AfD-Kundgebung
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Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx

14.09.2017

"Wahre Christen oder böse Hetzer?" SWR zeigt Doku über die AfD und die Kirchen

Ein "Kirchenpolitisches Manifest" hat die rheinland-pfälzische AfD-Landtagsfraktion soeben vorgelegt. Mit den Christen in der AfD beschäftigt sich der SWR jetzt in einer Dokumentation.

Der Anfang gerät dramatisch-düster: Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" brandet auf, dazu kommen Bilder vom abgedunkelten Kölner Dom oder einem berstenden Holzkreuz. Und markige O-Töne: "Die CDU hat die konservativen Christen vertrieben; das kann man nicht anders sagen." - "Ich erlaube mir dann auch zu sagen, vom Evangelium her, dass sie keine Christen sind." - "Rechtspopulismus ist wie eine Droge: Man braucht immer mehr davon."

Für seine TV-Dokumentation "Wahre Christen oder böse Hetzer? Spaltet die AfD die Kirchen?" greift Thomas Leif zunächst zum ganz großen Besteck. Entgegen dem etwas reißerischen Titel aber lässt der 45-Minüter, zu sehen am 14. September im SWR um 21.00 Uhr, AfD-Anhänger und -Gegner ausführlich zu Wort kommen. Leif ordnet ein und nimmt sich dabei Zeit. Das erlaubt dem Zuschauer einen Einblick ins Innere der Partei - und in die Denkwelt mancher konservativer Christen. Denn im Kern geht es weniger um die beiden Fragen im Titel der Sendung - sondern darum, warum und wie sich Katholiken und Protestanten für die AfD engagieren.

Behördenleiter und Gefängnispfarrer

Laut Einschätzungen des Publizisten Andreas Püttmann sympathisieren bis zu vier Millionen Kirchenmitglieder mit der AfD, "darunter auch 400.000 Kirchennahe, also kirchliche Kernklientel." Auf den ersten Blick erstaunlich für eine Partei, die die Türen nach rechtsaußen weit aufhält, gegen Fremde zu Felde zieht, Grundrechte infragestellt und nebenbei mit Armin Paul Hampel ein Vorstandsmitglied in ihren Reihen hat, das im Frühjahr auf dem Bundesparteitag in Köln die eigenen Mitglieder zum Kirchenaustritt aufrief.

Leif hat vor allem die "Christen in der AfD" (ChrAfD) unter die Lupe genommen. Seinen Recherchen zufolge zählt die Plattform, mit initiiert durch die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch, derzeit etwa 125 Mitglieder. Zu ihnen gehören Joachim Kuhs, zehnfacher Familienvater und Referatsleiter im Rechnungsprüfungsamt Freiburg, und Axel Bähren, ehemaliger Gefängnispfarrer im niederrheinischen Geldern.

"Angst vor dem Islam"

Beide eint die Sorge vor einem Verfall der Gesellschaft und die Bereitschaft, die extremen Tendenzen innerhalb der Partei kleinzureden. Schon Kuhs' Kinder sehen die Gender-Debatte als Gefahr. Und Bähren sagt offen, er habe Angst vor dem Islam, der inzwischen auch die CDU unterwandere.

Nach Ansicht von Publizist Püttmann haben sich in manchen christlich-konservativen Kreisen über Jahre Enttäuschungen und Frustration angehäuft. Gesellschaftspolitisch sei man "von Niederlage zu Niederlage" geeilt etwa bei Fragen der Bioethik und des Familienbildes oder beim Thema Abtreibung. Vorläufiges Ergebnis sei eine Wagenburgmentalität, "wo man sich dann nur noch bestätigt, wo man sich gegenseitig hochschaukelt" - trotz der bildungsbürgerlichen Bücherregale in den Wohnungen von Kuhs und Bähren.

Arbeit an der Basis

An der Basis versuchen Seelsorger und Laien, die Fronten aufzubrechen. Doch das ist mühsam, wie Leif am Beispiel einer Diskussionsrunde in der evangelischen Luthergemeinde in Baden-Baden mit Joachim Kuhs zeigt. Viele Amtsträger scheuten zudem, sich öffentlich zu äußern: groß sei die Angst vor Konflikten, so Filmemacher Leif. Der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July und der katholische Stuttgarter Stadtdechant Christian Hermes finden vor der Kamera trotzdem deutliche Worte.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx äußert sich. "Gehöre ich hierhin?", müssten sich Christen in einem Milieu fragen lassen, in dem Ausländerfeindlichkeit, pauschale Islamkritik und ein überzogener Nationalismus verbreitet seien. Dass damit das letzte Wort nicht gesprochen ist, zeigt der Schluss der Dokumentation, wo Dominikanerpater Wolfang Ockenfels, einst mit guten Kontakten zu führenden Christdemokraten gesegnet, zu Wort kommt.

Heute kämpft er dafür, dass die AfD in den parlamentarischen Prozess hineinwächst und die Konservativen in der CDU auf die AfD zugehen. "Die sollten mal Exerzitien machen, der sehr strengen Art, bei Wasser und Brot", sagt er über die CDU-Spitze. "Ich würde die auch geistig züchtigen." Konservative Christen und die AfD: Das Thema wird auch nach der Bundestagswahl für Dissonanzen sorgen.

Joachim Heinz
(KNA)

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