Die Hintergründe zum Militärputsch in Simbabwe

"Kirche nimmt starken Einfluss"

Einst waren sie Kampfgefährten, dann Präsident und Vize-Präsident in Simbabwe. Nun ist der 93-jährige Robert Mugabe abgesetzt. Vom Militär. Der Kampf um die Nachfolge könnte eskalieren, so missio im domradio.de-Interview.

Das Militär hat am 15. November 2017 die Kontrolle über den Staat Simbabwe übernommen / © dpa (dpa)
Das Militär hat am 15. November 2017 die Kontrolle über den Staat Simbabwe übernommen / © dpa ( dpa )

domradio.de: Was steckt hinter dem Militärputsch? Ist der Kampf um die Nachfolge des 93-jährigen Präsidenten Robert Mugabe entbrannt?

Johannes Seibel (Leiter Abteilung Kommunikation und Presse von missio - Internationales Katholisches Missionswerk e.V): Es ist sicherlich schlicht ein Machtkampf zwischen dem Präsidenten Robert Mugabe und dem Vize-Präsidenten Emmerson Mnangagwa, in dem auch die Frau des Präsidenten, Grace Mugabe, eine große Rolle spielt.

domradio.de: Die Frau des Präsidenten wird von bösen Zungen "Gucci-Grace" genannt. Was wissen Sie über Grace Mugabe?

Seibel: Sie bevorzugt luxuriöse Kleidungsstücke und ist für ihren Luxus bekannt. Das ist das nach außen Sichtbare. Gleichzeitig ist sie auch dafür verantwortlich, dass die Politik in Simbabwe immer mehr personalisiert und ethnisiert wird. Was jetzt zum Vorschein kommt, hat schon eine längere Vorgeschichte. Aber man kann es nicht allein an ihrer Person oder an Personen generell festmachen, sondern schon lange gärt eine Unzufriedenheit in der Gesellschaft Simbabwes.

domradio.de: Präsident Mugabe wollte seine Frau als Nachfolgerin aufbauen. Das hat jetzt das Militär verhindert. Die Lage scheint unübersichtlich. Aber die Kirchen in Simbabwe rufen jetzt dazu auf, eine Übergangsregierung zu bilden, die friedliche und freie Wahlen vorbereiten soll. Wie schätzen Sie das ein?

Seibel: Die Kirche ist in Simbabwe eigentlich schon immer ein zivilgesellschaftlicher Akteur gewesen, der versucht hat die nationale Einheit und den Gemeinsinn zu stärken. Die "Zimbabwe Heads of Christian Denominations", ein Zusammenschluss der katholischen Bischofskonferenz und verschiedener weiterer Kirchen, hat jetzt ein entsprechendes Papier mit dieser Forderung herausgebracht. Die Kirche selbst möchte, dass der Gemeinsinn in Simbabwe wieder gestärkt wird, die Verfassung geachtet wird und dass es einen nationalen Dialog gibt. Nicht zuletzt ist sie auch selbstkritisch und sagt, wir haben in den vergangenen Jahrzehnten vielleicht zu sehr unsere prophetische Stimme verloren. Jetzt seien alle dazu aufgerufen, ein neues Simbabwe aufzubauen.

domradio.de: Wissen Sie von Ihren Partnern vor Ort, ob die Bevölkerung noch hinter dem 93-jährigen Präsidenten Mugabe steht?

Seibel: Das ist schwierig herauszufinden, weil auch in einer Quasi-Diktatur die Menschen nicht offen sagen, was sie denken. Natürlich profitieren auch einige von Mugabe und seinem Umfeld. Was wir allerdings spüren, ist eine hohe Unzufriedenheit unter den Menschen. Auch die wirtschaftlichen Probleme führen dazu, dass die Menschen unzufrieden sind. Das ist ein verständlicher Vorgang.

domradio.de: Mugabe ist ja ein absoluter Machtmensch. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass er jetzt einfach so aufgeben wird. Was meinen Sie?

Seibel: Die Lage ist natürlich gefährlich. Das Ganze kann sich in einem offenen Konflikt entladen. Es ist auch wichtig, wie der Vize-Präsident Mnangagwa agiert und sein Umfeld instruiert. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es für das Militär nicht vorteilhaft ist, diesen Konflikt eskalieren zu lassen. Auch wird es möglicherweise auf die Angebote, freie Wahlen durchzuführen, eingehen. Wie diese Wahlen gestaltet werden und wie es ausgeht, weiß man nicht. Aber es gibt auch in Afrika Beispiele für einen Übergang. In Burkina Faso zum Beispiel setzte 2015 das Militär die alte Regierung ab. Damals konnte mit Hilfe der Kirche der Staat in demokratische Bahnen gelenkt werden. Es ist schwer vorauszusehen, was in Simbabwe passiert. Ein zivilgesellschaftlicher Prozess hin zu freien Wahlen kann sich entwickeln. Es kann aber genauso gut auch eskalieren und der Konflikt wird militärisch gelöst werden, was natürlich mit vielen Opfern verbunden sein kann.

domradio.de: Sie sagen aber schon, dass die Kirche eine Stimme sein kann, die Gehör findet?

Seibel: Die Kirchen haben sicherlich den zivilgesellschaftlichen Einfluss, um sich hier einzubringen. Der Aufruf des "Zimbabwe Heads of Christian Denominations" geht eindeutig in diese Richtung. Im vergangenen Jahr auch hat die katholische Bischofskonferenz schon einen Pastoralbrief auf den Weg gebracht, in dem sie öffentlich mit Blick auf die geplanten Wahlen in Simbabwe 2018 mehr Meinungsfreiheit und mehr Achtung für die Menschenrechte fordert. Vor allem solle die Verfassung in Simbabwe wieder mehr geachtet werden. Die Kirche ist hier also schon länger in einem Prozess, in dem sie versucht, die Diktatur von innen aufzubrechen und die Gräben hin zu einer nationalen Einheit, zu einer Versöhnung, überwinden will. Die Kirche nimmt da schon einen sehr starken Einfluss.

Das Interview führte Hilde Regeniter.


Simbabwes Präsident Robert Mugabe (rechts) und Vize-Präsident Emmerson Mnangagwa (links) / © Tsvangirayi Mukwazhi (dpa)
Simbabwes Präsident Robert Mugabe (rechts) und Vize-Präsident Emmerson Mnangagwa (links) / © Tsvangirayi Mukwazhi ( dpa )

Grace Mugabe / © Tsvangirayi Mukwazhi (dpa)
Grace Mugabe / © Tsvangirayi Mukwazhi ( dpa )
Quelle:
DR