Streit um verkaufsoffene Sonntage
Streit um verkaufsoffene Sonntage
Hannelore Bartscherer
Hannelore Bartscherer

12.08.2017

Kölner Katholikenausschuss gegen Sonntagseinkauf "Feiertagsschutz hat zutiefst menschliche Komponente"

Der Sonntag hat es heutzutage schwer. Der Ruhe stehen in vielen Städten verkaufsoffene Sonntage entgegen. Die neue NRW-Regierung will deren Anzahl jetzt noch ausweiten. Vom Katholikenausschuss der Stadt Köln kommt deutliche Kritik.

domradio.de: Bisher durften in NRW die Läden an vier Sonntagen im Jahr öffnen. Die neue Landesregierung will diese Zahl jetzt verdoppeln. Was sagen Sie dazu?

Hannelore Bartscherer (Vorsitzende des Katholikenausschusses der Stadt Köln): Ich finde, das ist ein Skandal. Die vier waren ja schon zu viel. Aber das jetzt zu verdoppeln, hat mit dem Schutz des Sonntags, wie er in unserem Grundgesetz festgeschrieben ist, wirklich nichts mehr zu tun. Die jahrelange Diskussion und die immer wieder thematisierte Situation trägt dem überhaupt nicht Rechnung. Da ist eine Lobbyarbeit von einer bestimmten Seite erfolgreich. 

domradio.de: Welche Seite ist das?

Bartscherer: Das sind die großen Vertretungen der Kaufhäuser in den Städten, die einfach dieses Ladenöffnungsgesetz, das den hohen Schutz des Sonntags vorschreibt, aushebeln. Wir haben in Nordrhein-Westfalen an sechs Tagen in der Woche im Grunde 24 Stunden am Tag die Möglichkeit, Geschäfte geöffnet zu halten. Der eine Tag, um den es geht - der Sonntag - beinhaltet eine Ladenöffnungsmöglichkeit von fünf Stunden. Niemand kann wirklich deutlich machen, dass diese fünf Stunden den Einzelhandel retten. Fakt ist: Es rechnet sich nicht, weil jeder Mensch immer den Euro nur einmal ausgibt.

domradio.de: Werden denn diese verkaufsoffenen Sonntage überhaupt von den Konsumenten gewünscht?

Bartscherer: 73 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik - auch in Nordrhein-Westfalen - halten verkaufsoffene Sonntage für überflüssig. Das ist eine hohe Zahl. Und die Leute wissen ja, warum. Sie wollen diese frei verfügbare Zeit für sich auch nutzen können - zur Erholung, Zerstreuung, Ruhe, Regeneration. Also, der Feiertagsschutz hat nicht nur eine religiöse, sondern auch eine zutiefst menschliche Komponente. Menschen brauchen verfügbare freie Zeit, um sie auch für ihre eigenen Belange nutzen zu können.

domradio.de: Das heißt, ein wirklich echter Ruhetag in der Woche - eben dieser Sonntag - ist ganz enorm wichtig.

Bartscherer: Ein wirklich verfügbarer freier Tag in der Woche ist für die Menschen wichtig, für ihre Gesundheit, für die sozialen Kontakte, für unsere Gesellschaft. Und ich finde, die Politik macht im Moment eine schlechte Arbeit, wenn sie an der Stelle dieses hohe Gut, was in unserem Grundgesetz festgeschriebn ist, einfach so aushebelt.

domradio.de: Sie setzen sich vehement für die Sonntagsruhe ein. Was werden Sie konkret weiter tun?

Bartscherer: Wir haben ja gerade wieder Wahlkampf - zur Bundestagswahl. Wir werden wieder darauf dringen, dass sich unsere Abgeordneten an der Stelle ihrer Verantwortung bewusst sind. Das Erstaunliche ist ja, wenn Sie die Abgeordneten einzeln befragen, sagen sie alle: "Ich gehe grundsätzlich nie sonntags einkaufen. Brauche ich nicht - will ich nicht."  Insgesamt wird aber dann von diesen einzelnen Menschen anders entschieden, weil es Kräfte gibt, die an der Stelle so stark sind, dass sich die Parteien dem nicht entziehen können. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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