Joseph Kardinal Frings
Joseph Kardinal Frings

14.12.2017

Neuerscheinung über die katholischen Oberhirten in der NS-Zeit Bischöfe im Dritten Reich zwischen Anpassung und Opposition

​Waren sie Hirten für Hitler, die im Gleichschritt ins Dritte Reich marschierten? Oder stellten die katholischen Bischöfe in der NS-Zeit die Speerspitze der Opposition dar? Ein neues Buch nimmt sie genauer in den Blick.

Es ist ein oft wiederholter Vorwurf: Die katholischen Bischöfe im Dritten Reich hätten sich nicht ausreichend für die Menschenrechte - insbesondere der jüdischen Bevölkerung - eingesetzt und zu wenig gegen den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg protestiert. Auf der Tagung "Zwischen Seelsorge und Politik.

Katholische Bischöfe unter dem NS-Regime" haben im vergangenen Jahr 17 Historiker wissenschaftliche Kurzbiografien des kirchlichen Führungspersonals vorgestellt. Sie wurden jetzt in Buchform veröffentlicht und am Mittwoch in Cloppenburg vorgestellt.

Selbstverständnis der Bischöfe

Die Wissenschaftler fragten nach dem Selbstverständnis der Bischöfe und den Grenzen ihres Handelns. In ihrem ersten Hirtenbrief nach der Machtübernahme durch die Nazis im Juni 1933 klingen Gemeinsamkeiten mit den Machthabern auf. So betonten sie Vaterlandsliebe und lobten den Kampf gegen den Bolschewismus.

Zugleich setzten sie Grenzen der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten. "Jeder Mensch gleich welche Rasse und Nationalität ist ein Ebenbild Gottes und verfügt über Rechte, in die kein Mensch und kein Staat eingreifen darf", betonten die Oberhirten.

Unterschiedliche Reaktionen

Doch zeigten sich die Bischöfe in der Folge nicht als monolithischer Block sondern reagierten unterschiedlich auf die neuen Herausforderungen. Da gab es die von den Autoren "Brückenbauer" genannten Bischöfe wie Wilhelm Berning (Osnabrück), Maximilian Kaller (Ermland) oder Michael von Faulhaber (München).

Sie versuchten, trotz aller Vorbehalte auf eine positive Verständigung mit dem NS-Staat hinzuarbeiten. Sie standen unter dem Einfluss der überkommenen Maxime, jede Obrigkeit als gottgegeben zu akzeptieren. Auf der anderen Seite gab es Bischöfe wie Konrad von Preysing (Berlin) oder Clemens August Graf von Galen (Münster), die sofort in Opposition zu den Nationalsozialisten gingen.

"Unumstrittene Leistung"

Es gehörte zur Taktik des Regimes, nicht direkt die Bischöfe zur Verantwortung zu ziehen. Vielmehr wurden die Priester in der Seelsorge, die oft viel deutlicher als ihre Bischöfe sprachen, in Konzentrationslager geschickt. Vom Kölner Erzbischof Josef Frings ist überliefert, dass er sich um seine Priester dort besonders kümmerte und damit als Ausnahme galt.

Die beiden Herausgeber des mehr als 800 Seiten umfassenden Buches "Zwischen Seelsorge und Politik", Michael Hirschfeld und Maria Anna Zumholz, würdigen es aber als unbestrittene Leistung der Bischöfe, dass sie die ihnen anvertrauten Menschen mehrheitlich erfolgreich gegen die NS-Ideologie immunisieren konnten. Wie ihnen das gelang?

Sie trugen ihre Differenzen nicht nach außen und traten als Einheit auf - trotz erheblicher Spannungen untereinander. Aufgrund der Kompromisse, die alle eingehen mussten, fanden weder Anbiederungen an das Regime Eingang in die Hirtenbriefe noch judenkritische oder kriegsverherrlichende Aussagen.

"Nicht vor Verantwortung gedrückt"

Alle in den 20er und 30er Jahren ernannten Bischöfe wurden von Eugenio Pacelli ausgewählt, der erst als Nuntius in Deutschland und später als Kardinalstaatssekretär von Rom aus Einfluss nahm. Er hatte klare Vorstellungen von dem Profil eines Bischofs: Er sollte fromm, ein guter Seelsorger und vor allem Rom treu sein. Mitautor Raphael Hülsbömer fand heraus, dass Pacelli immer Kandidaten bevorzugte, die bereits kritisch gegen die Nationalsozialisten aufgetreten waren. Gab es von deren Seite wegen des Konkordats Einwände, präsentierte er sofort einen anderen, der zwar die gleiche Einstellung hatte, aber in der Öffentlichkeit weniger als Nazi-Gegner aufgefallen war.

Die Bischöfe mögen sich zwar nicht mit der aus heutiger Sicht wünschenswerten Klarheit geäußert haben, stellen die Herausgeber abschließend fest. Sie mögen nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Sie hätten sich aber auch nicht vor der Verantwortung gedrückt.

Christiane Laudage
(KNA)

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