Der Hadsch ist nun auch für Pilger aus Katar zugänglich
Der Hadsch ist nun auch für Pilger aus Katar zugänglich
Dr. Guido Steinberg
Dr. Guido Steinberg

21.08.2017

Stiftung begrüßt Grenzöffnung für Mekkapilger aus Katar Erstes Hoffnungszeichen

Erstmals seit Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Katar will Saudi-Arabien zur Wallfahrt Hadsch seine Grenzen für Pilger aus dem Nachbarland öffnen. "Ein Kompromiss", sagt Guido Steinberg (Stiftung Wissenschaft und Politik) bei domradio.de.

domradio.de: Nochmal zum Hintergrund: Warum stand Katar auf einmal so isoliert da in der Arabischen Welt?

Dr. Gudio Steinberg (Stiftung Wissenschaft und Politik): Saudi-Arabien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate haben Katar Terrorismus-Unterstützung vorgeworfen. Der Hintergrund war aber vor allem, dass alle diese Länder eine Verhaltensänderung Katars erzwingen wollten, sie sollten die Unterstützung der Muslimbruderschaft aufgeben.

domradio.de: Warum hat sich König Salman nun doch dafür entschieden, die Grenzen für die Kataris zu Haddsch zu öffnen und die Pilger sogar auch noch am Flughafen mit dem Privatjet abzuholen?

Steinberg: Ich denke, es ist vor allem ein Zeichen an die katarische Zivilbevölkerung, die in den letzten Monaten enorm unter diesem Boykott gelitten hat. Familien wurden auseinandergerissen, weil sie sich entscheiden mussten, ob sie in Saudi-Arabien, Katar oder in den Vereingten Arabischen Emiraten leben wollen. Das ist in gewisser Weise ein humanitäres Signal an die Bevölkerung, weil sie unter dieser schon lange schwelenden Krise zwischen Saudi-Arabien und Katar gelitten hat.

domradio.de: Wie könnte es denn jetzt nach der Hadsch zwischen Saudi-Arabien und Katar weitergehen? Ist die Grenzöffnung für Mekkapilger ein erstes positives Zeichen, die Grenzen dauerhaft für alle Kataris zu öffnen?

Steinberg: Die Grenzöffnung ist ganz sicherlich als humanitäres Zeichen gedacht. Ich denke, dass Saudi-Arabien und die Emirate verstanden haben, dass Katar nicht so einfach einknicken wird. Es bedarf wahrscheinlich langwieriger Verhandlungen, wenn sie wirklich eine Verhaltensänderung erzwingen wollen. Das ist ein erstes Zeichen, dass Saudi-Arabien zumindest der Bevölkerung gegenüber auf Kompromiss setzt. Ich halte das für ein sehr gutes Zeichen und vielleicht reagieren die Kataris, indem sie jetzt Verhandlungen mit Saudi-Arabien führen.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)

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