Olaf Scholz und Angela Merkel
Olaf Scholz und Angela Merkel

14.03.2018 - 00:00

Merkels neues Kabinett Die evangelische Pfarrerstochter und ihre katholischen Minister

Die Regierungsbildung hat lange auf sich warten lassen, am Mittwoch sollen aber endlich alle Minister des neuen Kabinetts vereidigt werden. Eine schöne Überraschung gibt es schon: Es werden mehr Katholiken mitregieren.

In der neuen großen Koalition versammelt die evangelische Pfarrerstochter Angela Merkel am Kabinettstisch mehr Katholiken um sich als in der letzten Legislaturperiode. Insbesondere gilt das für die Ministerinnen und Minister der Union, während der Katholikenanteil bei der SPD zurückgeht.

In der letzten Regierung gab es mit Andrea Nahles, Barbara Hendricks und Heiko Maas drei katholische SPD-Minister. In der CDU-Riege aber war Peter Altmaier der einzige Katholik neben sechs Protestanten - wenn man die Kanzlerin mitzählt. Neben Merkel waren das Johanna Wanka, Ursula von der Leyen, Hermann Gröhe, Wolfgang Schäuble und Thomas de Maiziere.

Die fünf Katholiken

Künftig werden Merkel und von der Leyen hier alleine die evangelische Fahne hochhalten, umringt von fünf Katholiken: Zu Altmaier gesellen sich Julia Klöckner, Anja Karliczek, Helge Braun und Jens Spahn.

Bei der SPD bleibt von den drei Katholiken nur einer übrig: Heiko Maas. Dazu kommen Protestant Hubertus Heil und der evangelisch getaufte Olaf Scholz, der aber vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten ist. Bei den Ministerinnen sind Franziska Giffey und Svenja Schulze konfessionslos, Katarina Barley äußert sich nicht zu ihrem Glauben: "Wie ich selbst zu Religion stehe, ist meine Privatsache", sagte sie in einem Interview.

Unter den CSU-Ministern gab es bisher mit Christian Schmidt einen Protestanten neben den Katholiken Gerd Müller und Alexander Dobrindt. Jetzt kommen ausschließlich Katholiken aus Bayern nach Berlin: Müller, Andreas Scheuer und Horst Seehofer – außerdem Dorothee Bär als neue Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt.

Glaube und politisches Handeln

Bei den anderen Unions-Staatsministern und -Staatssekretären im Kanzleramt bleibt das Verhältnis konstant: Bisher gab es hier die katholischen CDU-Staatsminister Monika Grütters und Helge Braun sowie den evangelischen CSU-Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche – und daneben die einzige Muslimin Aydan Özoguz (SPD) als Staatsministerin für Integration.

Grütters bleibt Kulturstaatsministerin, dazu kommen Katholikin Annette Widmann-Mauz (CDU) als neue Staatsministerin für Integration und Protestant Hendrik Hoppenstedt (CDU). Darüber hinaus hat Katholikin Annegret Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin den Protestanten Peter Tauber abgelöst.

Doch Taufschein und Gesangbuch sind nur eine Seite. Entscheidender sind andere Fragen: Welche Rolle spielt die Zugehörigkeit zu einer Konfession überhaupt? Und wie beeinflusst der persönliche Glaube das politische Handeln? Gerade auch dann, wenn mal wieder der Fraktionszwang aufgehoben wird und alle nach ihrem Gewissen entscheiden sollen – wie es etwa bei der "Ehe" für alle war und auch künftig wieder vorkommen könnte bei ethisch schwierigen Fragen. Dass ihnen Glaube wichtig sei, betonen so gut wie alle. Einige auf der Unionsseite wie Grütters, Klöckner, Kramp-Karrenbauer und Müller gehören dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an – genau wie die designierte SPD-Parteichefin Nahles.

Christliche Werte

In den letzten Tagen erklärte Kramp-Karrenbauer mehrfach, wie entscheidend es sei, "dass wir noch einmal deutlich machen, was unsere Grundlage ist, nämlich das christliche Menschenbild". Grütters warnte vor einer Entchristlichung der Gesellschaft; sie sollte sich zu ihren christlichen Wurzeln und ihrer Identität bekennen. Und Klöckner bekannte – ähnlich wie Merkel, bei elementaren Entscheidungen entlaste sie ihr Glaube – etwa "bei ethischen Fragestellungen, bei der Frage des ungeborenen Lebens".

Auch Ex-Ministrant Altmaier erzählte kürzlich in einem "Bunte"-Interview, wie wichtig ihm Religion sei, "weil christliche Werte für mich ein starkes Fundament sind". Für Jens Spahn sind Glaube und Kirche "aus mir und meinem Leben nicht wegzudenken". Der "Tagespost" sagte er außerdem, er habe seine christliche Prägung "mit der Muttermilch" aufgesogen.

Auf der anderen Seite ist Spahn, der in einer homosexuellen Beziehung lebt und kürzlich geheiratet hat, klar für die "Ehe für alle" – anders als Karliczek, Kramp-Karrenbauer und andere. Klöckner warf kürzlich den Kirchen vor, sich zu sehr in die Politik einzumischen. Gerade in der Flüchtlingspolitik liegen sie und Spahn, um nur zwei Beispiele zu nennen, keineswegs auf einer Wellenlänge mit den Kardinälen Marx und Woelki und der Mehrheit der Bischöfe.

Bedeutung der Konfession

Eindeutiger ist – soweit bekannt – die Positionierung der künftigen Kabinetts-Katholiken aus der Union in anderen Debatten: So sind sie durch die (Regierungs-)Bank gegen eine Liberalisierung der Suizidbeihilfe und gegen Änderungen beim Werbeverbot für Abtreibungen. Wie sie sich künftig verhalten und wie sehr katholisch mit konservativ einhergehen wird, ist nicht abzusehen.

Die Neujustierung der Konfessionen am Kabinettstisch lässt sich natürlich auch anders deuten: Vielleicht spielt die Frage nach evangelisch oder katholisch heute einfach keine große Rolle mehr bei politischen Personalentscheidungen – jedenfalls im Vergleich zu Alter, regionaler Herkunft und Geschlecht.

Gottfried Bohl
(KNA)

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