Frauen warten vor Abgabe ihrer Stimme in einem Wahllokal im Krisenstaat Mali
Frauen warten vor Abgabe ihrer Stimme in einem Wahllokal im Krisenstaat Mali

13.08.2018

Stichwahl zwischen Ibrahim Boubacar Keita vs. Soumaila Cisse Leere Wahllokale bei der Stichwahl in Mali

In Malis Wahllokalen gab es kaum Andrang. Viele Wähler sind zu Hause geblieben. Dabei gilt die Wahl als richtungsweisend für den krisengebeutelten westafrikanischen Staat.

Ousmane Diarra ist am Sonntagmorgen der einzige Wähler in seinem Wahllokal. Zwar sitzen die Wahlhelfer und der Vorstand von Wahllokal 9 auf niedrigen Holzbänken, auf denen sonst Grundschüler unterrichtet werden. Auch zwei Parteienvertreter und eine Repräsentantin der nationalen, unabhängigen Wahlkommission (Ceni) beobachten in dem großen Wahlzentrum auf dem Gelände der Schule Mamadou G. Simaga im Stadtteil Badalabougou von Bamako die Stichwahl.

Wähler sind in der Minderheit

Diarras Stimmzettel ist zwar nicht der erste, der eine Stunde nach Öffnung der Wahllokale in die Urne fällt. Aber beim Herausgehen sagt auch er: "Vor zwei Wochen war mehr los. Vielleicht liegt es am Regen". Er zeigt auf den schlammigen Schulhof und sagt: "Ich hoffe, dass noch mehr Wähler kommen."

Gut acht Millionen Malier waren am Sonntag aufgerufen, in einer Stichwahl über den künftigen Präsidenten zu entscheiden. Klarer Favorit ist Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keita (73). Der Historiker und Politikwissenschaftler, der seit dem Demokratisierungsprozess Anfang der 90er Jahre in der Politik aktiv ist, wurde vor fünf Jahren mit mehr als 77 Prozent ins Amt gewählt.

Diese Wahl nun gilt als Neuauflage, da sein Herausforderer wie 2013 Soumaila Cisse (68) heißt. Auch er ist seit Jahrzehnten Teil der politischen Klasse. Beide gehörten in den 90er Jahren unter dem damaligen Präsidenten Alpha Oumar Konare sogar derselben Regierung an.

Cisse als lautester Kritiker der aktuellen Regierung

Gemeinsam mit 19 weiteren Oppositionskandidaten warf er ihr nach dem ersten Wahlgang am 29. Juli Manipulation im großen Stil vor. Doch das Verfassungsgericht wies die Klage ab. Richtig Wahlkampf betrieb Cisse erst am Freitagnachmittag. Mit ersten inoffiziellen Tendenzen zum Wahlausgang wird nicht vor Montagabend gerechnet.

Das Wahlzentrum in Badalabougou, in dem 26 Wahllokale untergebracht sind, ist nicht das einzige, in dem die Wähler auf sich warten lassen. In der Schule Mamadou Konate, die auf der anderen Seite des Niger im Quartier du Fleuve liegt, geht es ähnlich ruhig zu. Gegen Mittag hat der Regen zwar aufgehört, doch der Boden ist so matschig, dass das Gelände zu Fuß kaum noch zu erreichen ist. Schlangen gibt es vor keinem Wahllokal. Manchmal ist kein einziger Wähler vor Ort.

Keine Verlässliche Umfragen zur Beteiligung 

Allerdings wurde schon vermutet, dass sie noch geringer als im ersten Wahlgang ausfallen würde. Am 29. Juli lag sie bei 42,7 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren es knapp 49 Prozent gewesen; ein Rekord für Mali. Schon vor Wochen wurden organisatorische Probleme bemängelt, vor allem die Verteilung der Wählerkarten. In jedem Wahllokal liegen großen Packen nicht verteilter Karten auf den Tischen. Einige Malier durchsuchen gleich mehrere Wahllokale danach, mitunter ohne Erfolg.

Dennoch zieht die EU-Beobachtermission am Mittag ein erstes positives Fazit. Laut Chefwahlbeobachterin Cecile Kyenge haben 95 Prozent der Wahllokale pünktlich geöffnet; auch sei das notwendige Material vorhanden gewesen. «In den 40 Wahllokalen, in denen unsere Beobachter waren, gab es keine gravierenden Vorfälle», fasst sie zusammen. Allerdings hat die EU keine permanenten Wahlbeobachter in Timbuktu, Mopti und Kidal, wohl aber in der Stadt Gao.

Angriffe von Terroristen 

Ausgerechnet in Nord- und Zentralmali war es vor zwei Wochen zu einer ganzen Reihe von Vorfällen gekommen. Mehr als 700 Wahllokale konnten nicht öffnen. Grund dafür waren Angriffe von Terroristen, die seit 2012 die Region unsicher machen. Dabei sind aktuell etwa 13.300 Soldaten der UN-Stabilisierungsmission Minusma stationiert. Die Bundeswehr, die sich zudem an der Europäischen Ausbildungsmission für Mali (EUTM) beteiligt, ist der achtgrößte Truppensteller. Für Sonntag war die Zahl der Sicherheitskräfte noch einmal aufgestockt worden und lag bei rund 36.000.

In Badalabougou sieht Wähler Ousmane Diarra die unsichere Lage als größte Herausforderung für die künftige Regierung, egal wie der neue Präsident heißen wird. "Dort herrscht Krieg. Wenn sich das nicht ändert, wird es auch keinen Wandel geben", ist er skeptisch.

Katrin Gänsler
(KNA)

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