Erzbischof Stanislaw Gadecki
Erzbischof Stanislaw Gadecki

15.01.2018

Polens Bischöfe werben für Aufnahme von Flüchtlingen "Wichtiger als nationale Sicherheit"

Polens katholische Kirche macht sich weiter für die Aufnahme von Opfern des Syrien-Krieges stark. Man verliere nicht die Hoffnung, dass die polnische Regierung am Ende der Gespräche mit der Kirche einem "humanitären Korridor" für Flüchtlinge zustimme.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, verwies darauf, dass auch die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio in Italien einen langen Atem gebraucht habe, bis die Regierung in Rom ihren Widerstand gegen einen "humanitären Korridor" aufgegeben habe. Polens Bischofskonferenz und die Caritas werben seit mehr als einem Jahr für die Aufnahme besonders hilfsbedürftiger syrischer Familien.

Diese sollen von kirchlichen Organisationen betreut werden. Damit folgen sie dem Beispiel der katholischen Laienbewegung Sant'Egidio. Die nationalkonservative Regierung in Warschau lehnt eine solche Hilfsaktion bislang strikt ab. Von Flüchtlingen könne eine terroristische Gefahr ausgehen, begründet sie ihr Nein.

"Alle Menschen Kinder eines einzigen Gottes"

Gadecki betonte nun: "Die Sicherheit der Flüchtlinge, die Hilfe brauchen, ist wichtiger als die nationale Sicherheit." Die Kirche handele nach dem Grundsatz, "dass alle Menschen Kinder eines einzigen Gottes sind". Das Interesse des Staates stehe erst an zweiter Stelle; Vorrang habe der Mensch. Der "persönliche Egoismus", sich um die eigene Sicherheit zu sorgen, habe nicht viel mit dem Christentum zu tun, so der Erzbischof.

Das italienische Konzept der humanitären Korridore sieht neben einer sicheren und legalen Einreise eine längerfristige Begleitung der Flüchtlinge zur besseren Integration vor. An der Unterbringung beteiligen sich Pfarreien, Familien, Orden und Hilfsorganisationen. Nach Angaben von Sant'Egidio wurden bislang rund 1.000 Syrer aus Flüchtlingslagern im Libanon in italienischen Pfarreien, Ordenseinrichtungen und Familien untergebracht. In den kommenden Monaten sollten weitere fast 1.000 Syrer und insgesamt 500 Afrikaner, die bisher als Flüchtlinge in Äthiopien leben, nach Italien kommen.

(KNA)

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