Vaclav Maly, Weihbischof von Prag, am 15. Juli 2011 im Vatikan
Vaclav Maly, Weihbischof von Prag, am 15. Juli 2011 im Vatikan

09.08.2018

Bischof: Prager Frühling war auch Frühling für die Kirche "Das war eine sehr fruchtbare Zeit"

Der Prager Frühling in der damaligen Tschechoslowakei 1968 ist "auch ein Frühling für die Kirche" gewesen. Das sagte der Prager Weihbischof Vaclav Maly in einem Interview österreichischer Kirchenzeitungen.

Maly erlebte die Ereignisse damals als 18-Jähriger. In den 50er Jahren seien viele Priester verhaftet und verurteilt worden, erinnerte er. Die Bischöfe wurden isoliert oder waren in Haft. Ordensleben sei nicht mehr möglich gewesen, und auch die Pfarrstrukturen seien beschädigt worden. Öffentliches Wirken sei verboten und kirchliches Leben auf die Kirchengebäude beschränkt worden.

In der zweiten Hälfte der 60er Jahre kehrten dann Priester aus den Gefängnissen zurück; sie seien im Prager Frühling aktiv geworden. Auch die Bischöfe hätten ihren Platz wieder einnehmen können, so Maly: "Das war eine sehr fruchtbare Zeit, auch im kulturellen Leben: In Prag entstanden neue Theater und Zeitschriften. Ich war begeistert und habe viel gelesen."

"Freiheit und Demokratie"

Im Prager Frühling sei die Zensur aufgehoben worden und man habe von einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" gesprochen. Doch allen sei klar gewesen: "Wenn sich der Prager Frühling fortsetzen würde, dann käme ein demokratisches System. Denn es ging den Menschen nicht um Sozialismus, sondern um Freiheit und Demokratie."

Der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen am 21. August 1968 sei dann ein Schock gewesen. Maly: "Es gab vorher gewisse Signale, dass etwas passieren könnte. Aber der brutale Einmarsch war in dieser Form nicht erwartet worden."

Das Evangelium lohnt sich

Die Situation sei im Herbst 1968 noch verhältnismäßig gut geblieben. Im Frühling 1969 hätten dann aber die Säuberungen in der Kommunistischen Partei selbst begonnen, und ab dem Sommer 1969 betrafen die Säuberungen die Gesellschaft und auch die katholische Kirche.

Die damaligen Ereignisse hätten ihn dazu bewogen, Priester zu werden, erinnert sich der Bischof: "Nach dem Prager Frühling sah ich aber, wie sich Menschen veränderten und vorsichtiger wurden. Es gab wieder Karrieristen. Ich dachte mir, man könne nicht die persönliche Einstellung und den Glauben ändern, weil sich das System ändert. Als Priester wollte ich zeigen, dass es sich lohnt, das Evangelium zu bekennen."

Verfolgt, geschlagen, sieben Monate Gefängnis

Als einer von ganz wenigen Priestern unterschrieb der 1976 geweihte Maly in Folge die sogenannte Charta77, die Gerechtigkeit und Freiheit in der kommunistischen Tschechoslowakei einforderte. Daraufhin wurde ihm elf Jahre lang verboten, als Priester zu wirken. Maly: "Ich wurde von der Geheimpolizei verfolgt, geschlagen, war sieben Monate im Gefängnis." Dennoch sei es für ihn "eine sehr wertvolle Zeit" gewesen, weil er in der Opposition "den Dialog mit Menschen ganz unterschiedlicher weltanschaulicher Herkunft führen konnte".

Als Priester sei er in dieser Zeit geheim tätig gewesen, habe "in Wohnungen oder im Sommer auch im Wald mit kleinen Gruppen Eucharistie gefeiert", Bibelstunden und Vorträge gehalten, Sakramente gespendet und im Untergrund geschrieben. Bei der Samtenen Revolution 1989 trat Maly dann erneut öffentlich an der Seite von Vaclav Havel beim Bürgerforum auf dem Wenzelsplatz auf. Im Dezember 1996 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Prag ernannt.

(KNA)

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