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Bischof Gerhard Feige im Interview
Bischof Gerhard Feige im Interview

28.09.2017

Bischof Feige über AfD und die Rolle der Kirche "Es ist ein gesamtdeutsches Phänomen"

Bei den Bundestagswahlen wurde die AfD in Sachsen stärkste Kraft. Bischof Feige aus dem Bistum Magdeburg spricht im Interview über die Beziehung zwischen Kirche und AfD und die Konsequenzen, die das Wahlergebnis für Deutschland hat.

domradio.de: Sie beobachten die politische Entwicklung seit vielen Jahre. Haben Sie sich beim Wahlergebnis am Sonntag verwundert die Augen gerieben?

Gerhard Feige (Bischof von Magdeburg): Ich war schon ein wenig erschrocken. Aber wir haben ja die AfD schon seit einem Jahr im Landtag mit 25 Abgeordneten. Von daher ist das keine so große Überraschung. Anhand der Stimmung, die schon herrschte vor der Wahl, konnte man den Ausgang schon einigermaßen erahnen.

domradio.de: Die AfD ist in allen neuen Ländern mindestens zweitstärkste Kraft, in Sachsen sogar stärkste Kraft. Was heißt das?

Feige: Zunächst einmal, dass das ein gesamtdeutsches Problem ist. Das ist kein einfaches Problem des Ostens, obwohl es sich bei uns besonders stark zeigt. Für uns heißt das natürlich, dass weiter überlegt werden muss: Wie geht man miteinander um? Was bedeutet das für die Zukunft? Und vor allem: Lassen wir uns jetzt von solchen Argumentationsmethoden und Provokationen anstecken, oder bleiben wir sachlich und nüchtern und setzen uns damit auseinander?

domradio.de: Hat die Kirche da eine besondere Chance?

Feige: Wir sind als Kirchen natürlich eine kleine Minderheit im Osten. Wir haben eine Chance, wir werden auch gefragt nach unserer Meinung, aber wir müssen auch damit rechnen, dass man gewaltig über uns herfällt, uns alle möglichen Vorhaltungen macht und uns auch als lächerlich darstellt.

domradio.de: Hat das Ergebnis auch damit zu tun, dass sich der Osten generell noch abgehängt und gering geschätzt fühlt?

Feige: Es sind sicher verschiedene Gründe, die dazu geführt haben. Einmal gibt es natürlich auch im Osten Menschen, die konservativer denken, und die sich bei den etablierten Parteien nicht mehr aufgehoben fühlen. Viele fühlen sich aber auch durch die jetzigen Politiker nicht ernst genommen. Die wollten in gewissem Sinne ihrem Protest sicher auch Luft machen durch eine solche Wahl. Nicht alle davon teilen die Meinung des AfD-Parteiprogramms.

domradio.de: Kommen Sie an die AfD-Wähler heran, wenn Sie sich um ein Gespräch bemühen?

Feige: Das ist sehr schwierig. Nach der letzten Landtagswahl waren wir grundsätzlich offen. Ich habe auch mit einem katholischen AfD-Abgeordneten sprechen können, das war aber noch bevor die AfD ihr Parteiprogramm formuliert hat. Inzwischen gibt es da kaum noch Kontakte, weil sich die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt immer mehr anti-kirchlich profiliert.

Beispielsweise sagt die Fraktion "Wir sind Luther" und beansprucht, das politische Erbe Martin Luthers weiterzuführen. Es hat aber beispielsweise auch schon Aufrufe zum Austritt aus der Kirche durch die AfD gegeben. Im Großen und Ganzen werden antireligiöse Vorurteile geschürt, und das macht es uns sehr schwer wirklich miteinander ins Gespräch zu kommen.

domradio.de: Sie sind Historiker und kennen die Geschichte. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Feige: Bis vor wenigen Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, wie es möglich war, dass der Nationalsozialismus an die Macht gekommen ist. Das war für mich ein Rätsel. Inzwischen ahne ich aber auch, wie verführerisch Menschen sein können, auch in unserer Zeit. Das macht mir durchaus auch Angst.

Das Gespräch führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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