Bischof Neymeyr: "Christliche Werte in die Gesellschaft hineintagen"
Künftig mehr verkaufsoffene Sonntage?
Pfr. Dr. Antonius Hamers
Pfr. Dr. Antonius Hamers

16.11.2017

Katholisches Büro NRW kritisiert Ausweitung der Sonntagsladenöffnung "Aushöhlung des Sonntagsschutzes"

Gibt es bald mehr verkaufsoffene Sonntage in Nordrhein-Westfalen? Die neue Landesregierung plant, die Zahl von vier auf acht verkaufsoffene Sonntage pro Geschäft und Jahr hochzuschrauben. Kritik kommt von der katholischen Kirche.

domradio.de: Wie finden Sie denn acht verkaufsoffene Sonntage in Nordrhein-Westfalen?

Pfarrer Dr. Antonius Hamers (Leiter des katholischen Büros NRW): Es entspricht nicht unserer Wunschvorstellung. Wir finden es nicht besonders gut, weil wir der Meinung sind, dass der Sonntagsschutz ausgehöhlt wird. Der Sonntag hat für uns eine besondere Bedeutung, eine hohe religiöse Bedeutung, weil wir uns am Sonntag an die Auferstehung Jesu Christi und die Schöpfung der Welt erinnern.

Darüber hinaus hat der Sonntag auch eine kulturelle Bedeutung. Es ist eine hohe Errungenschaft, dass wir einen Tag in der Folge von sieben Tagen haben, an dem frei ist und der den Menschen zur Verfügung steht, etwas anderes zu tun, Muße zu haben, Beziehungen zu pflegen, Sport zu treiben oder kulturelle Dinge zu unternehmen. Wir halten dies für ein hohes gesellschaftliches Gut. Wir sehen dies natürlich beeinträchtigt, wenn zusätzliche Sonntage da sind, an denen die Geschäfte geöffnet sind.

domradio.de: Müssen nicht auch die vielen Angestellten im Einzelhandel geschützt werden, die dann auch sonntags arbeiten müssen?

Hamers: Man kann sich generell fragen, warum die "Verkäuferin" schützenswerter ist als die "Kellnerin". Es gibt eine ganze Menge Menschen, die sonntags arbeiten müssen. Da spielt der Arbeitsschutz eine ganz wichtige Rolle. Es wird immer dagegengehalten und argumentiert, es gebe genügend Leute, die an Sonntagen gerne arbeiten möchten, weil die Sonntage in der Regel eine lukrativere Bezahlung versprechen.

Aber nichtsdestotrotz sollte der Sonntag, wie es übrigens auch in der Verfassung steht, als Tag der Arbeitsruhe geschützt sein. Es ist insofern ein rechtliches Argument, dass wir sagen können, der Sonntagsschutz genießt Verfassungsrang und daran hat sich der Gesetzgeber auch zu halten. Wenn er von diesem Sonntagsgebot Ausnahmen schafft, dann müssen Ausnahmen auch entsprechend rechtlich begründet sein.

domradio.de: Jetzt sind es acht Sonntage, die die Landesregierung freigeben will. Befürchten Sie, dass da noch mehr kommen?

Hamers: Das ist sicherlich nicht auszuschließen. Ich halte es deswegen auch für geboten, dass wir als Kirche nicht ständig Verbote fordern, sondern stärker dafür werben und in den Vordergrund rücken, dass Menschen den Sonntag als Tag des Herrn, als Tag der Ruhe, als Tag der Freizeit und als Tag der Beziehungen auch wirklich genießen können und Menschen selber eine Sonntagskultur entwickeln und den Sonntag auf diese Weise schützen.

Ich glaube, es ist wichtiger, positiv für den Sonntag zu werben, als ständig Verbote einzufordern. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich der Meinung, dass der verfassungsrechtliche Schutz des Sonntags auch gewährleistet sein muss und dass sich die Gesetze in unserem Land danach zu richten haben.

domradio.de: Nun sagt der Einzelhandel, er müsse sich zunehmend gegen den Online-Handel durchsetzen und den Menschen das Shoppen so schmackhaft wie möglich machen. Andernfalls gehen vielleicht immer mehr Geschäfte pleite und Jobs verloren. Können Sie dieser Argumentation folgen?

Hamers: Dieser Argumentation kann ich selbstverständlich folgen. Man sieht das an seinen eigenen Konsumverhalten und an dem von Menschen, die man kennt. Das ist ein Problem für den Einzelhandel. Das muss man ganz klar sagen.

Ob es nun wirklich geboten ist, deswegen an Sonntagnachmittagen die Geschäfte zu öffnen und ob es vor allem ein probates Mittel ist, um dagegenzuhalten, vermag ich nicht zu sagen. Ich halte es aber für wichtig, den Sonntag einfach anders zu nutzen, da es an den verbleibenden Wochentagen genügend Möglichkeiten des Konsums gibt.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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