Hausruinen in der polnischen Hauptstadt Warschau im Jahre 1945
Hausruinen in der polnischen Hauptstadt Warschau im Jahre 1945

11.09.2017

​Bischöfe sorgen sich um deutsch-polnisches Verhältnis "Errungenschaften nicht auf's Spiel setzen"

Forderungen nach Reparationszahlungen belasten das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen. Nach den polnischen appellieren jetzt auch die deutschen Bischöfe an beide Seiten, auf Dialog und Versöhnung zu setzen.

"Als katholische Kirche in Polen und Deutschland ist es seit Jahrzehnten unser Anliegen, Versöhnung und Frieden zwischen Polen und Deutschland zu fördern", erklärte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick am Montag in Bonn.

"Immer wieder bescheinigen uns Politiker, dass die Kirchen der Politik im Friedensprozess unserer Nationen vorangegangen sind", so Schick weiter. "Wir haben deshalb jetzt die Pflicht und das Recht darauf hinzuweisen, dass diese Errungenschaften nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen, sondern fortgesetzt werden müssen." Ein friedliches und solidarisches Zusammenleben von Polen und Deutschland trage zur Stabilität ganz Europas bei, betonte Schick. "Deshalb brauchen wir einen verantwortlichen Umgang mit diesen sensiblen Beziehungen."

Warnung vor Stimmungsmache

Schick ist seitens der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der seit 1995 bestehenden deutsch-polnischen Kontaktgruppe. Polnischer Co-Vorsitzender ist der Bischof von Gliwice (Gleiwitz), Jan Kopiec.

Die polnischen Bischöfe hatten am Freitag vor Stimmungsmache gegen Deutschland gewarnt. Anlass sind Forderungen polnischer Politiker nach deutschen Kriegsreparationen. Das Wort "Versöhnung" bestimme seit mehr als einem Vierteljahrhundert die deutsch-polnischen Beziehungen, heißt es in der Erklärung. "Wir sind uns jedoch bewusst, dass dies leicht durch gedankenlose Entscheidungen und sogar durch übereilt ausgesprochene Worte verloren gehen kann."

Engagement für Versöhnung

Zugleich erinnerten die polnischen Bischöfe an die "patriotische Pflicht", sich für die gesellschaftliche Versöhnung zu engagieren. Dafür sollten "übertriebene politische Emotionen" abgebaut und die "für Polen unentbehrliche Zusammenarbeit über Grenzen hinweg" vertieft werden.

In Polen sprechen sich Politiker der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) seit Wochen für Entschädigungszahlungen von Deutschland für die immensen Verluste des Landes durch den deutschen Vernichtungskampf im Zweiten Weltkrieg aus. Die Rede ist von mindestens 840 Milliarden Euro.

Bundesregierung: "Reparationsfrage ist geregelt"

Eine Sprecherin der Bundesregierung hatte Anfang August betont, Polen habe 1953 verbindlich und für ganz Deutschland auf weitere Reparationsleistungen verzichtet. Zudem habe Warschau dies auch nachfolgend immer wieder bestätigt. Die Frage der Kriegsentschädigung sei abschließend geregelt.

Eine wichtige historische Wegmarke im Verhältnis beider Länder nach dem Zweiten Weltkrieg stellt die kirchliche Versöhnungsgeste von 1965 dar. Die polnischen Bischöfe schrieben damals an ihre deutschen Amtsbrüder, sie wollten Vergebung gewähren und um Vergebung bitten. Zwei Wochen später antworteten die deutschen Bischöfe unter anderem: "Furchtbares ist von Deutschen und im Namen des deutschen Volkes dem polnischen Volk angetan worden. So bitten auch wir zu vergessen, ja wir bitten zu verzeihen."

(KNA)

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