Auf dem Kirchentag nicht als Politiker erwünscht: Alexander Gauland
AfD-Bundesvorsitzender Alexander Gauland
Bischof Gebhard Fürst
Bischof Gebhard Fürst
Heinrich Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm
Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch

05.06.2018

Religionsvertreter rügen AfD-Chef Gauland scharf "Menschenverachtend und unerträglich"

Der Nationalsozialismus "ein Vogelschiss in der Geschichte"? Wenn der AfD-Vorsitzende Gauland mit dieser Verharmlosung des verbrecherischen NS-Regimes provozieren wollte, hat er sein Ziel offenbar erreicht. Die Empörung ist immens.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst hat die jüngsten Äußerungen des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland zur NS-Zeit scharf zurückgewiesen. Die Zitate seien menschenverachtend, schrieb Fürst im Kurznachrichtendienst Twitter. "Millionen Tote, Holocaust, Vertreibung und Leid während des Nazi-Regimes sind kein 'Vogelschiss' der Geschichte. Kampf gegen diesen Ungeist ist angesagt", so der Bischof.

Gauland hatte am Samstag beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte." Der Satz fiel nach einem Bekenntnis zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten.

Evangelische Kirche rügt Gauland

Kritik kommt auch vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland sprach Bedford-Strohm von einer unerträglichen Verharmlosung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte. 

Wörtlich erklärte Bedford-Strohm: "Die Forderungen der AfD nach einer erinnerungspolitischen Wende sind Teil einer Strategie, um ein Gedankengut wieder salonfähig zu machen, das unendlich viel Leid angerichtet hat." Der EKD-Ratsvorsitzende fügte hinzu: "Heimatliebe zeigt sich gerade auch darin, dass wir ohne Furcht auf die dunklen Seiten unserer Geschichte schauen können."

Knobloch: "Gaulands Haltung ist deutschlandfeindlich"

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat dem AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland eine Verhöhnung der NS-Opfer vorgeworfen. "Gaulands Haltung zeugt von einer menschenverachtenden Ideologie, die in Wahrheit deutschlandfeindlich ist", sagte Knobloch in München.

Knobloch sagte, die Worte Gaulands verhöhnten alle Opfer der in der Tat nur zwölf Jahre dauernden nationalsozialistischen Herrschaft. Verhöhnt werde "das daraus resultierende anhaltende Leid und die bleibende Trauer, die die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland bis heute prägen."

Die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland äußerte auch die Hoffnung, der Wähler in Bayern möge erkennen, "welche Katastrophe die AfD mit ihren Gaulands für unser Land bedeutet. Wer diesem zerstörerischen Hass-Kommando seine Stimme gibt, wählt den Niedergang unserer liebens- und lebenswerten Heimat."

Gauland relativiert Aussage

Angesichts der Empörung über seine Äußerung zum Nationalsozialismus hat AfD-Chef Alexander Gauland die umstrittene Aussage relativiert. "Es war nicht meine Absicht, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu bagatellisieren", sagte Gauland. Er habe seine "tiefste Verachtung" für den Nationalsozialismus mit dem Begriff "Vogelschiss" zum Ausdruck gebracht. "Vogelschiss ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf, mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe."

Er müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen hätten. "Nichts lag mir ferner als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen, was sich aus dem übrigen Teil der Rede auch zweifelsfrei ergibt", betonte er. "Die entstandene Wirkung bedaure ich. Niemals war es meine Absicht, die Opfer dieses verbrecherischen Systems zu bagatellisieren oder gar zu verhöhnen."

(KNA, dpa)

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