Zehntausende Teilnehmer bei #ausgehetzt-Demo in München; sie laufen an dem Plakat der CSU vorbei
Zehntausende Teilnehmer bei #ausgehetzt-Demo in München; sie laufen an dem Plakat der CSU vorbei

23.07.2018

Ordensbrüder setzten bei Demo Zeichen gegen CSU-Politik "Die Würde beginnt schon bei der Wortwahl"

Die CSU polarisiert seit Wochen mit ihren Forderungen zur Flüchtlingspolitik. In München setzten mehrere zehntausend Menschen nun ein Zeichen. Darunter auch Ordensbrüder und Flüchtlinge. Sie reisten von der Abtei Münsterschwarzach an.

DOMRADIO.DE: Vier Stunden mussten Sie gestern nach München anreisen. Warum war Ihnen das so wichtig? Bei dieser öffentlichen Demonstration gegen die CSU dabei zu sein?

Bruder Abraham Sauer (Abtei Münsterschwarzach): Es war uns ein Anliegen. Die Überschrift hieß: "#ausgehetzt. Gemeinsam gegen die Politik der Angst." Da wollten wir zeigen, dass wir auch für Menschenrechte und Demokratie kämpfen und uns dafür einsetzen.

DOMRADIO.DE: Die CSU hat sofort eine Gegenkampagne gestartet. Sie hat in der Stadt Plakate aufhängen lassen, da steht "Ja zum politischen Anstand! Nein zu #ausgehetzt". Was sagen Sie dazu?

Bruder Abraham: Nun ja, es gibt ja gewisse Grundrechte in Deutschland und ein Recht ist das Recht auf Meinungsfreiheit - und ein anderes ist das Versammlungsrecht. Das schließt Demonstrationen mit ein. Und ich bin froh, dass es die Möglichkeit gibt, politisch Stellung zu beziehen. Das haben wir gestern genutzt und damit muss jeder Politiker leben können.

DOMRADIO.DE: Sie sind gestern nicht alleine nach München gefahren, sondern Sie haben sich aus der Abtei Münsterschwarzach Verstärkung mitgenommen. Mit wem waren Sie da unterwegs?

Bruder Abraham: Mit einem Mitbruder und sieben Flüchtlingen. Wir sind dann zusammen nach München gefahren, um an der Demonstration teilzunehmen.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie dann die Atmosphäre auf der Demo erlebt? Waren da hetzerische Töne zu hören, wie die CSU das behauptet?

Bruder Abraham: Davon habe ich überhaupt nichts mitbekommen. Das ganze Umfeld war sehr friedlich und ich habe eine sehr angenehme Atmosphäre erlebt. Die Menschen wollen einfach ihre Meinung kundtun und sich für Menschenrechte und für Demokratie einsetzen.

DOMRADIO.DE: Dass Sie da gestern unbedingt hinwollten, hat damit zu tun, wie sich die CSU in den Wochen zuvor in der Frage der Flüchtlingspolitik positioniert hat. Was gefällt Ihnen daran nicht?

Bruder Abraham: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das steht im Artikel 1 des Grundgesetzes und das ist gerade aus christlicher Sicht auch das Fundament dieses Staates. Die Würde des Menschen ist unter allen Umständen zu schützen, zu achten und zu ehren. Das beginnt schon bei der Wortwahl. Wie spreche ich über bestimmte Gruppen und bestimmte Minderheiten? Da wünschen wir uns, dass die Würde der Flüchtlinge und der Asylsuchenden gewahrt bleibt und dass über sie in einem würdevollen Ton gesprochen wird.

DOMRADIO.DE: Sie setzen sich dafür ein, dass die Würde der Flüchtlinge gewahrt wird, weil sie auch ganz praktisch in Münsterschwarzach Flüchtlinge aufgenommen und ihnen geholfen haben. Was ist denn da Ihre Erfahrung?

Bruder Abraham: Wir haben relativ spontan die Türen geöffnet und Flüchtlinge bei uns aufgenommen. Wir sind eine Gemeinschaft mit 85 Mönchen. Und die ganzen letzten knapp vier Jahre lebten im Schnitt 45 Flüchtlinge auf dem Gelände. Es wurde auch herausfordernd. Wir hatten zwischendurch auch Minderjährige darunter, das war eine besondere Herausforderung an uns Brüder und die Ehrenamtlichen, die uns dabei unterstützt haben. Ohne sie wäre das nicht gegangen. Sonst haben wir überwiegend positive Erfahrungen, was das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen, der verschiedenen Nationen und verschiedenen Religionen betrifft. Die Flüchtlinge kommen gut miteinander klar.

DOMRADIO.DE: Die Kanzlerin hat ja gesagt "Wir können das schaffen; wir schaffen das." Die CSU hat in den letzten Wochen mit "Wir schaffen das nicht" kolportiert....

Bruder Abraham: Es kommt auf die Sichtweise an. Natürlich schaffen wir das. Im Gegenteil. Wir sehen, dass der Arbeitskräftemangel immer größer wird. Es ist wirklich verheerend. Ich kann aus eigener Erfahrung erzählen: Unsere Metzgerei hatte einen Afghanen beschäftigt, bis ihm die Arbeitserlaubnis entzogen wurde. Jetzt bekommt er wieder staatliche Gelder - jeden Monat - und wir suchen seit knapp einem Jahr einen Mitarbeiter in unserer Metzgerei. Wir brauchen die Leute. Es wäre so einfach. Es gibt tausende von Beispielen gelungener Integration. Die muss man auch mal erzählen. Sie müssen erwähnt werden.

DOMRADIO.DE: Wie haben denn die jungen Afghanen, mit denen Sie gestern in München auf der Demo waren, diese Proteste erlebt? Was haben Sie gesagt?

Bruder Abraham: Die waren sehr gerührt, dass so viele Menschen sich für dieses Anliegen einsetzen. Es hat sie sehr positiv getroffen und sie sind ins Heim gekommen und haben es gleich den anderen erzählt.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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