US-Präsident Donald Trump  attackiert Nordkorea
US-Präsident Donald Trump attackiert Nordkorea
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ
Prof. Dr. Godehard Brüntrup SJ

20.09.2017

Jesuitenpater Brüntrup zur Trump-Rede vor der UNO "Niemand will einen Konflikt"

Nach der Verbalattacke von US-Präsident Trump gegen Nordkorea und den Iran ist die Welt gespalten. Amerika-Kenner Godehard Brüntrup beschreibt bei domradio.de, was den Amerikanern jedoch Angst macht.

domradio.de: Herr Brüntrup, wie bewerten Sie die Rede von US-Präsident Donald Trump am Dienstag vor der UNO?

Dr. Godehard Brüntrup SJ (USA-Experte, Jesuitenpater): Zwiespältig. Man hatte erwartet, dass er die UNO stark kritisieren würde. Doch er hat die UNO positiv dargestellt und weiterhin amerikanische Unterstützung zugesagt. Das ist schonmal etwas Positives. Aber was hier alle erschrocken hat, war die Aggressivität und die Art und Weise, wie er mit Krieg gedroht hat. Es kam - auch in Amerika - für viele sehr überraschend in dieser Klarheit. Das war beängstigend.

domradio.de: Das heißt, die Reaktionen waren nicht: "Jetzt hat er endlich mal auf den Tisch gehauen", sondern eher ängstlich wie hier in Europa?

Brüntrup: Die meisten Menschen, mit denen ich gesprochen habe - unabhängig ob Republikaner oder Demokraten - waren darüber sehr erschrocken. Es gibt derzeit in Amerika keine Stimmung, die eine kriegerische Aktivität oder ein militärisches Engagement der USA befürworten würde. Es ist anders als nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, wo das Land durchaus bereit war, sich militärisch zu engagieren und zurückzuschlagen. Dazu ist die Bevölkerung im Moment nicht bereit. Niemand will einen militärischen Konflikt in Südostasien.

domradio.de: Es gab nicht nur Kritik an Trumps zum Teil martialischer Rede. Israel war zufrieden, weil der US-Präsident auch den Iran hart angegriffen hat. Er nannte das Atomabkommen "beschämend für die USA". Sehen Sie das ähnlich? 

Brüntrup: Die Frage, die hier gestellt wird, ist nicht ganz unberechtigt. Der Streitpunkt ist, ob man mit dem Abkommen eigentlich nichts anderes erreicht hat, als eine gewisse Verzögerung der atomaren Aufrüstung des Irans. Man hat viel preis gegeben und Geld bezahlt - alles nur, um ein paar Jahre Zeit zu gewinnen. Das ist von außen - wenn man keine wirkliche Einsicht in die Verhältnisse im Iran hat -  schwer zu beurteilen, wer da Recht hat. Aber natürlich wird durch dieses militante Auftreten, das jegliche Diplomatie vermissen lässt, die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung stark zunehmen. Davor haben die Menschen Angst. Niemand will das.

domradio.de: Glauben Sie denn, dass Trump jetzt von seinen Landsleuten anders beurteilt wird? 

Brüntrup: Was soll sich noch groß verändern. Die öffentliche Zustimmung für seine Politik ist sehr gering. Er hat in der eigenen Partei immer weniger Rückhalt. Er versucht jetzt durch Angebote an die Demokraten, einige für sich zu gewinnen. Die Befürchtung, die viele haben, ist, dass er jetzt einen äußeren Feind braucht - sei es Nordkorea oder Iran - , um das Land wieder zu einen und seine eigene Popularität zu steigern. Das hat man ja oft in der Geschichte gehabt, dass ein schwacher Politiker einen äußeren Feind aufbaut oder vielleicht sogar einen Krieg anfängt, um dann das Land hinter sich zu vereinen. Davor hat man Angst, dass das alles eine Vorstufe zu neuen militärische Abenteuer sein könnte.

Das Gespräch führte Martin Mölder.

(dr)

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