Polizei vor einer Flüchtlingsunterkunft
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Prof. Heribert Hirte
Prof. Heribert Hirte

02.02.2018

Gezielte Übergriffe auf Christen in Deutschland "Eine erschreckende Botschaft"

Weltweit sind Christen sind die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft. Aber auch in Deutschland gibt es Übergriffe, die sich gezielt gegen Christen richten. Für den CDU-Politiker Heribert Hirte ein erschreckendes Bild.

DOMRADIO.DE: Gerade hat das Bundeskriminalamt (BKA) die betreffenden Zahlen veröffentlicht - demnach gab es in der Bundesrepublik im Jahr 2017 fast 100 solcher Angriffe auf Christen - darunter ein Mord, neun Körperverletzungen und ein Fall von Brandstiftung. In rund einem Viertel der Fälle seien Kirchen und christliche Symbole angegriffen worden. Die Zahlen werden auf Drängen Ihres Parteifreundes, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, überhaupt erst gesondert erfasst und veröffentlicht. Warum ist das wichtig?

Heribert Hirte (CDU-Politiker und Vorsitzender des Stephanuskreises): Lassen Sie mich zunächst sagen, dass diese Zahlen bestürzend und erschreckend sind. Warum werden die Zahlen erfasst? Das ist eine Initiative, die wir in der Fraktion, auch ich persönlich, ergriffen haben, nachdem wir im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von Übergriffen auf Christen, insbesondere auch auf christliche Konvertiten, gehört haben. Da haben wir gesagt: Was können wir als Bundesgesetzgeber tun? Und das Erste, was wir als Bundesgesetzgeber tun konnten, war zu sagen: Wir brauchen belastbares Zahlenmaterial. Deshalb hat die Innenministerkonferenz im Jahr 2016, gerade auch auf Initiative von Thomas de Maizière, genau diesen Punkt beschlossen, dass die Statistik im Bereich des Themenfeldes Hasskriminalität um die Unterthemen christenfeindlich und islamfeindlich erweitert wird. Bislang wurden dort nur antisemitische Taten erfasst. Das ist jetzt das erste Ergebnis, was wir sehen. 

DOMRADIO.DE: Knapp 100 Fälle "christenfeindliche Straftaten" also - ordnen Sie die doch mal ein: Sind das eher viele oder eher wenige?

Hirte: Das ist schwer zu sagen. Aber es ist doch überhaupt viel, dass wir – und das ist glaube ich die wichtigste Aussage – im christlich geprägten Deutschland Übergriffe auf Christen haben. Allein die Tatsache, dass es das gibt, gibt Anlass zu Sorge. Dass wir auch Übergriffe gegen andere Religionen haben, dass die Zahlen etwa bei den antisemitischen Straftaten deutlich höher liegen, das war nicht überraschend. Aber dass Christen, die sozusagen unser Land geprägt haben, in einer Situation der Bedrängnis sind – das ist die eigentliche Botschaft, und die ist schon überraschend und erschreckend.

DOMRADIO.DE: Ein hoher Anteil der Taten - nämlich 14 - sind zwischen Asylbewerbern und Flüchtlingen begangen worden. Was zeigt das?

Hirte: Das war eigentlich der Auslöser der Diskussionen gewesen, dass wir Berichte bekommen hatten, dass in Asylunterkünften diejenigen, die aus den Ländern des Nahen Ostens geflohen sind, dieselbe Verfolgungssituation, die sie in den Herkunftsländern hatten, auch hier wieder vorfinden. Da haben wir gesagt: Dem müssen wir weiter nachgehen. Das zeigt, dass religiöse Toleranz in diesem Bereich nicht so ausgeprägt ist, wie wir das für eine grundlegende Rahmenbedingung für das Zusammenleben bei uns halten. Wir wissen aus vielen Berichten, aber das lässt sich praktisch nicht gut erfassen, dass darunter sowohl Christen der alten christlichen Gemeinschaften aus dem Nahen Osten wie auch konvertierte Christen sind. Das sind zwei Problemlagen, die unterschiedlich zu bewerten sind. Beide sind nicht tolerabel. Aber wichtig ist, dass wir mit den Zahlen jetzt zunächst einmal die Basis haben, um darüber zu reden und vor allem zu sagen: Wer in Deutschland lebt, hat die Religionsfreiheit anderer zu beachten.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)