Militärparade in Nordkorea
Militär prägt das Bild von Nordkorea
Open Doors Geschäftsführer Markus Rode
Open Doors Geschäftsführer Markus Rode
Aus Nordkorea geflohene Christin
Aus Nordkorea geflohene Christin

12.06.2018

Der Kim-Trump-Gipfel und die Folgen für die Christen in Nordkorea Ein Blick hinter den eisernen Vorhang

Nach dem historischen Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un keimt Hoffnung auf. Hoffnung auch für die von der Außenwelt weitgehend abgeschotteten Menschen in Nordkorea? Und sogar für die "Untergrundchristen" im Land?

DOMRADIO.DE: Sie erstellen jedes Jahr den sogenannten Weltverfolgungs-Index, der die Lage der Christen weltweit abbildet. Jedes Jahr steht Nordkorea an oberster Stelle. Was heißt das denn für die Christen dort im Land?

Markus Rode (Leiter von Open Doors Deutschland): Das bedeutet, dass Christen, wenn sie dort entdeckt werden, entweder in ein Arbeitslager kommen oder exekutiert werden. Insofern gibt es dort eine unsichtbare christliche Gemeinde, die sich nur im Untergrund in ganz kleinen Gruppen treffen kann und die jeden Moment in der Gefahr steht, entdeckt zu werden.

DOMRADIO.DE: Wie kann man sich so ein Gemeindeleben von Untergrundchristen in Nordkorea vorstellen?

Rode: Man kann sich eine Gemeinde so vorstellen, dass es eine größere Gemeinschaft ist. Dort ist es in der Regel so, dass es zwei, drei, manchmal vier Personen sind, die sich im Versteck irgendwo treffen, die Gebete flüstern, die keine Lieder laut singen können, weil überall Spione sind und weil ein System von Misstrauen zur Ideologie gehört. Man sagt in Nordkorea, wenn drei Leute zusammenkommen, dann ist mindestens einer ein Spion.

DOMRADIO.DE: Warum das Ganze? Warum dieses brutale Vorgehen gegen Christen? Es ist ja beispielsweise auch so, dass der Bibelbesitz in Nordkorea mit der Todesstrafe geahndet werden kann.

Rode: Ich war selbst auch schon mal in diesem Land. Dort findet man zum Beispiel nicht die Zeitrechnung nach Christi Geburt, sondern es gibt dort die Zeitrechnung nach Kim Il Sung. Das heißt, Kim Il Sung wird - wie Jesus Christus sozusagen - als gottgleich verehrt. Er ist die ewige Sonne.

Immer wieder findet man im Stadtbild Schilder mit besonderen Zeitangaben. Da wird nicht vom Jahr 1998 gesprochen, sondern das Jahr Soundsoviel nach Kim Il Sungs Geburt wird ausgewiesen und dann steht dieses Jahr auf dem Schild.

Ich war auch einmal an einer Stelle in der Nähe von Pjöngjang, an der zelebriert wurde. Da ist der Große Führer Kim Il Sung geboren und aufgewachsen. Da hat man einfach den Stall von Bethlehem nachgebaut. Man hat im Prinzip die christliche Religion genommen, hat diesen Führer ausgetauscht und gesagt, nicht Jesus oder Gott gibt es, sondern es gibt nur den Kim Il Sung, den allwissenden Führer, die ewige Sonne.

Dementsprechend ist natürlich jeder, der an Jesus oder an Gott glaubt, jemand, der sagt: "Nein, wir haben einen anderen Gott und das ist eben nicht Kim Il Sung." Deshalb werden Christen dort extrem verfolgt.

Interessant ist auch diese komischen Philosophie, die dort existiert, die Chuch'e. Es gibt einen großen Turm in Pjöngjang mit einer künstlichen Flamme obendrauf. Das soll den Heilige Geist symbolisieren. Es gibt tatsächlich eine Art Trinität wie im christlichen Glauben, nur eben anti-göttlich: Vater, das ist Kim Il Sung. Sohn, das war damals Kim Jong Il, der Allwissende, der auch genial ist. Und der Heilige Geist, also diese Chuch'e-Philosophie als Turm mit einer Flamme obendrauf. Deshalb gibt es dieses System, was besagt, es darf keinen Gott geben, denn wir haben unsere Götter selbst schon in der Kim-Dynastie erschaffen.

DOMRADIO.DE: Das bringt aber teilweise relativ skurrile Auswüchse mit sich, denn es gibt in Nordkorea trotzdem Kirchengebäude, die dann die sogenannten Pseudokirchen sind. Sie waren auch selber schon mal in einer drin. Was ist das? Warum existieren Kirchen, wenn das Christentum mit dem Tode bestraft wird?

Rode: Die gibt es deshalb, weil dieses Land nach außen transportieren will, wie gut es ist. Genaugenommen sagen sie auch, sie haben Religionsfreiheit. Deshalb gibt es da sogenannte Show-Kirchen. Ich war in einer dieser Show-Kirchen drin, in die wir dort damals als Touristen hingefahren wurden. Da wurden wir in eine Reihe gesetzt. Genau für die Anzahl der Leute, die mit in der Gruppe dabei waren, waren noch Plätze frei. Und dann kam ein Chor von Schauspielern rein, die wie die Engel - professionell trainiert - gesungen haben. Die haben die Augen geschlossen. Es gab eine Predigt. In der Predigt kam zwar immer wieder das Wort Kim Jong Il und Kim Il Sung vor, aber es war natürlich keine christliche Predigt. Man hat im Prinzip Gottesdienst gespielt.

Interessant ist, dass tatsächlich Menschen, die aus westlichen Ländern dorthin kamen, geglaubt haben, dass dort wirklich eine christliche Kirche existiert, dass das echte Christen sind. Aber die Realität ist, dass es eine Show-Kirche ist, dass es Schauspieler gibt, um etwas vorzugaukeln. So etwas dürfen wir nicht glauben.

DOMRADIO.DE: Jetzt gab es den großen Gipfel, das Treffen von US-Präsident Trump und Nordkoreas Staatschef Kim, wo unter anderem über die Denuklearisierung beraten wurde. Denken Sie denn, wenn wir jetzt ein bisschen in die Zukunft gucken, dass sich die Situation entspannen wird und dass sich auch etwas bei der Religionsfreiheit ändern wird?

Rode: Wir haben natürlich immer die Hoffnung und wir beten dafür. Wir haben eine große Gebetskampagne, dass sich Dinge ändern. Ich sage mal: Für Gott ist nichts unmöglich. Deshalb sagen wir: Das Gebet ist entscheidend. Was kann sich ändern, solange diese Kim-Dynastie hochgehalten wird und jeder diese Menschen und diese Statuen verehren muss und sich vor den Statuen in Pjöngjang verneigen muss?

Ich glaube, da muss es ein ganz grundlegendes Umdenken geben oder es gibt tatsächlich den großen Deal, von dem immer wieder gesprochen wird. Vielleicht erreicht es Trump, dass in irgendeiner Form etwas in Richtung Arbeitslager geschieht, wo die Christen zu Tode gequält werden.

Die USA sind der große Feind. Das merkt man im ganzen Land. Überall ist die USA der große Teufel. Und jetzt trifft sich einer, der diese USA immer verteufelt hat, plötzlich mit Handschlag und Lächeln mit dem großen Führer der USA. Das muss für die Menschen dort, wenn die das sehen, eine völlige Kehrtwendung sein und ein Unverständnis auslösen, dass so etwas möglich ist. Ich glaube, dass es rumort und vielleicht entsteht ja sogar mehr aus dem Ganzen. Ich will die Hoffnung jedenfalls nicht aufgeben.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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