Quo vadis, Martin Schulz?
Quo vadis, Martin Schulz?
Zerbrochene Männerfreundschaft? Sigmar Gabriel und Martin Schulz
Zerbrochene Männerfreundschaft? Sigmar Gabriel und Martin Schulz
Andrea Nahles und Martin Schulz beim SPD-Sonderparteitag
Andrea Nahles und Martin Schulz beim SPD-Sonderparteitag

09.02.2018

Martin Schulz verzichtet auf Amt des Außenministers Das jähe Ende des Schulz-Zugs

Stillhalten, bis der Koalitionsvertrag unterschrieben ist, lautete die Parole der SPD-Oberen. Dann gab es allerdings kein Halten mehr. Der vor einem Jahr als Retter gefeierte Martin Schulz ist nun einfacher Abgeordneter.

Seit Jahrzehnten, so hat es der scheidende SPD-Chef Martin Schulz immer wieder erzählt, schreibt er Tagebuch; reflektiert, was war. Die Einträge der letzten Tage dürften verheerend ausfallen: Partei-Vorsitz weg und nun auch noch das sicher geglaubte Amt des Außenministers. Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments darf nun als einfacher Abgeordneter im Bundestag Platz nehmen.

Ein tiefer Fall

Dabei wurde Schulz noch vor einem Jahr in den Himmel gelobt: Nach seiner Nominierung zum neuen Parteivorsitzenden verzeichnete die SPD nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Parteieintritte, auf dem Parteitag, auf dem er schließlich der "Mr. 100 Prozent" wurde, schwenkten Delegierte Schulz-Fähnchen und konnten Baumwolltaschen mit seinem Konterfei erstehen. Plakate wurden mit "GottKanzler" überschrieben, was dem Katholiken Schulz gar nicht gefiel.

Schon damals sagte er, dass ihm diese Euphorie unheimlich sei. Er sollte recht behalten: Landtagswahlen gingen für die SPD verloren und schließlich mit Pauken und Trompeten auch die Bundestagswahl. Der Schulz-Zug, der nie so richtig in Fahrt gekommen war, hatte sich in eine Sackgasse manövriert.

Alles riskiert

Bei den Gesprächen für eine neue große Koalition setzte der 62-Jährige schließlich alles auf eine Karte. Und verlor, weil er dem Druck seiner Partei nicht mehr standhalten konnte. Und weil er dort wohl auch keinen Rückhalt mehr hatte. Auch enge Parteifreunde hatten sich zurückgezogen; die Männerfreundschaft zwischen ihm und Sigmar Gabriel, der nun vielleicht Außenminister bleibt, scheint zerbrochen.

In seiner schriftlichen Erklärung betont Schulz, seine persönlichen Ambitionen müssten hinter der Partei zurückstehen. Fast flehentlich drückt er die Hoffnung aus, dass nun die Personaldebatten innerhalb der SPD enden mögen.

Hartes und undankbares Geschäft

Auf seinem Platz im Bundestag befindet er sich guter Gesellschaft: Auch der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir, der hoffte, als erster Bundesminister mit türkischen Wurzeln am Kabinettstisch Platz nehmen zu können, sitzt dort ebenso der scheidende Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU). Auch von den Noch-Ministern Gerd Müller und Alexander Dobrindt (beide CSU) ist keine Rede mehr, wenn es um Ministerämter für eine mögliche neue große Koalition geht.

Bei keinem aber hat der schnelle Aufstieg ein so abruptes Ende gefunden wie bei Schulz: Politik ist ein "elend undankbares Geschäft", so formuliert es der neue Grünen-Vorsitzende Robert Habeck in einem Statement nach Bekanntwerden des Amtsverzichts. Herabsetzungen seien schwer zu ertragen, aber man müsse sie als Politiker hinnehmen.

Parallelen mit anderen Politikern

Andere haben es ihm vorgemacht: Die frühere Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis, die sich im Parlament zur Wahl stellte, aber auch im vierten Wahlgang nicht gewählt wurde ("Was wird jetzt aus mir?"), verabschiedete sich aus der Politik und engagierte sich lange Jahre unter anderem in Hilfsorganisationen. "Man muss auch solche Sachen überleben", sagte sie später, als sie zur ersten Ehrenbürgerin von Schleswig-Holstein ernannt wurde.

Auch der Bundespräsident mit der kürzesten Amtszeit, Christian Wulff, berappelte sich. Er arbeitet inzwischen wieder als Rechtsanwalt, hat diverse Ehrenämter und vertritt die Bundesrepublik schon mal bei ausländischen Staatsakten. Und auch die Frau, die Schulz nun als Parteivorsitzende beerbt, hat einen Posten, der ihr eigentlich zustand, nicht angetreten: In einer Kampfabstimmung hatte sich Andrea Nahles 2005 als Generalsekretärin durchgesetzt, trat aber das Amt nicht an, als sie von Teilen der SPD heftig kritisiert wurde.

Sie habe aus dieser Zeit sehr viel gelernt, meint Nahles dazu heute. In einem ersten Statement spricht sie mit Blick auf den Amtsverzicht von Schulz, der Schritt zeuge von "beachtlicher menschlicher Größe".

Birgit Wilke
(KNA)

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