Hand eines Asylbewerbers hinter Maschendrahtzaun
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Jesuitenpater Stefan Kiechle
Jesuitenpater Stefan Kiechle
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Horst Seehofer (CSU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Horst Seehofer (CSU)

13.06.2018 - 00:00

Jesuitenpater kritisiert Seehofers Flüchtlingspolitik "Was ist daran christlich?"

Wie sieht er aus, der Masterplan zur Migrationspolitik, den Bundesinnenminister Seehofer angekündigt hat? Noch bleibt manches unklar. Doch falls Flüchtlinge an der Grenze abgewiesen werden, schimpft Jesuitenpater Kiechle das "unchristlich".

DOMRADIO.DE: Schon vor drei Jahren haben Ordensobere der katholischen Kirche einen Brief an Horst Seehofer geschrieben, in dem sie ihrer Sorge Ausdruck gaben, was die Flüchtlingspolitik der CSU betrifft. Auch Sie hatten diesen Brief unterzeichnet. Wenn man jetzt die Nachrichten verfolgt und die rigorose Flüchtlingspolitik Seehofers anschaut, dann muss man ja fast sagen, dass der Brief damals wenig genutzt hat, oder?

Pater Stefan Kiechle: Das weiß man nie so genau, was der auf Dauer nützt. Wenn er ein bisschen Bewusstsein schafft, dann ist das schon gut. Die Politik hat sich wohl im Endeffekt doch wenig geändert. Da bleibt alles ein bisschen, wie es war.

DOMRADIO.DE: Was halten Sie denn von diesem Masterplan von Seehofer, also Flüchtlinge direkt an der Grenze zurückzuweisen, wenn sie aus einem sicheren Drittstaat kommen?

Pater Kiechle: Also den Masterplan selber kennen wir ja nicht. Frau Merkel hat ja gestoppt, dass dieser veröffentlicht wird. Der Gedanke, Flüchtlinge gleich an der Grenze zurückzuweisen, den halte ich für sehr problematisch.

Denn erstens ist rechtlich unklar, ob das überhaupt so geht. Nach dem Asylrecht und vor allem auch nach dem EU-Recht. Und es ist eine schlechte Geste gegenüber den Nachbarn, denn dann bleiben die Flüchtlinge erst einmal dort. Und auch gegenüber den Flüchtlingen selber geht das nicht. Man sollte sie doch mal ins Land lassen und dann ein geordnetes Verfahren einleiten und schauen, ob man sie anerkennt oder nicht.

DOMRADIO.DE: Jetzt hat Seehofer sogar seine Teilnahme am Integrationsgipfel abgesagt. Das klingt insgesamt auch nicht nach Versöhnung, oder?

Pater Kiechle: Er hat das mit Terminproblemen begründet. Man weiß nicht, was da dran ist oder was dahinter steht. Er hatte heute noch einen anderen Termin mit dem österreichischen Kanzler Kurz. Was da wichtiger war, das weiß man nicht genau. Es passt aber in die ganze Linie.

DOMRADIO.DE: Im Moment positioniert sich die CSU mit Söder und Seehofer. Das ist natürlich auch alles im Hinblick auf den bayerischen Wahlkampf zu beobachten. Was glauben Sie, wird der Wahlkampf auf dem Rücken von Flüchtlingen gemacht?

Pater Kiechle: Ein bisschen schaut es danach aus. Man versucht die Flüchtlingspolitik so zu machen, dass Wähler, die sonst zur AfD abwandern könnten, bei der CSU bleiben. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Ich habe den Verdacht, dass man in der Mitte mehr Wähler durch so eine Politik verliert, als man am rechten Rand gewinnen kann.

DOMRADIO.DE: Sehen Sie das "C" im Namen der CSU noch?

Pater Kiechle: Da habe ich deutliche Fragezeichen. Was ist daran christlich? Das fängt beim Familiennachzug an. Die CDU, CSU will ja die Familienpolitik so hoch halten und da werden Familien bleibend getrennt, was für die Menschen ein schweres Leid ist und die Integration erschwert. Oder die ganze Politik um die Aufnahme von Flüchtlingen, oder, wenn ich überlege, wie viele Menschen in großer Not in unserem so reichen Land sind, da stelle ich deutliche Fragen an das Christliche.

DOMRADIO.DE: Man fragt sich gerade bei der Kirche im katholischen Bayern, müsste sie sich vielleicht nicht ein bisschen deutlicher noch mal positionieren - also für die Armen, für die Schwachen, für die Verfolgten, für die Flüchtlinge die Stimme erheben. Ist Kirche da auch zu wenig mutig?

Pater Kiechle: Kardinal Marx hat da immer wieder Mut. Andere Bischöfe sind zögerlicher, vielleicht angepasster. Die Kirche in Bayern ist immer sehr staatsnah gewesen und Staat ist dann wieder gleich Partei. Man könnte da deutlicher die Stimme erheben.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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