Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hängt ein Kreuz auf
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hängt ein Kreuz auf
Erzbischof des Erzbistums Speyer: Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick

25.04.2018

Bamberger Erzbischof zu Söders bayerischen Kreuz-Plänen "Das Kreuz grenzt nicht aus, es schließt ein"

Künftig sollen Kreuze in Ämtern des Freistaates Bayern hängen. Aber laut Ministerpräsident Söder als Symbol "der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung" und nicht als "Zeichen einer Religion". Der Bamberger Erzbischof ist irritiert.

DOMRADIO.DE: In allen Behörden der bayerischen Staatsverwaltung sollen ab Juni Kreuze im Eingangsbereich hängen. Diese Vorschrift hat das bayerische Landeskabinett beschlossen. Was halten Sie von dieser Idee des neuen Ministerpräsidenten Markus Söder?

Erzbischof Ludwig Schick (Erzbistum Bamberg): Wenn das Kreuz aufgehängt wird, ist das für einen Christen immer ein schönes Zeichen und natürlich zu befürworten. Das Kreuz muss natürlich das Symbol des Christentums sein und damit das Symbol der Einheit, des Friedens und der Gerechtigkeit und Solidarität für alle Menschen. 

DOMRADIO.DE: Nun hat Söder aber extra betont, das Kreuz sei kein Zeichen einer Religion, sondern Symbol der bayerischen Identität christlich-abendländischer Prägung. 

Schick: Das Kreuz ist kein Identitätszeichen irgendeines Landes oder eines Staates. Es ist Zeichen Gottes für uns, damit wir im Blick auf das Kreuz Liebe und Solidarität lernen. Wir sehen die weit ausgestreckten Arme und sollen uns genauso miteinander verhalten und eine Zivilisation der Liebe aufbauen. Darum muss es gehen. Das Kreuz grenzt nicht aus, es schließt ein.

DOMRADIO.DE: Das Kreuz kann uns immer daran erinnern, für welche Werte wir stehen?

Schick: Natürlich, das will das Kreuz. Aber es ist immer ein Zeichen für alle Menschen. Alle Menschen sollen eigentlich mit Blick auf das Kreuz Gott näher kennenlernen, seine Liebe zu uns allen spüren. Daraus muss die Liebe der Menschen untereinander werden. Das ist das Kreuz und das ist die Schule des Kreuzes.

DOMRADIO.DE: In Bayern stehen bald Landtagswahlen an, könnte es sein, dass Söder mit dem Kreuz Wahlkampf machen möchte? Ihm könnte an den Stimmen christlicher und islamfeindlicher AfD-Wähler gelegen sein.

Schick: Ich will mich nicht in die Politik einmischen. Aber das Kreuz ist für uns ein wichtiges Zeichen und da, wo es so verstanden wird, wie Jesus selbst es verstanden und gelebt hat, da kann es uns nur helfen, eine gute Gesellschaft aufzubauen mit einem guten Miteinander und Solidarität füreinander. Brüderlichkeit, Freiheit und Gerechtigkeit. So soll das Kreuz sein, so will es Gott, so hat es uns Jesus geschenkt und nur so kann es uns helfen, eine gute Zukunft für uns alle zu erwirken.

DOMRADIO.DE: Wenn nun in den Dienstgebäuden die Kreuze hängen, ist das also eine gute Sache?

Schick: Ja, aber man muss das Kreuz immer wieder deuten. Das ist die bleibende Aufgabe des Christentums. Wir müssen das Kreuz auch vor Fehldeutungen bewahren und vor Missbrauch schützen. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, was es eigentlich will und soll, was Gott uns mit dem Kreuz Christi schenken wollte, was Christus uns bis zum Tod am Kreuz gegeben hat. Darauf kommt es an.

Das Interview führte Johannes Schröer.

(DR)

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