Französisches Atom-U-Boot "le Terrible"
Französisches Atom-U-Boot "le Terrible"

03.07.2017

Sipri-Forscher: Weltweit weniger Atomwaffen Milliarden für Modernisierung

Die Zahl der Atomwaffen wurde in den letzen 30 Jahren drastisch reduziert. Das ist aber kein Grund zum Aufatmen: Denn die Atommächte modernisieren mit enormen Summen ihren Bestand.

Die Bestände der weltweiten Atomwaffen verringern sich weiter: Ihre Zahl ist im vergangenen Jahr um 460 gesunken, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm in einem am Montag veröffentlichten Bericht erklärte. Demnach verfügen die neun Nuklearstaaten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea zu Beginn dieses Jahres insgesamt über 14.935 Atomsprengköpfe. Anfang 2016 hatten die globalen Bestände 15.395 Nuklearwaffen umfasst.

Zugleich gebe es keinerlei Anzeichen dafür, dass die Atommächte bereit seien, ihre Arsenale in absehbarer Zukunft vollständig aufzugeben, sagte Sipri-Forscher Shannon Kile. Stattdessen seien diese Länder dabei, ihre Bestände zu modernisieren. Dieser Trend werde sich demnach fortsetzen - aller internationalen Verhandlungen über die Ächtung von Atomwaffen zum Trotz. Derzeit sind weltweit etwa 4.150 Nuklearsprengköpfe operativ einsetzbar.

Spitzenwert Mitte der 80er

Nach Angaben der Stockholmer Friedensforscher ist die globale Anzahl nuklearer Sprengköpfe seit Mitte der 80er Jahre gesunken. Damals war ein Spitzenwert von nahezu 70.000 erreicht worden. Der Rückgang sei darauf zurück zu führen, dass Russland und die USA ihre Bestände nicht zuletzt nach Inkrafttreten des bilateralen Abrüstungsabkommens "New START" 2011 weiter reduziert hätten, wenn auch nur langsam. Beide Länder besitzen heute immer noch fast 93 Prozent aller Atomwaffen. Die USA hatten angekündigt, bis 2026 etwa 400 Milliarden US-Dollar in Erhalt und Modernisierung ihrer Arsenale zu investieren.

Laut Sipri gibt es Schätzungen von Analysten, wonach Washington innerhalb der nächsten 30 Jahre bis zu eine Billion US-Dollar in Kernwaffenprogramme stecken könnte. "Die berechnete Erhöhung kommt nicht unerwartet", sagt Friedensforscher Hans Kristensen. "Die jetzige US-Regierung führt die ambitionierten nuklearen Modernisierungspläne fort, die zuvor Präsident Barack Obama auf den Weg gebracht hatte."

Entwicklung neuer Systeme in Asien

Die anderen Atommächte, darunter China, Indien und Pakistan, verfügen dem Bericht zufolge über wesentlich kleinere Arsenale. Doch auch diese Länder sind dabei, ihre Bestände zu erweitern sowie neue Raketensysteme zu entwickeln oder beabsichtigen, dies zu tun. Im Falle Nordkoreas wird geschätzt, dass das ostasiatische Land bis zu 20 nukleare Sprengköpfe hergestellt hat. Im vergangenen Jahr hatte Nordkorea, das im Januar 2016 behauptet hatte, eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben, in einem nie dagewesenen Umfang Testflüge verschiedener Raketensysteme mit unterschiedlichen Resultaten durchgeführt.   

(epd, dpa)

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