Niederschlagung des Prager Frühlings
Niederschlagung des Prager Frühlings

21.08.2018

Bischöfe erinnern an Niederschlagung von Prager Frühling Als plötzlich die Panzer anrollten

Das Jahr 1968 war ein Jahr der Umbrüche und Proteste. In der Tschechoslowakei zeichnete sich eine liberalere Form des Sozialismus ab, die am 21.08.1968 blutig niedergeschlagen wurde. Der Widerständler von einst gedenkt auch die Kirche.

"Der Mut der Widerständler von 1968" solle auch den Menschen heute "den Wert der Unabhängigkeit in Erinnerung rufen": Mit diesem Appell meldet sich der Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislav Zvolensky, zum 50. Jahrestag der Niederschlagung des "Prager Frühlings" am Dienstag zu Wort.

Invasion der Warschauer-Pakt-Truppen

Dieser habe damals den "Menschen Hoffnung auf einen Wandel des ungerechten Regimes und Hoffnung auf Erneuerung der Religionsfreiheit gebracht", erklärte der Erzbischof von Bratislava. Die Bürger hätten "ihren eigenen Weg gehen und das Selbstbestimmungsrecht geltend machen wollen", seien aber durch die Invasion der Warschauer-Pakt-Truppen am 20./21. August 1968 "in die Sackgasse zurückgedrängt" worden.

Die Kirche sei bemüht, ihren Beitrag zu leisten, "dass die Menschen ihre äußere und innere Freiheit bewahren und unter keinen Umständen die Hoffnung verlieren", so Zvolensky weiter. Das Gedenken an 1968 und die "Erinnerung an die kommunistische Propaganda, die die Okkupation als Hilfe und die Unterdrückung als Normalisierung ausgerufen" habe, sei zugleich eine Warnung an die Menschen heute, sich nicht täuschen zu lassen, so der Erzbischof in Anspielung auf aktuelle politische Debatten.

Das "Vorhalten krummer Spiegel, die Verdrehung der Geschichte und die Bagatellisierung von Verbrechen" beschädigten die Freiheit und das Urteilsvermögen, warnte Zvolensky.

Prager Kardinal äußert sich nicht offiziell

Der Prager Kardinal Dominik Duka äußerte sich wie Tschechiens Staatspräsident Milos Zeman nicht offiziell zum Jahrestag der Ereignisse von 1968. Eine TV-Ansprache des slowakischen Präsidenten Andrej Kiska wird am Abend auch in der Tschechischen Republik ausgestrahlt.

In der tschechischen Hauptstadt Prag feiert am Abend (Dienstag) der Bischof Jan Baxant von Litomerice (Leitmeritz) einen Gedenkgottesdienst in der Teynkirche am Altstädter Ring. In Sokolov (Falkenau) findet zum selben Zeitpunkt ein "Tschechoslowakischer Ökumenischer Gottesdienst" statt.

Anschließend begibt man sich zum Kino, in dem ein Film über Jan Palach (1948-1969) gezeigt wird. Der Student hatte sich aus Protest gegen die Niederschlagung der Reformbewegung am 16. Januar 1969 angezündet und starb drei Tage später.

Gedenkveranstaltung von Protesten begleitet

Von Protesten wurde eine Gedenkveranstaltung begleitet, mit der am Dienstag vor dem Funkhaus in Prag an den Jahrestag erinnert wurde. Mehrere hundert Menschen protestierten mit Pfiffen und Sprechchören gegen den anwesenden tschechischen Premier Andrej Babis und seine Partei Ano.

Die "Begeisterung des Prager Frühlings" sei am 21. August 1968 in "ängstliches Schweigen" umgeschlagen, wird der Prager Weihbischof Vaclav Maly auf dem Portal der Tschechischen Bischofskonferenz zitiert. Es gelte "weiterhin, dass zur Entwicklung einer gesunden und demokratisch reifen Gesellschaft ein kurzfristiger ziviler Massenungehorsam nicht genügt, sondern vor allem das alltägliche persönliche Ausharren im Dienst der Gerechtigkeit und im Widerstand gegen Lügen und Halbwahrheiten". (KNA)

(KNA)

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