Sturz des Papstes Johannes XXIII. am Arlberg bei der Anreise zum Konzil, Abbildung aus der Konstanzer Ausgabe der Richentalchronik
Sturz des Papstes Johannes XXIII. am Arlberg bei der Anreise zum Konzil, Abbildung aus der Konstanzer Ausgabe der Richentalchronik

07.10.2017

Historiker für neue Auseinandersetzung mit Konstanzer Konzil "Gewaltiges historisches Erbe"

Die Beschlüsse des Konstanzer Konzils gelten bis heute als Meilenstein. Ziel der Versammlung war es, die damalige Kirchenspaltung zu überwinden. Kirchenhistoriker fordern jetzt, sich auch mit der Bedeutung für die Gegenwart zu beschäftigen.

Zu einer neuen Auseinandersetzung mit den Reformbeschlüssen des Konstanzer Konzils (1414-1418) haben Kirchenhistoriker aufgerufen. "Vor 600 Jahren bedeutete es eine gewaltige Innovation, dass die Konzilsväter den Beschluss fassten, eine kontinuierliche Reform der Kirche durch regelmäßig tagende Konzilsversammlungen zu garantieren", sagte der Freiburger Kirchenhistoriker Karl-Heinz Braun am Freitag bei einer Tagung in der Katholischen Akademie Freiburg.

Reformbeschlüsse fokussieren

Dieses "gewaltige historische Erbe" werde aber bis heute nahezu vollständig "ausgeblendet". "Bei der aktuellen Erinnerung an 600 Jahre Konstanzer Konzil wird beispielsweise die Papstwahl von 1417 groß gefeiert, die Reformbeschlüsse und die Frage nach ihrer Bedeutung für heute spielen dagegen keine Rolle", kritisierte Braun.

Der Kirchenrechtler Georg Bier verwies darauf, dass Konzilsbeschlüsse immer nur dann langfristige und nachhaltige Wirkungen erzielt hätten, wenn das Lehramt dies auch wollte. "Die Rezeption durch die Gemeinschaft aller Christen, des Gottesvolkes, spielt dagegen keine Rolle. Wer die Macht hat, entscheidet", so Bier. Dies gelte auch für das aktuell gültige Kirchenrecht der katholischen Kirche.

Fortschritte und Stillstand

Der Mittelalterhistoriker Jürgen Dendorfer betonte, dass die Reformansätze des Konstanzer Konzils für einige wenige Jahre durchaus Wirkung erzielt hätten. "Beispielsweise ist infolge der Kirchenversammlung vielerorts ein Geflecht von synodalen Strukturen auf regionaler Ebene entstanden." Auch das Kardinalskollegium sei als eine Art ständiges, "kleines Konzil" zur Beratung des Papstes interpretiert worden.

"Die in Konstanz geforderte allgemeine Kirchenreform als Kernaufgabe des nächsten Konzils wurde aber immer wieder verschoben - bis es zu spät war", so Dendorfer im Blick auf die rund 100 Jahre nach dem Konstanzer Konzil durch Martin Luther ausgelöste Reformation und Kirchentrennung.

Langfristige Strukturen schaffen?

Die Kirchenversammlung des Konstanzer Konzils verabschiedete vor genau 600 Jahren, am 9. Oktober 1417 das Dekret "Frequens" ("Regelmäßig"). Damit sollten alle künftigen Päpste dazu verpflichtet werden, spätestens alle zehn Jahre ein Konzil einzuberufen, um mit der dort versammelten Kirchenführung Reformfragen und theologische Leitlinien zu besprechen und gemeinsam zu entscheiden. Die Vorgabe lief allerdings rasch ins Leere.

Bis heute umstritten ist unter Kirchenhistorikern, ob das Konzil am Bodensee "nur" in Reaktion auf die damalige Kirchenspaltung mit zeitweise drei gegeneinander kämpfenden Päpsten und deren weltlichen Unterstützern in einer Art Notstandsgesetzgebung handelte. Oder ob die Kirchenversammlung grundsätzliche und auch auf lange Sicht verbindliche Strukturen schaffen wollte.

(KNA)

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