07.09.2017

U18-Projekt ermöglicht Mitbestimmung bei Bundestagswahl "Man wird nicht über Nacht Demokrat"

Am 24. September wählt Deutschland seinen Bundestag. Um wählen zu dürfen, ist ein Mindestalter von 18 Jahren Voraussetzung. Christian Brüninghoff, Referent beim Landesjugendring NRW, findet das nicht gerecht und erklärt domradio.de warum.

domradio.de: Wie kommt es, dass Sie als Landesjugendring fordern, dass auch Kinder schon wählen dürfen, wer im Deutschen Bundestag sitzt?

Christian Brüninghoff (Referent beim Landesjugendring NRW): Das Wahlrecht an das Alter zu knüpfen, hat historisch gesehen seine Berechtigung gehabt, als man das so entschieden hat. Aber umgekehrt muss man auch klar sagen, dass man nicht an seinem 18. Geburtstag auf einmal politisch aktiv wird. Man wacht nicht morgens auf und ist auf einmal Demokrat.

domradio.de: Aber muss man die Kinder gleich wählen lassen dürfen, um das zu ermöglichen?

Brüninghoff: Es geht ja darum, dass kontinuierlich Teilhabe und Beteiligung gelernt wird - vom Kindergarten über die Grundschule, die weiterführende Schule bis zur Universität und so weiter. Das Wahlrecht ist das grundlegendste Recht der Beteiligung an gesellschaftlichen Diskursen. Wenn ich mitbestimmen kann, dann setze ich mich auch damit auseinander. 

domradio.de: Wählen dürfen alle unter 18 Jahren. Inwiefern können Kinder denn für ihre Wahl schon die Verantwortung übernehmen? Das ist ja oft die Kritik, die eingebracht wird, dass Kinder gar nicht wissen, was sie wählen.

Brüninghoff: Kinder und Jugendliche haben Parameter, um eine Wahlentscheidung zu treffen. Genauso wie Erwachsene auch. Ich finde, das ist ein schwieriges Argument. Man sagt ja immer, die Kinder und Jugendlichen sind gar nicht reif, um eine Wahlentscheidung zu treffen. Das finde ich ein bisschen verrückt. Wir haben bei den Erwachsenen, die das Wahlrecht haben, 40 Prozent Nichtwähler und zehn Prozent Extremwähler. Ob dann Reife das Argument sein kann, finde ich zumindest fragwürdig.

domradio.de: Immer neun Tage vor den "Erwachsenenwahlen" finden die U18-Wahlen statt. Wo können die Kinder und Jugendlichen wählen gehen?

Brüninghoff: Das ist ganz unterschiedlich. Die Wahllokale sind natürlich nicht staatlich organisiert und daher auch nicht flächendeckend. Aber wählen gehen kann man in Schulen, in Jugendzentren, bei Jugendverbänden und teilweise in mobilen Wahllokalen, die im Stadtpark stehen. Wo und wann so ein Wahllokal geöffnet ist, steht auf der Website www.u18nrw.de. Da gibt es lauter kleine Punkte auf einer großen Deutschlandkarte. Mittlerweile gibt es in Deutschland 1.400 Wahllokale und davon sind über 300 in NRW.

domradio.de: Es soll nicht nur aus Spaß heraus gewählt werden, sondern es steckt auch eine Botschaft und ein Ziel dahinter. Welches?

Brüninghoff: Das hat unterschiedliche Ziele. Die Kinder und Jugendlichen sollen einen möglichst authentischen Wahlakt erleben, damit sie, wenn sie wählen dürfen, keine Hemmungen haben und denken: "Was passiert in so einem Wahllokal eigentlich? Warum sollte ich denn dahin gehen?" Es ist die persönliche Ebene, auf der auch eine Auseinandersetzung mit Kandidaten und Programmen stattfindet.
Gleichzeitig können wir auch nach außen kommunizieren, dass Kindern und Jugendlichen anderes wichtig ist und sie vielleicht anders gewählt hätten. Gerade die Ergebnisse der Landtagswahl machen deutlich, dass Kinder und Jugendliche die AfD nicht in den Landtag gewählt hätten. Das wären knapp vier Prozent bei 35.000 wählenden Kindern gewesen. Außerdem sagen Studien aus Großbritannien, dass der Brexit gar kein Thema gewesen wäre, wenn junge Menschen gewählt hätten.
Auch aus den USA wissen wir, wenn junge Menschen schon bei den Vorwahlen beteiligt gewesen wären, dann wäre Bernie Sanders wahrscheinlich Kandidat der Demokraten geworden und vermutlich wäre er auch Präsident geworden. Von daher darf man das nicht nur kleinreden, dass junge Menschen keine Meinung haben oder sich nicht informieren können. Grade das Internet bietet  Möglichkeiten, die in den älteren Generationen anders genutzt werden.

domradio.de: Es gibt einige Wahllokale, wo Kinder und Jugendliche an den U18-Wahlen teilnehmen können. Wo besteht denn noch der größte Bedarf?

Brüninghoff: Wir haben auf der Landkarte immer noch ein paar weiße Flecken. Der Kreis Düren, der Rheinisch-Bergische Kreis, der Bereich rund um Lippe und der Kreis Soest sind noch relativ dünn mit Wahllokalen für junge Menschen besetzt. Wir haben in den großen Städten, aber durchaus auch in ländlichen Regionen, viele Wahllokale und Schwerpunkte. Das ist also in dem Sinne kein Stadtprojekt, sondern schon weit verteilt. Nichts destotrotz gibt es natürlich Landkreise und Städte, wo man stärker präsent ist.

Das Interview führte Milena Furman.

(DR)

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 22.05.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Frieden geht! - Staffellauf 2018 gegen Rüstungsexporte
  • So war Pfingsten in Lourdes
  • Geburtstag Richard Wagner
  • Internationaler Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Adveniat: Kann die Kirche in Venezuela nach den Wahlen noch als Vermittler eintreten?
  • Wer sind die neuen Kardinäle, die Papst Franziskus ernennt?
  • Heute ist internationaler Tag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Adveniat: Kann die Kirche in Venezuela nach den Wahlen noch als Vermittler eintreten?
  • Wer sind die neuen Kardinäle, die Papst Franziskus ernennt?
  • Heute ist internationaler Tag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Zwei Jahre Haft für einen Erzbischof in Australien?
  • Freiwilligendienste unter der Lupe: Jeder dritte "Bufdi" geht früher
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Zwei Jahre Haft für einen Erzbischof in Australien?
  • Freiwilligendienste unter der Lupe: Jeder dritte "Bufdi" geht früher
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Markusevangelium
    23.05.2018 07:50
    Evangelium

    Mk 9,38-40

  • Rabbiner Leo Baeck
    23.05.2018 09:20
    Anno Domini

    Der liberale Rabbiner Leo Baec...

  • Markusevangelium
    24.05.2018 07:50
    Evangelium

    Mk 9,41-50

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag ab 8 Uhr!

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen