Türkische Flagge vor der Bosporus-Brücke
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21.07.2017

Biblische Reisen zu Reisehinweisen für die Türkei "Keiner will mehr hin"

Die Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei sind verschärft worden. Als Reaktion auf die Verhaftung deutscher Menschenrechtler rät das Auswärtige Amt nun zu "erhöhter Vorsicht" – mit Auswirkungen auch für die "Biblische Reisen".

domradio.de: Macht die Türkei einen großen Teil Ihres Angebotes aus?

Rüdiger Tramsen (Geschäftsführer von Biblische Reisen): Die Türkei hat einen großen Teil unseres Angebotes ausgemacht, bis etwa zum Jahr 2015. Mit dem Jahr 2015 sind die Nachfragen nach Reisen in die Türkei stark zurückgegangen. Es war bis dahin eines unserer wichtigsten Reiseländer und das ging dann soweit, dass 2016 nur noch vier kleine Gruppen in der Türkei mit uns unterwegs gewesen waren. 

domradio.de: Was ist Ihnen denn als Absagegrund zu Ohren gekommen? Warum ist das Interesse an Türkeireisen verflogen?   

Tramsen: Anfangs war es sicherlich ein Sicherheitsgedanke. Es gab Angst vor Anschlägen, auch nicht unbegründete Angst. Denn es gab tatsächlich Anschläge, auch ganz gezielt auf Touristen. Ich denke da an Istanbul und auf den Flughafen in Istanbul. Das hat sich mittlerweile eher in eine politische Ablehnung gewandelt.

domradio.de: Das heißt, biblische Reisen in die Türkei finden momentan nicht statt?

Tramsen: Das ist richtig. Wir haben in diesem Jahr null Teilnehmer an Reisen in die Türkei. Wir haben unser Angebot auch entsprechend im vergangenen Jahr etwas eingeschränkt. Wir haben es nicht gebannt, aber eingeschränkt. Aber die Nachfrage ist wirklich gleich null.

domradio.de: Wenn man auf Ihre Internetseite schaut, sieht man zum Beispiel das Angebot "Paulus von Antalya nach Ephesus". Das Angebot steht, aber es bucht keiner?

Tramsen: Das ist korrekt, wir haben unser Angebot aufrecht erhalten in die Türkei zu reisen, weil die Türkei für uns aus geschichtlichen und biblischen Gründen ein sehr wichtiges Reiseland ist. Deshalb auch diese thematische Paulus-Reise. Aber es ist wirklich keine Nachfrage da. Und wenn keine Nachfrage da ist, kann ich diese Reise auch nicht durchführen. So gerne wir sie auch machen würden. 

domradio.de: Was machen Sie denn dann? Was gibt es für Ausweichmöglichkeiten? 

Tramsen: Wir sind zum Glück breit aufgestellt. Wir haben sehr viele Reiseländer, auch in der Umgebung. Da gibt es jetzt andere Länder, die von der Situation in der Türkei durchaus profitieren. Zum Beispiel Italien, Griechenland und Spanien haben ein großes Wachstum bei uns zu verzeichnen.

domradio.de: Wenn man eigentlich gerne auf den Spuren des "Paulus von Antalya nach Ephesus" wäre, dann kümmert man sich stattdessen nun um schottische Mönche? Ist das richtig?   

Tramsen: Ja, es ist in der Tat so. Wir sind ein großer Gruppenreiseveranstalter, mit uns reisen viele Kirchengemeinden. Unsere Gruppen reisen nun teilweise auf den Spuren schottischer Mönche nach Irland. Irland hat bei uns prozentual den höchsten Zuwachs. Wenn sie die Paulusreisen ansprechen, Paulus war ja auch auf Zypern. Und Zypern hat ebenfalls ein starkes Wachstum zu verzeichnen. 

domradio.de: Heute hat Außenminister Gabriel gesagt, dass auch die Reisebedingungen für die Türkei angepasst werden würden. Betrifft Sie das als Reiseveranstalter auch?

Tramsen: Diese Ankündigung ist inzwischen wahr geworden. Um die Mittagszeit kamen sehr ausführliche, revidierte Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei. Etwas außergewöhnlich, wie ich finde. Dort geht es vor allem darum, dass auch Deutsche, die privat in die Türkei reisen, am Flughafen aus unerfindlichen Gründen festgehalten werden könnten. Deswegen würde zu erhöhter Vorsicht geraten. Es handelt sich aber um keine Reisewarnung, die uns verbieten würde, überhaupt Reisen in die Türkei anzubieten. 

domradio.de: Im Moment liegen die biblischen Reisen in die Türkei ziemlich brach. Ist das etwas, was Sie persönlich bedauern?   

Tramsen: Ich persönlich und wir auch als Firma bedauern das sehr. Wir haben natürlich auch Partner in der Türkei, die davon leben. Überhaupt der Tourismus in der Türkei - sehr viele Menschen leben dort von den Touristen aus Deutschland und aller Welt. Uns tun vor allem die Leute vor Ort leid, die dafür überhaupt nichts können.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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