Bischof Rudolf Voderholzer
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer
Stadtpfarrer Rainer M. Schießler
Stadtpfarrer Rainer M. Schießler

03.05.2018

Kirchenmeinungen in Kreuzdebatte gehen auseinander Klare Kante und kein Kommentar

In der Debatte um den bayerischen Kreuzerlass beziehen weitere Kirchenvertreter Position. Die Bischöfe von Regensburg begrüßen in einer ökumenischen Stellungnahme die Präsenz des Kreuzes im öffentlichen Raum. Doch es gibt auch Kritik.

Der katholische Bischof Rudolf Voderholzer und der evangelisch-lutherische Regionalbischof Hans-Martin Weiss (beide Regensburg) sehen das Aufhängen von Kreuzen, gerade auch dort, wo politische oder administrative Verantwortung für das Gemeinwesen wahrgenommen werde, positiv.

Der über Bayern hinaus bekannte Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler ordnete sich in die Reihe der Gegner der Neuregelung ein. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollte dagegen nicht in die Diskussion einsteigen: "Ich werde zu Dingen, die im Zusammenhang stehen mit der Arbeit meines Nachfolgers, nichts sagen", sagte der Ex-Ministerpräsident von Bayern in Berlin.

Kleine Einschränkung

Die beiden Regensburger Bischöfe schränkten in der gemeinsamen Positionierung ihre Kreuz-Zustimmung ein: "Dass es mit dem Anbringen von Kreuzen alleine nicht getan ist, wird niemand bestreiten." Es sei aber auch nicht richtig, "dieser symbolischen Selbstvergewisserung der eigenen Grundlagen nur unlautere Motive zu unterstellen", etwa die Instrumentalisierung zu Wahlkampfzwecken.

"Wer sich auf das Kreuz beruft und unter das Kreuz stellt, wird sich auch an seinem Anspruch messen lassen", heißt es in dem Text. Jedem Politiker gebühre Dank für das öffentliche Bekenntnis zum "vorpolitischen Fundament der staatsbildenden Grundwerte".

Pfarrer Schießler wünschte sich, dass die aktuell geführte Debatte eher stattgefunden hätte. "Weil wir jetzt genau das haben, was viele mahnend anklagen, nämlich die Spaltung", sagte er bei Bayern 1. Insgesamt 38 Prozent der Wahlberechtigten in Bayern sind nach einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks gegen den Erlass. Sie störe letztlich nicht das Kreuz, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen werde, so Schießler.

Kritik von Münchner Weihbischof Bischof

Der Geistliche bestätigte die Kritik des Münchner Weihbischofs Wolfgang Bischof, dass das Kreuz kein Symbol für Bayern sei und auch kein Wahlkampflogo. Schießler unterstrich zugleich, dass er sich über jeden Raum freue, in dem ein Kreuz hänge. Ihn störe nur, wie nun damit umgegangen werden. Besser wäre es gewesen, vorher mit Christen, Muslimen, Angehörigen anderer Religionen und mit Atheisten, die alle in diesem Land lebten, zu reden.

Bereits am Mittwoch hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx erklärt, Kreuze im öffentlichen Raum stünden für "die Ausrichtung an den Grundaussagen des christlichen Menschenbildes". Das Kreuz solle zum Zeichen dafür gemacht werden, "dass diese Gesellschaft zusammenführt, dass sie integriert und dass sie sich neu vergewissert: Woher kommen wir?", sagte der Erzbischof in München.

Kreuze im öffentlichen Raum seien deshalb für ihn Grund zur Freude: "Wenn wir dazu einladen, als Kirche und auch als Staat: 'Erinnert euch dieser Grundlagen!', dann ist das eine wunderbare Gelegenheit, sich dieses christlichen Menschenbildes neu zu vergewissern." Die Einladung gehe "an Gläubige und Ungläubige, an Suchende und Fragende".

(KNA)

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