Feuerwerk über dem Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche in Bethlehem
Feuerwerk über dem Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche in Bethlehem
Papst Franziskus verlässt nach der Neujahrsmesse den Petersdom
Papst Franziskus verlässt nach der Neujahrsmesse den Petersdom
Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Algermissen
Bischof Algermissen
Bischof Peter Kohlgraf im Ornat
Bischof Peter Kohlgraf im Ornat
Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche
Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche
Weihbischof Ulrich Boom
Weihbischof Ulrich Boom
Heinrich Bedford-Strohm besucht am Heiligen Abend eine Kälteschutz-Einrichtung für Obdachlose
Heinrich Bedford-Strohm besucht am Heiligen Abend eine Kälteschutz-Einrichtung für Obdachlose
Manfred Rekowski
Manfred Rekowski

01.01.2018

Kirchen begrüßen das neue Jahr Kein unnötiger Ballast und Streit überwinden

Der Heilige Vater im Vatikan, die Kirchen in Deutschland – nach dem Jahreswechsel kommt der Blick voraus: Worauf können sich die Gläubigen im Jahr 2018 freuen? Welche Lehren müssen aus 2017 gezogen werden?

Zum katholischen Weltfriedenstag am Neujahrstag hat Papst Franziskus die Menschen dazu aufgerufen, "unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt". Wenn sie den Wert des Schweigens neu entdeckten, bewahrten sie ihre Freiheit vor den "zersetzenden Banalitäten des Konsums und der Betäubung durch Werbung", sagte Franziskus bei der Neujahrsmesse im Petersdom.

60 Jahre Ruhrbistum Essen

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat am Neujahrstag, dem Gründungstag der Diözese, auf die 60-jährige Geschichte des Ruhrbistums zurückgeblickt. In seiner Predigt im Essener Dom erinnerte er an die enge Beziehung zwischen Kirche und Arbeitswelt im Ruhrgebiet von Anfang an. "Die Solidarität mit den Menschen, mit denen wir leben", sei ein bedeutender Wesenszüge des Bistums. Kohle und Stahl hätten über Jahrzehnte auch das Bistum wesentlich bestimmt, sagte Overbeck. Diese Ära gehe 2018 mit dem Ende der Steinkohleförderung in Bottrop endgültig zu Ende.

Wie die Region stehe auch das Bistum 60 Jahre nach seiner Gründung vor "gewaltigen Herausforderungen", so der Bischof. Vieles von dem, was in den Anfangsjahren entstanden und gewachsen sei, werde nicht aufrecht erhalten werden können. Aber auch in dieser bewegenden Zeit bleibe die Kirche im Ruhrbistum "vor Ort". Sie lasse sich nicht auseinandertreiben, "weil wir den Mut und die Zuversicht nicht verlieren, dass Gott uns auch auf unsicheren schwierigen wegen führt."

Ein letztes Mal beim Neujahrsempfang als Bischof

Beim Neujahrsempfang im Fuldaer Priesterseminar hat Bischof Heinz Josef Algermissen Verständnis für Verlustängste bei Gläubigen angesichts eines Rückgangs an christlicher Kultur und schwindenden Verständnisses für kirchliche Traditionen gezeigt. Dies stehe für ihn aber weniger im Zusammenhang mit einer größer werdenden Zahl von Muslimen in Deutschland, so der Fuldaer Bischof.

"Vielmehr sorge ich mich um den Verlust an christlichem Glauben in unserer Gesellschaft. An dieser Stelle sind die Kirchen unbedingt herausgefordert." Die christliche Kultur sei nur relevant, wenn der Glaube gelebt werde. "Ohne gelebten Glauben ist das christliche Ethos hohl."

Für Algermissen, der im Februar 75 Jahre alt wird und damit die Altersgrenze für Bischöfe erreicht, war es der letzte Neujahrsempfang als amtierender Bischof von Fulda. "Im Jahr 2018 wird der Heilige Vater mein Rücktrittsgesuch annehmen, wie es das Kirchenrecht vorsieht", kündigte der Bischof an.

Frieden ist eine tägliche Aufgabe

In der ersten Neujahrspredigt des 2017 eingeführten Bischofs von Mainz, betonte Peter Kohlgraf einen besonderen Vorsatz für das neue Jahr: Friedensstifter werden und Versöhnung leben. Gewalt sei nicht mit Gegengewalt und Rechthaberei zu beantworten.

"Indem wir uns von Gott geliebt wissen, können wir einen inneren Frieden finden, der jeden Neid, Hass, Streit in uns überwindet.", so Bischof Kohlgraf am ersten Tag des neuen Jahres.

Europäisches Jahr der Kultur 2018

Der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, blickt im neuen Jahr vor allem auf das europäische Kulturjahr. "Wir wollen dabei in unserer Erzdiözese zuerst an das Fundament unserer Kultur, an das Evangelium Jesu Christi, erinnern" und dabei auch für den Erhalt und die Weiterentwicklung des kulturellen Erbes in allen Bereichen mitwirken, so der Erzbischof.

Jeder solle seinen Beitrag dazu leisten, damit die menschenfreundliche christliche Kultur aus der Beziehung mit Gott Bestand habe. Ein wichtiges Kulturgut seien auch die Menschenrechte. Schick erinnerte so an die Verabschiedung der UN-Charte der Menschenrechte im Jahr 1948. Im Jahr 2018 wartet aber auch noch ein weiteres wichtiges Jubiläum auf die Erzdiözese Bamberg: ihre Gründung vor 200 Jahren nach dem Bayerischen Konkordat.

Zeit verinnt – der Herr bleibt

Der Diözesanadministrator im Bistum Würzburg, Weihbischof Ulrich Boom, geht zum Jahreswechsel auf ein Gedicht des evangelischen Theologen Jochen Klepper ein. In einer Videobotschaft zitiert der Weihbischof das Gedicht "Der du die Zeit in Händen hälst" aus dem Gotteslob.

Darin soll zunächst der Herr die Lasten des vergangenen Jahres in Segen verwandeln. Und zum Schluss schließt Boom seine Grüße mit der letzten Strophe: "Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt, im Fluge unsrer Zeiten: bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten."

Fülle des Lebens wieder entdecken

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, warb dafür, dass sich Menschen auf die "wesentlichen Lebensquellen" besinnen sollten. In seiner Neujahrspredigt sprach er sich im ZDF-Fernsehgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche für mehr Demut und Dankbarkeit aus. "Das ist vielleicht das Wichtigste im Deutschland des Jahres 2018, einem reich gesegneten Land, in dem dennoch Knappheitsgefühle und Verlustangst überhandzunehmen drohen: dass wir herausfinden aus dem Gefühl, zu kurz zu kommen. Und dass wir entdecken, aus welcher Fülle wir leben dürfen."

So könne beispielsweise ein Gespräch mit einem sozial benachteiligten Menschen "eine Schule der Demut" sein, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Die persönliche Begegnung mit Benachteiligten rege dazu an, nachzudenken, "wofür ich dankbar bin und was ich wirklich brauche, um zufrieden zu sein".

Einsatz gegen Unrecht und Gewalt

Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat die Christen in seiner Neujahrspredigt zu sozialem und politischem Engagement aufgerufen. "In einer Welt voller Konflikte sollen wir schon hier und jetzt die Lebensregeln der künftigen Welt leben und bezeugen: Tränen trocknen, Schmerzen lindern, gegen Unrecht und Gewalt einstehen", sagte Rekowski am Montag in der Lutherkirche in Duisburg-Obermarxloh. Die Verheißung des Reiches Gottes meine "keine Vertröstung, nicht eine Verschiebung auf eine ferne, unerreichbare Zeit", sondern gelte schon jetzt und hier.

Der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland verwies auch auf die Jahreslosung 2018 aus dem letzten Kapitel der Offenbarung des Johannes. Darin sei Durst  nicht nur im wörtlichen Sinne gemeint, sondern auch der Durst nach Gerechtigkeit, erläuterte Rekowski. "Das Reich Gottes kann sich zeigen, wenn Menschen füreinander sorgen, wenn sie sich der Not anderer Menschen annehmen, wenn sie im Wortsinne und auch im übertragenen Sinne Durst löschen."

(epd, KNA)