Pflegereform
Wahlkampfthema Pflege

20.09.2017

Thema Pflege hat im Wahlkampf an Gewicht gewonnen Aufwertung der Pflegeberufe?

Das Thema Pflege ist nicht sexy. Keiner macht sich gerne Gedanken darüber. Doch kurz vor der Bundestagswahl ist es zu einem großen Wahlkampfthema geworden. Merkel und Schulz haben Stellung bezogen.

Pflege geht jeden Bundesbürger an. Das Thema wird zwar gern verdrängt, doch in einer alternden Gesellschaft wird über kurz oder lang fast jeder damit konfrontiert werden, wie er selber oder Familienangehörige in Krankheitsfällen oder in der letzten Lebensphase versorgt werden können.

In den TV-Debatten der vergangenen Tage haben sich sowohl Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) klar positioniert: Pflegeberufe müssten besser bezahlt und aufgewertet werden, sagte Merkel der "Bild am Sonntag". Und Schulz versprach, die bessere Pflege alter Menschen zur zentralen Staatsaufgabe der nächsten Legislaturperiode zu machen.

Drohender Fachkräftemangel

Einig sind sich alle Experten, dass in der Pflege, insbesondere bei der deutlich schlechter bezahlten Altenpflege, ein gravierender Fachkräftemangel droht. Zugleich steigt die Zahl der Pflegebedürftigen weiter an: 2015 waren knapp 2,9 Millionen Menschen pflegebedürftig; bis 2060 wird mit 4,7 Millionen gerechnet. Auch die Krankenhäuser verzeichnen schon jetzt mehr alte Patienten, die an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden.

Arbeitgeber und Interessenverbände der Pflegenden fordern dringend Maßnahmen, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Viele Pflegekräfte klagen über niedrige Bezahlung, schwierige Arbeitsbedingunge, gesundheitliche Beeinträchtigungen und ein schlechtes Image ihres Berufs. Alle Reformen der Pflegeversicherung nutzten nichts, wenn es kein Personal gebe, argumentiert der Deutsche Pflegerat.

Zuletzt hat die große Koalition einige Weichen neu gestellt. "Wir haben die Zahlung von Tariflöhnen in der Pflege gestärkt, unterstützen Pflegeeinrichtungen beim Bürokratieabbau und haben das Schulgeld in der Altenpflegeausbildung abgeschafft", bilanziert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Auch bei den Personaluntergrenzen tut sich etwas: Die Politik hat Termine gesetzt, bis zu denen Personalschlüssel in Pflegeheimen und Krankenhäusern definiert und eingeführt werden müssen.

Pflegebedürftigkeit vermeiden

Als zentrales Thema der kommenden Jahre hat das Zentrum für Qualität in der Pflege auch eine verbesserte Prävention und Rehabilitation ausgemacht; Pflegebedürftigkeit soll so weit wie möglich vermieden werden. So schnell wie möglich soll zudem der sogenannte Pflege-TÜV reformiert werden: Verbraucher sollen sich dann besser über geeignete Heime und Pflegedienste informieren können. Die bislang veröffentlichten Schulnoten haben sich als wenig aussagekräftig erwiesen.

Vor allem das Verhältnis von ambulanter zu stationärer Pflege verspricht in der kommenden Legislaturperiode ein großes Thema zu werden. Von den jüngsten Reformen hat die ambulante Pflege stärker profitiert, was auch dem Wunsch der meisten Bürger entspricht, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. Das sorgt allerdings auch für Probleme: Schließlich gibt es immer weniger Angehörige, die eine Pflege zu Hause leisten können - sei es wegen Berufstätigkeit oder weil sie weit entfernt leben. Für die Heime könnte der Trend zu ambulanter Pflege bedeuten, dass sich der Anteil der schwerstpflegebedürftigen Bewohner weiter erhöhen wird - eine zunehmende Belastung für Pflegekräfte.

Pflegemix

Pflegeexperten und die Parteien sprechen sich deshalb für einen neuen Mix aus familiärer, ehrenamtlicher und professioneller Pflege aus: Es geht um mehr Wohngruppen und mehr ambulante Betreuungsangebote wie Tagespflege. Auch könnte das Wohnen in eigenen Wänden stärker mit Dienstleistungen professioneller Anbieter und ehrenamtlicher Hilfe in Stadtteilen und Dörfern kombiniert werden. Für solche Projekte will die SPD einen Demografie-Zukunftsfonds schaffen.

Treiber dieser Entwicklung könnte die Digitalisierung werden: Mit Internet, erweiteren Hausnotrufen und Gesundheits-Apps ließe sich die Kommunikation zwischen Pflegebedürftigen, Ärzten, Angehörigen und Pflegern verbessern.

Christoph Arens
(KNA)

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