Lehrer

24.08.2018

Bundesfamilienministerin Giffey kritisiert NS-Symbole in Computerspielen "Mit Hakenkreuzen spielt man nicht"

Nazi-Symbole in Computerspielen? Was bis Anfang August noch verboten war, ist jetzt erlaubt. Auf der Computerspielmesse Gamescom wurde das erste Spiel vorgestellt, das NS-Symbole zeigt. Dafür gibt es viel Kritik von Politik und Verbänden.

Erstmals dürfen verfassungswidrige Symbole in Computerspielen gezeigt werden: Politiker von SPD und Union und der Zentralrat der Juden kritisierten die Regeländerung. "Mit Hakenkreuzen spielt man nicht", sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag) in Berlin.

Sie verwies auf die "besondere historische Verantwortung" Deutschlands. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, sagte der "Jüdischen Allgemeinen", die Vorstellung eines Videospiels mit Hakenkreuz und Hitlergruß auf der Kölner Messe Gamescom sei "absolut unpassend".

Das erste Spiel mit NS-Symbolen

Auch die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), kritisierte die neuen Regeln. "Ich halte das Genre 'Computerspiel' nicht für geeignet, sich angemessen mit dem historischen Unrecht des Nationalsozialismus und dem Leid der Opfer auseinanderzusetzen", sagte sie den Funke-Zeitungen.

Auf der seit Dienstag in Köln laufenden Computerspielmesse Gamescom wurde das erste Spiel vorgestellt, das NS-Symbole zeigt und von der Prüfstelle Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zugelassen wurde. Im Spiel "Through the Darkest of Times" versetzen sich die Spieler in die Situation von Widerstandskämpfern im Zweiten Weltkrieg. Uniformierte SS-Männer tragen etwa Armbinden mit Hakenkreuzen.

Neue Regelung

Lehrer sagte, er sei enttäuscht, dass die Prüfstelle solche Spiele freigebe. "Nach vielen Jahren der guten Arbeit dieser Selbstkontrolleinrichtung wurde jetzt still und leise eine Änderung so gravierender Art vollzogen, ohne die Öffentlichkeit an einer Diskussion zu beteiligen." Er würde sich freuen, wenn die USK ihren Beschluss aussetze und in einen Dialog mit dem Zentralrat der Juden und anderen gesellschaftlichen Gruppen trete. "Und dann sollte die USK am Schluss des offenen Dialoges entscheiden, ob sie bei ihrer Entscheidung bleibt."

Bis Anfang August waren Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Computerspielen verboten. Nach einer neuen Regelung entscheiden die USK-Gremien zur Freigabe von Spielen nun über die sogenannte Sozialadäquanz: Tragen die gezeigten Symbole zu einer adäquaten Darstellung des Zeitgeschehens oder der Geschichte bei, erteilt die USK den Spielen die Altersfreigabe.

(epd)

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