Matteo Salvini, Parteivorsitzender der Lega
Matteo Salvini, Parteivorsitzender der Lega

09.08.2018

Italien: Die Lega Nord und die katholische Kirche "Bleiben wir bei den Themen, die wirklich wichtig sind"

Mit ihrem harten Kurs in der Flüchtlingspolitik ist die rechtspopulistische Partei Lega Nord in Italien an die Macht gekommen. Die katholische Kirche fährt hingegen einen anderen Kurs. Wie soll sie also auf die Partei reagieren?

DOMRADIO.DE: Gerade erst gab es richtig Krach zwischen einer katholischen Zeitschrift und Italiens Innenminister, Matteo Salvini. Das Magazin Famiglia Cristiana hatte Salvini auf seinem Cover in die Nähe Satans gerückt: Über dem Porträt des Ministers war dort die Hand eines Exorzisten zu sehen und dazu die Worte: "Weiche zurück, Salvini." Das ist schon ungewöhnlich harsche Kritik, oder?

Bernd Hagenkord (Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Vatican News): Ich weiß nicht, ob das Kritik ist. Das ist, finde ich, eine ähnliche Art von Populismus, die Salvini auch benutzt. Ihn in die Nähe eines Satans zu rücken, ist ja nicht wirklich ein Argument. Es ist eine deutliche Zurückweisung, ich glaube aber nicht, dass man damit wirklich der Sache dient. Es gibt eine interessante Statistik aus der vergangenen Woche, die besagt, dass die Begeisterung für Papst Franziskus vor allem bei jungen Menschen zurückgegangen ist – so etwa um 17 Prozent.

Grund dafür soll vor allem der Umgang mit der Flüchtlingskrise sein. In der gleichen Statistik sind Salvini Beliebtheitswerte unter jungen Menschen gestiegen. Da muss man schon genauer hingucken. Man muss sich gerade bei jungen Menschen argumentativ damit auseinandersetzen, warum ist das so. Da reicht es nicht, oder es ist vielleicht sogar kontraproduktiv, ihn als Satan zu bezeichnen. Da muss man sich ein bisschen mehr mit auseinandersetzen.

DOMRADIO.DE: Salvini gibt sich ja unerbittlich im Streit um Migranten auf dem Mittelmeer. Er lässt Flüchtlingsschiffe nicht mehr anlegen, schickt sie sogar nach Libyen zurück. Viele katholische Flüchtlingshelfer im Land sind entsetzt. Wie reagiert da die nationale Bischofskonferenz?

Hagenkord: Die Bischofskonferenz macht es klug. Man versucht dort nicht gegen etwas zu sein, sondern für etwas. Man wirbt für Flüchtlinge, für den menschlichen Umgang mit Menschen, für humanitäre Routen, um Menschen ins Land zu holen, ohne dass sie übers Meer kommen müssen. Und dann hört man auch sehr deutliche Stimmen aus der Bischofskonferenz, vor allem von Bischöfen, die mit der Flüchtlingsarbeit zu tun haben – auf Lampedusa und Sizilien oder im Norden bei Ventimiglia, wo Flüchtlinge unter unmenschlichen Bedingungen leben müssen, weil sie nicht nach Frankreich dürfen. Da machen einzelne Bischöfe sehr viel, aber immer positiv für etwas werbend. Ich halte das für ganz klug, um sich nicht im politischen Hickhack zu verlieren. Das hilft letztlich nur dem Populisten Salvini. Die Kirche spricht sich für den Einsatz für Flüchtlinge aus, für die ehrenamtliche Mitarbeit und so etwas hilft sicherlich mehr als das laute Rufen und Schreien.

DOMRADIO.DE: Was hören wir denn zur Politik Salvinis aus dem Vatikan? Was der Innenminister da tut, ist Papst Franziskus doch sicher ein Dorn im Auge.

Hagenkord: Der Vatikan hält sich zurück. Jahrhundertelang war es ja Tradition, dass man sich in die italienische Politik sehr deutlich eingemischt hat, beteiligt hat und dazu geredet hat. Das überlässt man ganz den italienischen Bischöfen. Man muss die Aussagen von Salvini und Papst Franziskus ja nur nebeneinander halten, dann weiß man, was davon zu halten ist. Da braucht man niemanden, der das noch erklärt, das ist so offensichtlich.

DOMRADIO.DE: Die rechtsextreme Lega hat einen Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht, nachdem demnächst in allen italienischen Amtsstuben Kreuze angebracht werden sollten. Das fand die Kirche nicht lustig. Geht es da letztlich um die Deutungshoheit, was eigentlich christlich ist?

Hagenkord: Das ist eine etwas andere Debatte, als wir sie in Bayern hatten. Das Ding war hier in Italien so schnell tot, wie es im Parlament war. Das wurde genannt, dann ging es durch den Blätterwald und dann war es auch schon wieder weg. Da geht es weniger um Deutungshoheit. Da wird irgendwie wieder eine Sau durchs Dorf getrieben, um Aufmerksamkeit zu erregen und um die Debatte zu dominieren. Da streitet man sich um Kreuze in Schulen und öffentlichen Gebäuden, aber eigentlich geht es um ganz andere Dinge. Hier geht es um Rassismus, hier geht es um die Frage der Solidarität Europas mit Italien – das ist ein Riesenproblem. Daran müsste man arbeiten.

Sich jetzt an Kreuzdebatten aufzuhängen, ist genau das, was die Populisten wollen. Bleiben wir bei unseren Themen, bleiben wir bei den Themen, die wirklich wichtig sind. Dann brauchen wir auch nicht irgendwelche Salvinis auf den Titelseiten. Dann können wir christlich über Nächstenliebe reden – das ist das Thema, das wir eigentlich suchen müssten.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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