Graffiti auf sowjetischem Militärfriedhof
Graffiti auf sowjetischem Militärfriedhof

12.01.2018

Vor 125 Jahren geboren: Architekt Alfred Rosenberg und Jagdflieger Hermann Göring Mit Drogen und Ideologie

Sie wurden am gleichen Tag geboren und starben - fast - am gleichen Tag: Hermann Göring und Alfred Rosenberg. Es gibt weitere Parallelen zwischen Hitlers zweitem Mann und dem Chefideologen der Nazis.

Reval, wie die estnische Hauptstadt Tallinn früher hieß, und Rosenheim in Bayern liegen rund 2.000 Kilometer und, das lässt sich wohl so sagen, einige Welten auseinander. Dennoch sind diese beiden Orte durch ein Datum und zwei Männer verbunden. Am 12. Januar 1893, vor 125 Jahren, kam in der Ostsee-Stadt ein gewisser Alfred Ernst Rosenberg zur Welt. Am gleichen Tag tat es ihm am Fuße der Alpen Hermann Wilhelm Göring gleich.

Verurteilung in Nürnberger Prozessen

Rosenberg und Göring gehörten in Adolf Hitlers Drittem Reich zu den führenden Nazis. Beide wurden wegen ihrer Beteiligung an den Verbrechen der Nationalsozialisten im Nürnberger Prozess zum Tod durch den Strang verurteilt. Und beide starben - fast - am gleichen Tag. Göring entzog sich mithilfe einer Zyankali-Kapsel am 15. Oktober 1946 der Vollstreckung der Strafe. Rosenberg stand tags darauf tatsächlich vor dem Henker.

Damit endeten zwei Leben, die auf den ersten Blick außer den historischen Zufälligkeiten und der bedingungslosen Treue zu Adolf Hitler nur wenige Gemeinsamkeiten aufweisen.

Architekt mit Verschwörungstheorien und drogensüchtiger Jagdflieger

Da war zum einen Rosenberg: Spross einer baltendeutschen Kaufmannsfamilie, studierter Architekt und Ingenieur mit Hang zu Weltverschwörungstheorien. Schlank und eher beamtenhaft kam der Chefideologe und "Kirchenvater" des Nationalsozialismus daher. Sein "Mythus des 20. Jahrhunderts" machte sich für eine "Religion des Blutes" stark, die das von "jüdischen Einflüssen" durchdrungene Christentum ersetzen solle.

Dagegen Göring: Hochdekorierter Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, ein Macher mit Drang zur Macht, wiewohl häufigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt. Propagandafotografen hatten ihre liebe Mühe, den durch Genusssucht und Drogenkonsum aufgedunsenen Reichsmarschall – angeblich wog er deutlich über 100 Kilo bei einer Körpergröße von 1,70 Metern - halbwegs vorteilhaft ins Bild zu setzen.

Beide eint der Anitsemitsmus und die Gier nach Kunst

Während Rosenberg vom "jüdisch-bolschewistischen" Weltfeind schwafelte, den es auszumerzen gelte, war Göring Historikern zufolge nie ein "glühender Antisemit". Trotzdem beteiligten sich beide an der Vernichtung der europäischen Juden und aller anderen als lebensunwert abgestempelten Gruppen und Völker. So erhielt Reinhard Heydrich von Göring den Auftrag, die "Endlösung der Judenfrage" in Gang zu setzen. Der in Rosenbergs Ministerium entwickelte "Generalplan Ost" sah die "Verschrottung" von Millionen Russen vor.

Es ist da aber noch etwas anderes, das die beide Männer einte: die Gier nach Kunst. Der "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" ließ Gemälde, Plastiken und Möbel waggonweise aus allen Ecken Europas herankarren. Meist handelte es sich um Beute aus "sichergestelltem herrenlosen jüdischem Kulturgut", die Besitzer waren entweder geflohen oder sahen in den Konzentrationslagern der Nazis ihrem Tod entgegen.

Um seinen Stück vom Kuchen zu sichern, bemühte sich Göring unterdessen, das Diebesgut in insgesamt vier Klassen zu unterteilen: Objekte der ersten Kategorie waren selbstredend für Hitler reserviert, aber schon Kunstwerke aus der zweiten Kategorie dienten der "Vervollständigung der Sammlung des Reichsmarschalls". Vieles davon wanderte in Görings Landsitz Carinhall, wo der "letzte Renaissancemensch" Hof hielt.

In Schutt und Asche träumt Göring von eigenem Museum

Das Urteil auswärtiger Besucher über Görings Sammelwut fiel wenig schmeichelhaft aus. "An den Wänden hingen Hunderte von Gemälden", so der stellvertretende US-Außenminister Sumner Welles. "Zahlreiche Beispiele der größten italienischen und alten deutschen Meister hingen Seite an Seite mit den Schmierereien moderner deutscher Maler."

Dort, vor den Toren Berlins, präsentierte Göring am 12. Januar 1945 seinem 52. Geburtstag, den staunenden Gästen die Planungen für ein eigenes Museum - während ringsum die Welt in Schutt und Asche sank.

Der mehr als 300 Meter lange und bis zu 65 Meter tiefe Bau sollte 1953 zu seinem 60. Geburtstag eröffnet werden. Dazu kam es bekanntermaßen nicht mehr. Görings und Rosenbergs Asche wurde in einen Seitenarm der Isar gestreut, Carinhall hatten die Nazis selbst noch in die Luft gesprengt. Der von Göring, Rosenberg und anderen Nazi-Größen durchgeführte Kunstraub dagegen beschäftigt bis auf den heutigen Tag Historiker und Rechtsanwälte.

Von Joachim Heinz

(KNA)

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